Gewalt

Polizei: Das war Rache an der Ex-Frau

Von PETER DE THIER

Der Todesschütze von Sutherland Springs war offenbar psychisch krank. Seine ehemalige Schwiegermutter gehört der Baptistengemeinde an, in deren Kirche er 26 Menschen erschossen hat.

Polizei: Das war Rache an der Ex-Frau

Trauer in Sutherland Springs: Bewohner und Besucher in einer Nachtwache zum Gedenken an die Opfer des Anschlags. Foto: dpa

Sutherland Springs. Der Mord an 26 Menschen in und vor ihrer Baptistenkirche hat die Einwohner von Sutherland Springs in Schock versetzt. Zumal der Täter Devin Patrick Kelley (26) einen Bezug zu dem kleinen texanischen Ort hatte: Familienmitglieder seiner Ex-Frau gehören der Kirchengemeinde an. Darin könnte das Tatmotiv liegen, vermuten Ermittler. Kelley, ein ehemaliger Soldat der US-Luftwaffe, habe unter schweren psychischen Störungen gelitten und habe sich an der Familie seiner Ex-Frau rächen wollen.

Am Tag nach dem Massaker konnte Joe Tackitt, der Sheriff von Sutherland Springs, einer knapp 400 Einwohner zählenden Gemeinde südöstlich von San Antonio, sich die Tränen kaum verkneifen. „Dieser Mensch, oder dieses Tier, was auch immer man ihn nennen will, hat ganze Familien zerstört“, sagte er schluchzend. „Alles gute Christen, die so ein Schicksal nicht verdienten.“

Unter den Opfern befinden sich acht Mitglieder einer Familie und die 14-jährige Tochter des Predigers Frank Pomeroy. Ausgerechnet an diesem Sonntag hatte Pomeroy den Gottesdienst einem anderen Pfarrer überlassen. Wenige Stunden nach dem Blutbad erfuhr er am Telefon vom Tod seiner Annabelle und vieler ihrer Freundinnen.

Unklar blieb vorläufig, ob sich Kelley selbst das Leben genommen hatte oder starb, weil er von einem Nachbarn der Kirche angeschossen worden war, als er die Kirche verließ und in sein Auto sprang.

Der Nachbar hielt einen Ortsbewohner an, Johnny Langendorff, der gerade an der Kirche vorbeifahren wollte. Gemeinsam fuhren sie dem Schützen 17 Kilometer weit nach, bis dessen Wagen von der Straße abkam. Kelley habe sich nicht geregt, sagte Langendorff. Dann sei die Polizei eingetroffen, die er übers Handy auf dem Laufenden gehalten hatte.

Zum mutmaßlichen Tatmotiv haben das Bundeskriminalamt FBI und die lokale Polizei einige Indizien zusammengetragen. Demnach war der Kelley 2012 verheiratet, allerdings weniger als ein Jahr lang. 2012 wurde er von einem Militärgericht wegen Gewalt gegen seine Frau und deren Kind verurteilt und zwei Jahre danach unehrenhaft entlassen.

Unfähig, eine gut bezahlten Job zu finden, arbeitete er unter anderem in einem Vergnügungspark in seinem Heimatort New Braunfels, gut 50 Kilometer nördlich von Sutherland Springs. Zudem hatte er vom Staat Texas eine Lizenz als Wachmann erhalten.

Der Zorn auf seine Ex-Frau sowie deren Familie ist nach Darstellung eines forensischen FBI-Psychologen in den Jahren nach seiner Entlassung aus dem Militär weiter gewachsen. Seine frühere Schwiegermutter und andere Familienmitglieder gehören der Kirchengemeinde der First Baptist Church of Sutherland Springs an. An dem Gottesdienst am Sonntag hatten sie aber offenbar nicht teilgenommen.

Kelley hat mehrfach versucht, eine Waffe zu kaufen. Beim ersten Versuch wurde sein Antrag wegen seiner gewalttätigen Vergangenheit abgelehnt. Im zweiten Anlauf führte offenbar eine Gesetzeslücke dazu, dass die Behörden den Antrag genehmigten.

Ermittler bedauern, dass Warnsignale nicht früher erkannt wurden. Schließlich hatte Kelley eine knappe Woche vor dem Massenmord stolz ein Foto seines neuen Sturmgewehrs auf seine Facebook-Seite gestellt.

„Mich wundert nicht, was er getan hat“, berichtete Patrick Boyce, ein früherer Schulkamerad des Täters. „Er predigte schon als Schüler seinen Atheismus, war irgendwie ein gruseliger Typ und zuletzt immer depressiver geworden.“

Die aufkeimende neue Debatte um schärfere Kontrollen von Waffen versuchte US-Präsident Donald Trump gleich zu ersticken. In Tokio sagte er über das Massaker: „Das hat nichts mit Waffen zu tun. Ich denke, dass das Problem hier geistige Gesundheit ist.“


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07.11.2017 - 06:00 Uhr