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In Mundart ist die Predigt direkter

Pfarrer zieht regelmäßig Hunderte ins Sonnenzentrum

Die meisten Dorfkirchen sind nicht annähernd so voll, wie es das Sonnenzentrum in Oberndorf ist, wenn Pfarrer Rudolf Paul Gottesdienst in schwäbischer Mundart hält. Mehr als 300 Leute kamen vergangenen Sonntag zur„Schwäbische Kirch“.

25.08.2010
  • Katharina TOmaszewski

Oberndorf. „Onser Vadr em Hemmel, du bischt haelig, älle Menschasollet dir d’Ehr geba“: Einmal im Monat hält der pensionierte evangelische Pfarrer Paul aus Wolfenhausen einen Gottesdienst auf Schwäbisch. Der kommt inzwischen so gut an, dass die Gläubigen sogar eine Anfahrt aus Stuttgart, Böblingen oder Calw auf sich nehmen. Wahrscheinlich sind etliche darunter, die regelmäßig in die Kirche des Hofguts Mauren zwischen Ehningen und Holzgerlingen gefahren waren, wo Paul zehn Jahre lang in denSommermonaten Gottesdienst gehalten hat. Zuletzt war er sich aber mit den Eigentümern wegen deren Kultur-Konzept nicht mehr so einig.

„Pfarrer Paul macht das von Herzen gern, und den Leuten gefällt’s“, sagt Sonnenzentrum-Unternehmer Thomas Hartmann, der die Terrasse seiner Gaststätte seit April jeden letzten Sonntag im Monat für diesen Gottesdienst zur Verfügung stellt. Natürlich freue man sich auch über jeden Teilnehmer aus dem überwiegend katholischen Oberndorf: „Diesmal waren acht Leute aus dem Dorf da.“

Überwiegend Evangelische, aber auch Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften oder sonst eher sporadische Kirchgänger kommen zu Pauls „Schwäbischer Kirch“. Bei Bier, Weinschorle oder Sprudel lauschen sie der Mundart-Predigt in lockerer Atmosphäre.

Hilde Kirsch ist aus Pfäffingen gekommen. „Mir hat dieser Gottesdienst besser gefallen als der normale“, sagt die Rentnerin. Harald Schneidewind aus Filderstadt gehört der Biblischen Glaubensgemeinde an und entdeckte im Buchladen zufällig Pfarrer Pauls schwäbische Bibel. Seitdem ist er regelmäßig da: „Auf Schwäbisch kommt die Predigt anders rüber, einfach lockerer“. Erika und Willi Schuster nutzten das gute Wetter und radelten aus Nufringen nach Oberndorf. „Der schwäbische Gottesdienst ist zwanglos und direkt“, sagt Erika Schuster.

So sieht es auch Pfarrer Wilhelm Kern, der ebenfalls pensioniert ist und sich mit Rudolf Paul abwechselt. Kern wird irgendwann den Gottesdienst weiterführen, wenn sein 77-jähriger Kollege ganz aufhört. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir auf Schwäbisch näher am Menschen sind“, sagt Kern. Im Dialekt lasse sich eindringlicher predigen als auf Hochdeutsch.

Und Klartext reden. Kritik übte Rudolf Paul, der 1987 seine allererste Bibelübersetzung ins Schwäbische vorlegte und bis dato drei CDs veröffentlicht hat, vergangenen Sonntag an der Gesellschaft und speziell ihrem Umgang mit der Wirtschaftskrise: „Dr Wert eines Menscha isch nicht gleich zu stella mit seinem Kontostand.“ Zu oft ließen sich die Zeitgenossen durch Werbung und Medien einreden, sie müssten konsumieren und bräuchten ständig etwas Neues. „En Deutschland“, so Paul, „gibt es über drei Milliona Arbeitslose – ond des bei Rekordgewinne en älle Bereiche dr Wirtschaft“. Wichtiger sei es jedoch, gütig, gnädig und ein guter Mensch zu sein.

Der Posaunenchor aus Entringen begleitete den Gottesdienst. Die Kollekte geht an das Projekt „Straßenkinder in Stuttgart“.

Info: Nächster Mundart-Gottesdienst im Sonnenzentrum ist am 26. September um 10.30 Uhr.

Pfarrer zieht regelmäßig Hunderte ins Sonnenzentrum
Sozialkritik an der frischen Luft: Rudolf Paul predigt auf der Terrasse des Sonnenzentrums in Oberndorf.Bild: Ulmer

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25.08.2010, 12:00 Uhr
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