Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Russland

Präsente von Freund und Feind

Wladimir Putin wird heute 65. Aber sein Geburtstag interessiert ihn weniger als die nächsten Präsidentschaftswahlen.

07.10.2017
  • STEFAN SCHOLL

Moksau. Russlands Präsident Wladimir Putin gibt sich mal wieder asketisch. Auf die Frage, wie er seinen Geburtstag begehen wolle, ließ sein Pressesprecher durchblicken, es werde wohl kaum gefeiert. „Arbeitsmaßnahmen sind nicht ausgeschlossen.“

Heute wird Putin 65 Jahre alt. Russland gratuliert durchaus eifrig. Tschetschenenchef Ramsan Kadyrow veranstaltet in Grosny ein Fußballspiel. In Moskauer Haus der Poeten eröffnet eine Dokumentation mit den auffälligsten Trends, die Putin im Internet hervorgerufen hat. Es gibt auch von Künstlern gestaltete Putin-T-Shirts. Putin ist schließlich Kult in Russland. Und die staatliche Nachrichtenagentur Tass verkündet stolz, eine Pizzeria in Washington biete eine spezielle 22,50 Dollar-Pizza an: „Hot like Putin.“

Aber vor allem hagelt es politische Geschenke, von Freund und Feind. Der selbsterklärte demokratische Präsidentschaftskandidat Alexei Nawalny, gerade wieder zu einem 20-Tage-Arrest verdonnert, rief seine Anhänger auf, Putin an seinem „Rententag“ mit Massenprotesten in ganz Russland zu gratulieren. Und nachdem die Sicherheitsorgane am Donnerstag zahlreiche Hausdurchsuchungen bei Aktivisten der Oppositionsbewegung Offenes Russland veranstaltet hatten, twitterte deren Führer Michail Chodorkowski erbost aus dem Londoner Exil: „Festvorbereitungen für Putins Jubiläum.“

Straßenopposition ist wieder da

Tatsächlich vermerken Beobachter, Putin habe in den vergangenen Jahren immer mehr Höflinge um sich versammelt, die ihr Tagwerk vor allem seiner guten Laune widmeten. Die Mehrheit der oppositionellen Experten hält die neuen Repressalien für Routine. „Das Regime benötigt inzwischen ein bestimmtes Niveau von Gewaltmaßnahmen, um seine Macht zu sichern“, erklärt der Politologe Juri Korgonjuk unserer Zeitung. Nawalny mit seinen Wahlkampfdemos verdrieße Putin, nicht weil er ihm den Geburtstag verderbe. Sondern weil er vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden März die eigentlich schon tot geglaubte Straßenopposition wieder auf die Beine gebracht habe.

Niemand in Russland zweifelt daran, dass Putin im März seine Wiederwahl erwartet. Auch wenn er 65 Jahre alt ist und Russlands Männer schon mit 60 Jahren in Rente gehen. Aber Putin gilt als topfit – körperlich wie geistig.

Im September brachte ein anonymer Kremlbeamter gegenüber der Zeitung Wedomosti Xenia Sobtschak als Putins „ideale Gegenkandidatin“ ins Rennen. Sobtschak, 35, It-Girl und TV-Moderatorin, profilierte sich neben Nawalny als eine der Führerinnen der liberalen Straßenproteste 2012. Andererseits ist sie die Tochter Anatoli Sobtschaks, des Ex-Bürgermeisters von Sankt Petersburg, dem Putin bis in dessen Tod treu diente. Also keine wirkliche Feindin, eher eine Sparringspartnerin. Stefan Scholl

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

07.10.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular