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Ract!-Festival hinterlässt Schlammschäden im Tübinger Anlagenpark
Ich war eine Grünfläche! Was der heftige Regen gemeinsam mit zahlreichen Festivalgästen nicht besorgt hat, erledigen Transportautos und Gabelstapler. Bild: Sommer
Grüne Wiese als A und O

Ract!-Festival hinterlässt Schlammschäden im Tübinger Anlagenpark

So schlimm sah der Anlagenpark noch nie aus aus wie nach diesem Festival-Wochenende. Tiefe Furchen durchziehen den Matsch, grüne Flächen gibt es nur noch vereinzelt. „Es tut uns leid, das zu sehen“, sagt Ract!-Mitorganisatorin Christin Gumbinger. „Wir mögen den Park ja!“

07.06.2016
  • MARIKE SCHNECK &WILHELM TRIEBOLD

Tübingen. Ein sonniges Wochenende und ein unverwüstetes Grün, das wär’s gewesen, sagt Ract!-Mitorganisatorin Christin Gumbinger. Es sollte nicht sein. „Wir hatten einfach Pech. Zwei Tage Festival im Regen – das hinterlässt Spuren.“ Nicht nur im Matsch. Es waren wegen des Regens am Wochenende auch deutlich weniger Besucher zum Mitfeiern gekommen als noch in den Vorjahren.

Wie viele Gäste das Ract! in diesem Jahr tatsächlich hatte, dazu gibt es aktuell noch keine Schätzung. „Aber es waren sicher mehr als nur ein paar hundert“, sagt Gumbinger. Dafür gab es auch weniger Ärger. Die Polizei hatte am Freitag und Samstag je ein so genanntes „Präsidium Einsatz“-Team mit zwölf Beamten in den Anlagenpark entsandt. Gemeldete Vorkommnisse: keine. Am späten Freitagabend musste aber eine Streife anrücken, als betrunkene Besucher beim Verlassen des Geländes eine Schlägerei anzettelten. Ein Mann wurde verletzt. Der Schläger wurde anschließend im Nachtbus nach Reutlingen gefasst, wo er ebenfalls randalierte.

Den Angriff auf Oberbürgermeister Boris Palmer – er war wohl absichtlich mit Bier überschüttet worden – kritisiert Christin Gumbinger scharf. „Herr Palmer ist unser Schirmherr und wir sind darüber sehr froh!“ Es sei bedenklich, dass Palmer jedes Jahr „politisch motiviert“ angegriffen werde. „Das Ract! fördert die politische Auseinandersetzung – aber mit Worten!“ In der Abschlussbesprechung kommende Woche soll der Vorfall noch einmal thematisiert werden.

Abwägungsprozess ohne allzu viel Optionen

Nun hoffen die Festivalmacher erst einmal auf eine gute Lösung mit der Stadt, wenn es darum geht, den Anlagenpark wiederherzustellen. Ordnungsamtsleiter Rainer Kaltenmark ist zuversichtlich. „Natürlich macht es ein Stück weit betroffen, wie der Park jetzt aussieht“, sagt er. „Aber da können die Veranstalter nichts dafür, die Rahmenbedingungen waren einfach schlecht.“ Wenn die Helfer mit dem Abbau fertig und die Flächen einigermaßen getrocknet sind, werde man sich den Anlagenpark noch einmal gemeinsam anschauen. „Dann werden auch die Kollegen von den Stadtbaubetrieben dabei sein, die kennen sich aus. Ich bin sicher, wir finden einen Weg.“

„Sieht nicht schön aus“, räumt Bürgermeisterin Christine Arbogast ein, als Park-Anwohnerin „ohnehin leidgeprüft“. Formal muss das Festivalgelände intakt übergeben werden, wie im Überlassungsvertrag vereinbart, so Arbogast. „Aber das ist völlig unrealistisch.“ Auch sie will erst einmal die Bestandsaufnahme der Schäden abwarten: „Ist der Aufwand so viel größer, oder kriegt man das mit vertretbarem Aufwand hin?“

Tübingens Erste Bürgermeisterin weist darauf hin, dass es „eine politische Entscheidung“ war, das Ract!-Festival jährlich im Park stattfinden zu lassen. Sie sei da „hin- und hergerissen“: Einerseits findet sie „gut, solche Events möglich zu machen. Auf der grünen Wiese würde das nicht stattfinden.“ Sie registriert aber auch, wie „szenebesetzt“ das Gelände über auch die restlichen Monate ist. „Rund um die Uhlandstraße ist übers ganze Jahr Party“. Es sei eben „ein Abwägungsprozess“. Es gebe „nicht besonders viel Optionen.“

Ursprünglich sollte sich gleich ein Public Viewing der Fußball-EM ans Ract! anschließen. „Uns haben die Partner gefehlt“, sagt Alexander Stagl, Chef des „Hotel Krone“. Tübinger Firmen und Unternehmen hätten „ein nicht so gutes Gefühl“ gehabt, „die Terrorgeschichte bleibt in den Köpfen hängen.“ Undenkbar, wenn Spiele abgesagt oder verlegt würden – „absolutes No-Go!“

Der gegenwärtige Zustand des Anlagenparks alarmiert Stagl, der in sieben Wochen hier wieder mit der Gastonomen-Vereinigung Tü-Gast am See bewirt(schaft)en möchte. „Die Sommerinsel lebt von dem Ambiente dort“, betont Stagl. „Die grüne Wiese ist das A und O. Man kann doch nicht von der Sommerinsel reden und den nicht vorhandenen Rasen angucken!“

Finanziell können die Ract!-Macher nichts zuschießen, das Festival ist keine kommerzielle Veranstaltung. „Aber wenn es um Manpower geht, kriegen wir auf jeden Fall ein schlagkräftiges Team zusammen“, sagt Gumbinger und lacht. „Das Ract!-Team hat nach dem Dieter-Thomas-Kuhn-Konzert am Sparkassen-Carré zum Beispiel von Hand das Konfetti aus dem Rasen gelesen und nach Bob Dylan die Kippen – wir können hart arbeiten.“

Equipment muss erstmal trocknen

Doch jetzt steht erstmal der Abbau auf dem Plan. Die Arbeiten gestalten sich der Nässe wegen schwierig und werden voraussichtlich bis Donnerstag dauern. Viele Teile des Equipments müssen erst vollständig trocknen und dann gesäubert werden, ehe sie verpackt und verladen werden können. Das dauert. „Außerdem“, sagt Gumbinger, „versuchen wir, den ohnehin schon geschundenen Rasen durch die Arbeiten nicht noch mehr zu beschädigen – auch wenn uns das nicht überall gelingt.“ Bühnenteile, Stände, Getränkewagen – vieles muss mit dem Lastwagen abtransportiert werden. „Das geht leider nicht anders.“

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07.06.2016, 01:00 Uhr
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