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Das ist für mich Erfüllung pur

Ramona Bauer engagiert sich als „Rock Your Life!“-Vorsitzende für benachteiligte Schüler

Rock Your Life! Das klingt nach Herausforderung und jeder Menge Spaß. Tatsächlich steckt aber auch viel Arbeit dahinter. Für Ramona Bauer, die Vorsitzende des „Rock Your Life!“-Vereins, sind es über 20 Stunden pro Woche – ehrenamtlich.

08.12.2013
  • Madeleine Wegner

Tübingen. Gleich am ersten Tag ihres Jura-Studiums bekam Ramona Bauer ein Flugblatt in die Hand gedrückt. Werbung am Eingang der Mensa? „Normalerweise funktioniert das bei mir nicht“, sagt die junge Frau. Aber an diesem Oktobertag im vergangenen Jahr war das anders. Das Flugblatt warb für ein Projekt, das Studierende und Schüler zusammenbringt und sich „Rock Your Life!“ (RYL) nennt.

Es soll vor allem Hauptschülern helfen, deren Potenzial viel zu oft unentdeckt bleibt. Der Verein vermittelt und betreut zweijährige Coaching-Beziehungen zwischen Schülern, die kurz vor ihrem Schulabschluss stehen, und Studenten. Ramona Bauer hatte ihr Studium in Tübingen just an dem Tag begonnen, als sie von dem „tollen Projekt“ las. Für sie war klar: In diesem Verein wollte sie sich engagieren. Schon in ihrer Schulzeit am Albertus-Magnus-Gymnasium in Rottweil war sie ehrenamtlich aktiv – als Kassenwart, als Kurssprecherin und in der Schülermitverantwortung. „Das war schon immer mein Steckenpferd nebenher“, sagt die heute 21-Jährige. Außerdem: Die alten Sprachen früher auf dem humanistischen Gymnasium und heute im Studium die Gesetzesbücher: „Das ist alles sehr abstrakt“, sagt Bauer, „der menschliche Kontakt kommt da ein bisschen zu kurz“.

Zunächst hat sie im Organisationsteam des Vereins „Rock Your Life!“ beim Fundraising mitgearbeitet. Ein dreiviertel Jahr später, im Sommer dieses Jahr, wurde sie zur Vorsitzenden gewählt. Heute investiert sie in das Ehrenamt drei Stunden täglich – an sieben Tagen pro Woche. Wie sie das mit ihrem Jura-Studium und dem Privatleben unter einen Hut bekommt? „Eine Frage des Timings“ sei das. „Es ist nicht so, dass ich kein Privatleben habe“, beteuert die 21-Jährige, ihr Leben sei dadurch auch nicht einseitig.

„Jeden Abend Party ist natürlich nicht drin“, sagt die Studentin und fügt hinzu: „Aber das entspricht auch nicht meinem Wesen.“ Ramona Bauer wirkt deutlich älter als sie mit ihren 21 Jahren ist. Das liegt vielleicht daran, dass sie mit größter Selbstverständlichkeit Sätze sagt wie: „Ich bin generell nicht abgeneigt, Verantwortung zu übernehmen.“ Oder: „Der Spaßfaktor steht an erster Stelle beim Ehrenamt.“ Sich bei den „Rockern“ zu engagieren und mit Jugendlichen zu arbeiten, das sei für sie „Erfüllung pur“. Die Studentin wirkt taff und zupackend. Für sie scheinen nicht Probleme, sondern deren Lösung im Vordergrund zu stehen.

Was möchte ich im Leben? Wie schaffe ich es dahin ? Und was sind meine Stärken? Diese Fragen wollen die Ehrenamtlichen zusammen mit den Schülern klären. Der Verein will vor allem benachteiligten Schülern helfen. Mit zwei Tübinger Schulen, der Geschwister-Scholl-Schule und der Werkrealschule Innenstadt, gibt es Kooperationsverträge. Für jeden Schüler, der mitmachen möchte, sucht der Verein einen Studenten, die ihn als Coach und Vertrauensperson zwei Jahre lang bis zum Schulabschluss begleitet. Und zum Beispiel auch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt.

Ramona Bauer ist überzeugt: Das Vorurteil Hauptschüler seien faul stimmt hinten und vorne nicht. „Sie wollen arbeiten“, sagt sie, „das größte Problem ist nur, wie sie es anpacken sollen“. Wie sollen 13- oder 14-Jährige einen Überblick über die Fülle der Angebote bekommen? „Da haben ja selbst Abiturienten oft Probleme“, sagt Bauer.

Aber warum dann gerade Studenten als Coaches? Hätten Ältere nicht viel mehr Erfahrungen zu bieten? So sei die Altersspanne nicht so groß, die Studenten seien „näher dran an den Schülern“ und könnten sich noch gut an ihre eigene Schulzeit erinnern. „Vielleicht sind wir genau deshalb deutschlandweit so erfolgreich“, sagt die Vereinsvorsitzende über das Konzept.

Der im April 2012 gegründete Tübinger Verein gehört zu einem bundesweiten Rock-Your-Life-Netzwerk, ist jedoch selbstständig organisiert. „Wir haben hier in Tübingen mittlerweile eine solche Größe erreicht, da müssen die Sachen, die wir machen, Hand und Fuß haben“, sagt die Vorsitzende. Der Verein betreut über 80 Coaching-Beziehungen. Mit jedem einzelnen Coaching-Paar geht der Verein auch finanziell eine zweijährige Verpflichtung ein. Für seine Arbeit benötigt der Verein pro Jahr rund 15 000 Euro, zum Beispiel für die Qualifizierungsseminare der Studenten. Nicht zuletzt fehlen auch feste Räume – für die Büroarbeiten, um Material zu lagern oder für größere Seminare am Wochenende.

Info: Spenden können Sie auf das Konto 17 11 11 – entweder bei der Kreissparkasse (BLZ 64150020) oder der Volksbank (64190110), Stichwort „Projekt 2“. Wenn sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Ramona Bauer engagiert sich als „Rock Your Life!“-Vorsitzende für benachteiligte Schüler
Drei Stunden Ehrenamt täglich neben dem Jurastudium: Ramona Bauer.

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08.12.2013, 12:00 Uhr
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