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Der Tübinger Verein feiert seinen 35. Geburtstag

Prinz Karl und der Jazz

Tübingen ist seit langem offen für den Jazz. Einen großen Anteil daran hat der Verein „Jazz im Prinz Karl“. Der feiert Geburtstag und wird dieses Jahr 35 Jahre alt.

29.08.2012

Tübingen. Die langen Nächte im Prinz Karl, der alten Mensa in der Altstadt, oder Jahre später im lauschigen Schlosshof sind für viele ältere Jazzfans in Tübingen bewegte Erinnerungen. Unvergessen sind die Abende, als die Klangsalven des Willem Breuker Kollektiefs dem gemeinsamen Zorn Gehör verschafften oder Dexter Gordon kleine Geniestreiche auf dem Tenorsax zelebrierte.

Angefangen hat alles vor 35 Jahren. Da brüteten ein paar langhaarige Jazz-Enthusiasten bei Gustav in der Tübinger Haaggasse über der Idee, bekannte Jazzgruppen nach Tübingen einzuladen und sie in der alten Prinz-Karl-Mensa auftreten zu lassen.

Das erste Konzert fand im Juni 1977 statt. Der Spielort mitten in der Altstadt machte es noch notwendig, die Fensteröffnungen zur Schallisolierung mit Matratzen auszustopfen. Trotzdem ließ sich der Spielort wegen zahlreicher Beschwerden von Nachbarn nur ein paar Monate halten. Danach zog der Verein mit seinen Konzerten in die Mensa Wilhelmstraße um. Geblieben ist der Name „Jazz im Prinz Karl“.

Vereinsgründer Richard Kaiser erinnert sich noch gut an die Aufbruchstimmung der späten 1970er Jahre. Als noch Miles Davis die Konzerthallen füllte und Improvisation mit ihrer grenzüberschreitenden Tendenz zum Zauberwort für jeden Jazzbegeisterten wurde: „Wir haben damals aus dem Nichts heraus angefangen, mit den Jahren hat sich jedoch eine überaus vertrauensvolle Zusammenarbeit mit zahlreichen Musikern und Veranstaltern entwickelt“, erzählt das dienstälteste Jazz-im-Prinz-Karl-Mitglied und Vorstand.

Drei Jahre nach dem ersten Konzert gründeten Walter Springer, Otto Paul Burkhardt und eben Richard Kaiser den Verein. Von Anfang an war „Jazz im Prinz Karl“ eine rein ehrenamtliche Initiative und ist es bis heute geblieben.

Der Verein hat heute rund 60 Mitglieder, den Vorstand bilden neben Richard Kaiser noch Hugo Burkhardt und Bruno Gallo. Auch der Anspruch, gerade internationalen Jazzgrößen ein Forum zu bieten, besteht nach wie vor, wenn auch finanzielle und räumliche Einschränkungen immer wieder mal einen Strich durch diese Rechnung machten.

Dennoch ist es den Jazz-im-Prinz-Karl-Machern in den zurückliegenden 35 Jahren gelungen, Tübingen zu einer kleinen Hochburg für hochwertige Jazzkonzerte zu entwickeln. Neben herausragenden deutschen Vertretern (The United Jazz + Rock Ensemble, Albert Mangelsdorff, Paul Kuhn, Dieter Ilg, Wolfgang Dauner) kamen zahlreiche internationale Größen wie Dexter Gordon, Chet Baker, Betty Carter, John Abercrombie, Don Cherry, Milt Jackson, Pharoah Sanders, Al DiMeola, Joe Zawinul, James Blood Ulmer, John Scofield, Chico Freeman, Dollar Brand, Art Blakey, Dave Holland, Archie Shepp, Richie Beirach, Esbjörn Svensson, Nils Landgren, Richard Galliano und China Moses in die Neckarstadt.

Seit Mitte der 1990er Jahre haben sich das Sudhaus und gelegentlich die Rottenburger Zehntscheuer (in Kooperation mit dem dortigen Kulturverein) zu den Haupt-Veranstaltungsorten entwickelt. Außerdem fanden in der Vergangenheit Konzerte im d.a.i., im Institut Culturel Franco-Allemand und im Hauptbahnhof statt.

Auch mit anderen Organisationen wie den Jazz- und Klassiktagen oder dem Jazzclub Tübingen arbeitet der Verein intensiv zusammen. Durch die Bündelung verschiedener Kräfte und „flexibles Reagieren, wenn sich kurzfristig eine Möglichkeit ergibt“ ist es häufig erst möglich, bekannte Künstler nach Tübingen zu lotsen.

Denn zum Leidwesen nicht nur der Tübinger Veranstalter schrauben sich die Gagen bekannter Künstler kontinuierlich in die Höhe, dagegen stagniert die finanzielle Unterstützung der Stadt auf niedrigem Niveau. So ist die ehrenamtliche Arbeit des Vereins eine ständige finanzielle Gratwanderung. Neben den Mitgliedsbeiträgen erhält der Verein einen städtischen Zuschuss von 4 000 Euro im Jahr. Außerdem wird er von einigen Sponsoren unterstützt. Die Eintrittsgelder aus den Konzerten ergänzen die Einnahmeseite, werden aber in der Regel für die Künstlergagen aufgebraucht.

Auch das hat sich seit 1977 kaum geändert: Die Mittel sind knapp, sparsames Wirtschaften und Improvisationskunst sind weiterhin gefragt – damit „Jazz im Prinz Karl“ auch in den nächsten 35 Jahren die Tübinger Jazzszene bereichert.

Jürgen Spieß

Das Jubiläumsprogramm startet am 28. September mit dem Arve Henriksen Trio im Sudhaus.

Weitere Konzert-Höhepunkte (alle im Sudhaus):

14. Oktober.: Dusko Goykovic 18. Oktober: Tingvall Trio 20. Oktober: Helen Schneider Zehntscheuer Rottenburg: 27. Oktober: Quest

Prinz Karl und der Jazz
Zwei Vorstände vom Tübinger Prinz Karl: Richard Kaiser (links) und Bruno Gallo. Bild: Spieß

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29.08.2012, 12:00 Uhr
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