Pflege

Plädoyer für einwürdiges Altwerden

Von HAJO ZENKER

Der frühere SPD-Politiker Scherf fordert ein rasches Umdenken im Umgang mit betagten Menschen.

Berlin. „Die Lage ist extrem, wir befinden uns mitten im Pflegenotstand – und die Perspektive ist grausam.“ Mit dramatischen Worten forderte der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf (SPD) auf der 4. Berliner Pflegekonferenz am Donnerstag einen Paradigmenwechsel.

Scherf, der seit Jahren in einer Alten-Wohngemeinschaft lebt, beklagte, dass die Pflegeversicherung zu einem Boom großer Heime geführt habe, in die Alte abgeschoben würden. 850 Pflegebedürftige in eine ehemalige Kaserne zu stecken, sei der falsche Weg. Es müsse um Teilhabe bis ins hohe Alter gehen, um Miteinander zwischen Alt und Jung, um das Leben in der gewohnten Umgebung. Deshalb müsse die ambulante Pflege gestärkt werden. Es gebe zu viele Alte, die allein in ihrer Wohnung ein schweres Leben hätten. Doch die Gelder etwa für Quartiersmanager, die helfen könnten, würden gekürzt.

Wenn an einem Heim nichts vorbeiführe, dürften die Alten nicht nur unter sich sein. „Da gehört ein Kindergarten daneben, Heimbewohner und Grundschüler sollten gemeinsam Mittag essen.“ Scherf plädierte zudem dafür, Pflege möglichst zu verhindern, etwa indem nicht mehr erlaubt werde, mit zuckerhaltigen Produkten schon Kinder krank zu machen. Hajo Zenker


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10.11.2017 - 06:00 Uhr