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An Silvester wird im Freundes- und Familienkreis getafelt

Raclette und Fondue sind die Favoriten

Wok geht immer. Aber an diesem Silvester kommt im Kreis Tübingen vor allem das Raclette- oder Fondue-Set auf den Tisch – herzhaft mit Fleisch oder Käse. Schokolade zieht wenige Tage nach Weihnachten eher nicht.

31.12.2012
  • von Ute Kaiser

Raclette und Fondue sind die Favoriten

Kreis Tübingen. Bloß kein Stress! Das empfehlen einschlägige Ratgeber für die private Silvesterparty. Einfache Gerichte und Snacks fürs Buffet oder Fondue und Raclette stehen dort an erster Stelle. So können auch die Gastgeber ganz entspannt mit der Familie und Freunden auf das neue Jahr anstoßen.

Im Gefängnis gibt es Pichelsteiner Eintopf

Die Gefangenen in der Rottenburger Justizvollzugsanstalt werden den Abend in ihren Zellen verbringen, in denen sie auch essen. An Silvester, sagt Anstaltsleiter Matthias Weckerle, sind die Mahlzeiten „traditionell bescheiden“. Mittags gibt es Pichelsteiner Eintopf, abends Vesperbrot mit Camembert. An den Weihnachtsfeiertagen dagegen standen Putengeschnetzeltes, Burgunderbraten und Grillhähnchen auf dem Speiseplan. Für die Inhaftierten ist der Jahreswechsel „eine schwierige Zeit“, sagt Weckerle – auch wegen der Trennung von der Familie. Die Beschäftigten, die am Jahreswechsel Dienst haben, nehmen sich Zeit für Gespräche.

Die Kundschaft der Metzgerei Egeler in Reusten will mit Gästen feiern. Sie scheint dabei vor allem auf das Fondue chinoise zu setzen. Es wird im Gegensatz zum Fondue bourguignonne nicht mit Fett oder Öl, sondern mit Brühe zubereitet. Das Interesse daran nimmt „immer mehr“ zu, sagt Inhaber Günther Egeler. Damit die Stücke von Rind, Schwein und Kalb perfekt werden, friert er das Fleisch kurz an, bevor er es in dünne Scheiben schneidet. Wer sich keine Mühe mit der (Rinderkraft-)Brühe machen möchte, kann vom Metzgermeister selbst hergestellte in Gläsern mitnehmen.

Raclette und Fondue sind die Favoriten

Auch „Raclette ist stark im Kommen“, sagt Egeler nach Durchsicht der Bestellungen. Er empfiehlt Rinderhüfte und Schweinerücken. Die Familie Egeler wird an Silvester wohl Roastbeef verspeisen – und zwar bei niedriger Temperatur gegart. Das dauert zwar rund drei Stunden, macht aber, wie der Profi sagt, „wenig Geschäft“ und lässt Raum, „alles andere schön vorzubereiten“.

Bitzmenüs und aufwendige Kreationen

Im Tübinger Haushaltswarengeschäft Dinkel gibt es keinen ausgesprochenen Silvester-Renner, wie Ulrich Dinkel sagt. Dort verkaufen sich Fondue- und Raclette-Sets derzeit ebenso gut wie Töpfe und Pfannen. Bei Jeckel in Rottenburg halten sich Raclette und Fondue die Waage, so die Auskunft einer Fachverkäuferin. Speziell zu Silvester sind dort allerdings Rechaud, Topf und Zuckerhut-Zange als Basis für eine zünftige Feuerzangenbowle besonders gefragt. Woks liegen von Frühling bis Winter im Trend: „Die verkaufen wir das ganze Jahr über.“ Bei der Verkäuferin bleibt an Silvester die Küche kalt. Sie wird ausgehen.

Der zwölfjährige Davud Ulbrich dagegen bleibt zu Hause und verkürzt sich mit Spielen wie „Tabu“ und „Siedler von Catan“ die Zeit, bis endlich die Raketen hochgehen. Auch in der Familie des Tübinger Siebtklässlers, der die Freie Aktive Schule besucht, gibt es zum Abendessen Raclette.

In Zeitschriften und auf Internet-Seiten finden sich vielfältige Vorschläge, wie die Familie und Freunde an Silvester lecker bekocht werden können. Aufgetischt wird dort Wild, Fisch oder Vegetarisches. Und es gibt Vorschläge für Blitzmenüs, die mit vergleichsweise wenig Aufwand viel hermachen. Wer sich auf den Speisekarten der Restaurants in und um Tübingen umsieht, die Gäste am letzten Tag des Jahres bewirten, findet etliche Gerichte mit nicht-alltäglichen Kombinationen wie etwa Hirschkarree mit Maronentörtchen, Schwarzwurzeln, Rosenkohl und Cranberries.

Für die Patienten des Tübinger Uni-Klinikums, die den Jahreswechsel im Krankenbett begehen müssen, stehen zwei Menüs zur Auswahl. In der Vollkostvariante gibt es Nudelsuppe, Cordon bleu von der Pute, Rosenkohl und Kartoffelpüree. Als Nachtisch hat die Dienstleistungsorganisation U.D.O., die für das Klinikum Speisen zubereitet, Apfelmus vorgesehen. Das zweite Menü unterscheidet sich nur im Hauptgang. Dort gibt es Bionudeln mit Sojabolognese-Soße und geriebenem Käse, dazu Blattsalate.

Die Kundschaft beim Tübinger Marktkauf setzt zum Jahreswechsel auf Bewährtes. Lachs und Forelle sind „Standard“, sagt Marktleiter Hans-Peter Engelhard. Ebenso kommen traditionell Raclette mit verschiedenen Soßen zum Dippen und Salate auf den Tisch. Aber auch Pasteten werden momentan stärker nachgefragt. Was Engelhard selbst am letzten Tag des Jahres essen wird, weiß er noch nicht. Nur, dass er den Abend nach dem stressigen Feuerwerk-Verkauf „ganz ruhig“ verbringen möchte und dass er sich „nur mit Mühe“ bis Mitternacht wird wach halten können.

In die Gläser kommt Sherry oder Spumante

Zum Silvesterfest gehören Getränke, die nicht jeden Tag ins Glas kommen. Die Kunden der Mössinger „Spezialitäten-Compagnie“ greifen zu Spumante oder Crémant, der früher „ein Lückenbüßer zwischen Champagner und Sekt war“, so Inhaber Hans Nill. Nicht nur bei den Schaumweinen hat sich „ein bisschen etwas getan“. Auch die weltweit gestiegene Nachfrage nach Whisk(e)y ist im Laden zu spüren. Nill macht überraschend viel „reges Interesse an Regionen und Sorten“ aus. Mehr als ein Dutzend hat er im Angebot.

Wer glaubt, dass nur Männer sich für diese aus Getreide gewonnene Spirituose erwärmen können, ist nicht auf der Höhe der Zeit. Auch viele Frauen interessierten sich dafür und „kennen sich erstaunlich gut aus“, so Nill.

Außerdem beobachtet er eine Renaissance des Sherry, der „toter als tot war“. Woran das liegt, kann sich der Spezialitäten-Händler nur „mit Kochgeschichten“ erklären. Genauer damit, dass die alkoholverstärkten Likörweine aus Spanien mit unterschiedlichen Geschmacksnuancen mittlerweile „ganze Menüs begleiten“. Inzwischen lohnt es sich für Nill, das süffige Getränk frisch abgefüllt aus einer kleinen Bodega in Jerez direkt zu importieren. Bilder: Fotolia

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31.12.2012, 12:00 Uhr
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