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Noch viele Lücken in Eschenburgs Biographie

Podiumsdiskussion um umstrittenen Staatsrat

Theodor Eschenburg bleibt umstritten. Wissenschaftler wollen über das Leben des legendären Politikwissenschaftlers erst mal mehr herausfinden.

23.01.2013
  • von RAIMUND WEIBLE

Tübingen War er ein politischer Opportunist, der den nationalsozialistischen Staat mit am Laufen hielt? Oder doch eine sehr ehrenwerte Persönlichkeit, die, ohne sich als Held hervorzutun, auf anständige Weise die Hitlerzeit überstand? Über Theodor Eschenburg (1904 - 1999), den legendären Staatsrat, Publizisten und Politikwissenschaftler, gehen die Meinungen auseinander. Das zeigte sich auch in der Podiumsdiskussion, die das Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen anstatt der ausgefallen Eschenburg-Vorlesung veranstaltete.

Podiumsdiskussion um umstrittenen Staatsrat
Pfeifenraucher Theodor Eschenburg war ein gefragter politischer Ratgeber - auch für den früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth.

Die vier Wissenschaftler auf dem Podium waren sich nur in einem Punkt einig: Die Biographie Eschenburgs weist Lücken auf. "Wir stehen erst am Anfang der Forschung bei Eschenburg", sagte der Marburger Historiker Eckart Conze, der sich großes Renommee durch seine Arbeit über die Geschichte des Auswärtigen Amts erworben hat.

Auch für den Tübinger Historiker und Journalisten Hans-Joachim Lang stellen sich viele Fragen. Bisher gibt es nur wenige gesicherte Erkenntnisse über Eschenburgs Gebaren im "Dritten Reich", das er als Geschäftsführer mittelständischer Industrieverbände überstand. Dabei beteiligte er sich bei der Enteignung eines jüdischen Unternehmers. Was der Tübinger Politologe Hans-Georg Wehling bestreitet. Eschenburg sei nur zugezogen worden.

Die Politologin Hannah Bethke aus Greifswald rechtfertigte vor gut 250 Zuhörern ihre Empfehlung, wegen der Schatten auf Eschenburgs Biographie solle die Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft ihren Eschenburg-Preis umbenennen.

Bethke kreidet Eschenburg an, dass er seine unrühmliche Rolle in der NS-Zeit nicht eingestanden hat. Conze stimmte Bethke zu. Der Professor lastet Eschenburg an, dass er nach 1945 dabei mitgewirkt habe, konservative Eliten zu entlasten, etwa Adenauers Kanzleramts-Chef Hans Globke, des Kommentators der Nürnberger Rassegesetze. "Hatte sich Eschenburg dabei selbst im Blick?" fragte Conze.

Lang hält Eschenburg zugute, dass er auch nach 1933 gute Beziehungen mit jüdischen Mitbürgern aufrechterhielt. Obwohl er sich dadurch auch in Gefahr gebracht hatte.

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23.01.2013, 12:00 Uhr

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