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Ein weiteres neues Viertel

Palmer bringt Saiben als Wohngebiet ins Gespräch

Der Tübinger Wohnungsmarkt ist eng. Doch trotz großer Bautätigkeit in den vergangenen und auch kommenden Jahren übertrifft die Nachfrage das Angebot deutlich. Oberbürgermeister Boris Palmer plädiert deshalb nun dafür, über ein weiteres neues Stadtquartier im Außenbereich Tübingens zumindest nachzudenken. Als einziges Gebiet dafür komme der Saiben in Frage.

02.03.2013
  • Gernot STegert

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Tübingen. „Wir haben die größte Bautätigkeit seit 40 Jahren, seit der Besiedlung von Waldhäuser Ost“, erklärte OB Palmer im Gespräch mit dem TAGBLATT, „aber es reicht nicht aus, um der großen Nachfrage gerecht zu werden.“ Deshalb müsse die Stadt, müsse der Gemeinderat sich die Frage stellen: „Wollen wir einen neuen Herrlesberg?“

„Ich bin da nicht entschieden, aber ich bin zu der Diskussion bereit“, sagte der OB. Er geht von einer „konstant hohen Nachfrage mindestens in den nächsten zehn Jahren aus“. Das erzeuge Druck auf dem Wohnungsmarkt. Doch wo wäre Platz für eine größere Zahl neuer Einwohner? Für Palmer kommt nur ein Außenbereich im Stadtgebiet selbst in Frage: „Die Ortsteile sind nicht die Lösung.“ In keinem der Tübinger Stadtteile lasse sich verträglich ein Baugebiet für mehr als 300 Einwohner ergänzen. Bei der Suche nach einer passenden Fläche bleibe nur ein Gebiet übrig: der Saiben auf Derendinger Markung. Dort könnten 3000 Einwohner unterkommen.

Allerdings sei noch eine Änderung des Flächennutzungsplans nötig. Es gebe dort bereits Wohnbauland im Plan. Die Frage sei aber, ob deren Lage noch für die heutigen Bedürfnisse passe. Doch seien die dort geplanten geschlossenen Langzughallen der Bahn ohnehin ein Eingriff in die Landschaft. Zu viel Lärm durch die Reparatur-Werkstatt der Bahn in der Nachbarschaft sei für Bewohner nicht zu befürchten: „Die Lärmgrenzwerte sollten sich einhalten lassen, aber das wäre natürlich in einem Verfahren zu prüfen.“

Der Saiben sei vor allem als Grünzug wertvoll und sichere Alt-Derendingen den Zugang zur freien Landschaft, sagte der grüne OB. Doch: „Unter Naturschutzgesichtspunkten ist der Saiben für Tübinger Verhältnisse relativ unkritisch.“

Noch vor einem Jahr wollte Palmer den Saiben für Gewerbe verwenden und hat Wohnungsbau dort abgelehnt. Woher das Umdenken? „Der Saiben war nur einer von vielen Vorschlägen für die Ausweisung von Gewerbebauland“, sagte der OB, „das haben wir bisher noch nicht entscheiden können, weil das Verfahren zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans im Nachbarschaftsverband stockt.“ Palmer erklärte weiter: „Meine Bereitschaft, über den Saiben neu nachzudenken ist ein Ergebnis des extremen Drucks auf unseren Wohnungsmarkt.“

Braucht Tübingen die Fläche nicht mehr für Gewerbe? „Das muss man abwägen“, meint der Oberbürgermeister: „Für Gewerbeflächen haben wir entlang der B 27 und der B 28 noch andere Potenziale. Wohnen wollte man da eher nicht.“

Bereits im OB-Wahlkampf 2006 war der Saiben für Wohnbebauung im Gespräch. Durchaus im ökologischen Sinne. Das Projekt hieß Eco-City. Palmer hat es damals abgelehnt. Warum der Meinungswandel? „Weil ich damals der Auffassung war, dass wir das nicht brauchen. Wir hatten damals in der Innenentwicklung noch so viele ungenutzte Möglichkeiten. Heute schöpfen wir die maximal aus, und es reicht trotzdem nicht.“ Der OB betonte allerdings: „Das führt mich noch nicht dazu, mich für eine Bebauung des Saiben auszusprechen. Aber wenn wir nochmals wesentlich mehr für den Wohnungsbau tun wollen, müssen wir es diskutieren.“

Die alten Eco-City-Pläne will Palmer jedoch nicht wieder aus der Schublade holen: „Wenn wir den Saiben anpacken wollen, dann braucht es einen ganz neuen Entwurf. Da müssten wir selbstverständlich alle Register der Tübinger Planungskultur ziehen und mit einem groß angelegten Beteiligungsverfahren und einem Städtebau-Wettbewerb starten.“

Palmer bringt Saiben als Wohngebiet ins Gespräch
So sahen die Pläne für eine „Ecocity“ bei Derendingen (unten) im Jahr 2006 aus, an die Oberbürgermeister Palmer allerdings nicht mehr anknüpfen will: Links im Vordergrund das neue „Saiben-Dorf“, in der Mitte das Saiben-Quartier (darüber das Bahnbetriebsgelände) und rechts das Wohngebiet zwischen dem Behördenzentrum (rechts oben) und der Derendinger Straße. Das Landratsamt und die Kreissparkasse standen bei der Aufnahme noch nicht.Archiv/Bildmontage: Büro Eble

Bereits Anfang der 1980er Jahre hat die Stadtverwaltung Pläne für ein Wohngebiet im Saiben entwickelt. Auch für Gewerbe war das Gebiet am südwestlichen Stadteingang immer wieder im Gespräch. Im Jahr 2002 hat die Europäische Union den Saiben zum Forschungsobjekt erkoren. Für das Gebiet zwischen Derendingen und Bahnbetriebsgelände sollte eine vorbildliche nachhaltige Modellsiedlung entworfen werden. Das Projekt hieß Ecocity. Beteiligt war der Tübinger Architekt Joachim Eble (siehe Bild oben). Die Stadt hat Bauerwartungsland gekauft. Entstanden ist nichts.

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02.03.2013, 12:00 Uhr
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