Tübingen

Private Initiative

Von Udo Halbscheffel, Tübingen

Eine Alternative zu den für Tübingen gewünschten (und vom Gemeinderatsausschuss für Kultur, Bildung und Soziales am Donnerstag vergangener Woche auch für die Innenstadt beschlossenen) Stolpersteinen bringt dieser Leser ins Spiel.

Tübinger Stadträte sind gerade dabei, über weitere Stolpersteine nachzudenken, mit denen man an ehemalige jüdische Mitbürger erinnern möchte. Helge Noack machte am 11. September anlässlich eines Stadtrundganges mit Tübinger Bürgern mit Jakob van Hoddis bekannt, der wie Hölderlin einst Patient in der 1894 eröffneten Tübinger Universitäts-Irrenklinik war.

Van Hoddis, 1887 in Berlin als Sohn einer jüdischen Arztfamilie geboren, kam 1922 geisteskrank nach Tübingen in die Pflege der Wirtsfamilie Dieterle. Sein berühmtes Gedicht „Weltende“ gilt als Beginn des literarischen Expressionismus in Deutschland. Bevor Jakob van Hoddis Patient in der Psychiatrie wurde, lebte er von 1924 bis 1927 bei der Familie Dieterle in der Sofienstraße 2. Heutige Bewohner dieses Hauses luden am 16. Mai 2012 zu einer szenischen Lesung ein und gedachten auf diese Weise des 125. Geburtstages von van Hoddis. Eine private Initiative der Hausbewohner ermöglichte es, dass eine Gedenktafel am Haus angebracht wurde, eine sehr zu lobende Alternative zu den augenblicklich diskutierten Stolpersteinen.


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23.09.2017 - 01:00 Uhr