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Saurier jetzt im Öko-Licht

Paläontologische Sammlung der Uni präsentiert sich neu

Die Saurier der Uni sind jetzt noch attraktiver: Am Mittwoch wurde die neu gestaltete Paläontologische Sammlung im historischen Gebäude in der Sigwartstraße 10 offiziell wiedereröffnet.

03.11.2011
  • von Ulrike Pfeil

Tübingen. Fossile Seelilien und Plateosaurier-Skelette, die Gerippe von Höhlenbären und Eiszeitwolf, Ammoniten und die weltweit bedeutendste Sammlung der gedrungenen Therapsiden-Saurier von der Südhalbkugel: Die berühmten Schätze der Tübinger Paläontologie präsentieren sich nach 18-monatiger Umbauzeit des Paläontologischen Museums jetzt in modernerem Ambiente und in neuem Licht.

Was Beleuchtung und Energiebilanz angeht, darf sich die Sammlung sogar als bundesweit erstes „Grünes Museum“ bezeichnen. Denn sämtliche Räume und Objekte, selbst historische Vitrinen werden dank Licht-Experten aus dem Uni-Klinikum mit Energie-effizienten LED-Beleuchtungssystemen erhellt. Kustos Philipe Havlik rechnet die Einsparung vor: „Ein alter Elektrostrahler leuchtete mit 120 Watt; die LED-Version braucht jetzt nur 12 Watt.“

„Mehr Licht“ war überhaupt ein zentrales Prinzip bei der Neukonzeption. Graue Holzverkleidungen wurden von den Wänden entfernt; im Plateosaurier-Saal wurde ein vorher geschlossenes Fenster wieder zur natürlichen Lichtquelle. Vor den hohen, weißen Wänden und hinter neuen Plexiglas-Scheiben kommen die versteinerten Schätze nun wesentlich besser zur Geltung. Sie wurden mit neuen Beschriftungen in Deutsch und Englisch versehen. Auch Videos – etwa Simulationen von lebenden Sauriern in Bewegung – sollen noch kommen. Interaktive Spielereien gibt es (noch) nicht. Vorrang hat der wissenschaftliche Charakter. „Kinder sind willkommen, aber nicht unsere Hauptzielgruppe“, sagt die Paläontologin Prof. Madelaine Böhme, die den Umbau als Aufgabe zu ihrer Berufung bekam.

Von Saurier-Schädeln und einem Schneckenpflaster aus Bodelshausen werden die Besucher vom Haupteingang in den ersten Stock eskortiert, wo sich die Ausstellungssäle befinden. Deren Anordnung wurde bewusst beibehalten, denn das Gebäude wurde 1903 „um die Exponate herum“ erbaut. Eine riesige Seelilienplatte etwa, das „schwäbische Medusenhaupt“, 1860 in Ohmenhausen entdeckt, ist in einem viereinhalb Meter hohen Raum exakt eingepasst.

Bei aller modernen Übersichtlichkeit wurde eine bewusst historisierende Präsentation gewählt, wie Böhme erläuterte. Denn die Sammlung soll auch Wissenschaftsgeschichte und die Entstehung des Fachs Paläontologie in der europäischen Aufklärung dokumentieren. Im „Stratigraphischen Saal“ etwa findet man sich in einem Naturalienkabinett nach Original-Stellplänen wieder. Man kann sich über die schönen alten Eichenvitrinen beugen, um kleinere Objekte und Systematiken zu betrachten, die über drei Milliarden Jahre Leben Auskunft geben. Aus einer Ecke schaut eine Büste des bedeutenden Paläontologen Friedrich August Quenstedt, umgeben von historischen Forschungsgeräten und Inventarbüchern.

Im Saal der Fischsaurier gibt es ein Amphibienwesen zu bestaunen, das bisher überhaupt nur in Tübingen gefunden wurde, genauer in Lustnau, im Hang des Goldersbachtals: „Henodus chelyops“ ist der wissenschaftliche Name des „schildkrötenähnlichen Einzahnsauriers“. Eines von acht Tübinger Exemplaren kann in einer verspiegelten Vitrine auch von unten betrachtet werden.

Paläontologische Sammlung der Uni präsentiert sich neu
Nette Umgebung für Vorträge und Feste: Im Therapsiden-Saal, den die Paläontologie-Professorin Madelaine Böhme und Kustos Philipe Havlik hier erläutern, sind nicht nur imposante Saurier-Skelette und gigantische Dino-Knochen zu bestaunen. Er bietet auch Platz und Infrastruktur für Veranstaltungen wie die Eröffnungsfeier gestern Abend, an der neben Wissenschaftsministerin Theresia Bauer der frühere Tübinger Prof. Volker Mosbrugger, Direktor der Senckenberg-Gesellschaft in Frankfurt, teilnahm.Bild: Metz

Ohne die Unterstützung der Senckenberg-Gesellschaft in Frankfurt, die unter anderem die Stelle des Kustos finanziert, wäre die Neugestaltung des Museums nicht möglich gewesen. Neben den Archäologischen Sammlungen auf dem Schloss ist es wichtigster Bestandteil des „Museums der Universität Tübingen“ (MUT). Böhme wünschte sich, dass es ein „integraler Bestandteil der Tübinger Kulturszene“ werden möge. Allein seit April zählte die Paläontologische Sammlung noch unter Umbau-Bedingungen 4500 Besucher. Auf mehr als 10 000 im Jahr will man es in Zukunft bringen.

Die Sammlungen sind montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet; an Wochenenden und Feiertagen nur mit Führungen oder Sonder-Veranstaltungen.

Die Paläontologische Sammlung der Uni Tübingen umfasst rund eine Million Objekte; nur ein winziger Bruchteil (2000 Objekte) befindet sich in der Ausstellung. Als Universitätssammlung gehört sie zu den bedeutendsten in Europa.
Die Tübinger Paläontologie hat seit mindestens 175 Jahren innerhalb des Fachs eine Spitzenstellung weltweit. Tübingen gehört seit dem frühen 18. Jahrhundert zu den klassischen Standorten des Fachs, mit fünf Lehrstühlen ist es derzeit in Deutschland der stärkste.
Ein Großteil der Sammlung geht auf Friedrich August Quenstedt zurück, den international führenden Paläontologen im 19. Jahrhundert. Weitere Impulse zur Entwicklung des Fachs über die Evolution von Organismen und Ökosystemen kamen im 20. Jahrhundert von Tübinger Paläontologen wie Freiherr von Huene, Schindewolf, Seilacher und Mosbrugger.

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03.11.2011, 12:00 Uhr

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