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Studium auf Probe

Orientierungshilfe an den Unis Konstanz und Freiburg

Überfüllte Hörsäle, genervte Professoren, Wohnungsnot: Die Universitäten kämpfen mit so manchem Vorurteil. In Konstanz und Freiburg bieten die Universitäten deshalb ein Studium auf Probe an.

19.12.2011
  • ANETTE LE RICHE, DPA

Konstanz Das Projekt "Quaestia" soll Orientierungshilfe geben. Ins Leben gerufen worden ist es von Studenten aus Konstanz und Freiburg. Die Idee: Ein Schüler darf einen Studenten seiner Wahl eine Woche lang durch Universität und Studentenalltag begleiten. Er erhält dadurch Einblicke in Studieninhalte, Hochschulatmosphäre und Freizeitaktivitäten.

Ein Studium auf Probe also, mit einem Profi als Ratgeber. Schüler sollen dadurch besser informiert werden, was an der Uni auf sie zukommt. Die Idee hatte die Konstanzer Studentin Svanja Kleemann. "Nach dem Abitur wussten die meisten meiner Mitschüler nicht, was sie studieren sollten", sagt die 24-Jährige, die für Politik- und Verwaltungswissenschaften (VWL) eingeschrieben ist. "Es ist so schwierig, sich für ein Studium zu entscheiden. Das galt auch für mich", sagt Kleemann. Zusammen mit Kommilitoninnen gründete sie deshalb den Verein "Quaestia" - in Anlehnung an das lateinische Wort quaestio für Forschen, Fragen, Suchen.

Auf der Suche ist beispielsweise die 17-jährige Gymnasiastin Lilia Dengler aus Freiburg. An einem Wirtschaftsgymnasium lernt sie noch zwei Jahre bis zum Abitur. Und dann? Mit dieser Frage im Kopf absolvierte sie nun einen Probestudientag an der Uni Konstanz, bei dem sie ihre Mentorin, die Politik-Studentin Sandra Dickel, auch in eine Vorlesung begleitete. "Was mich am meisten überrascht hat, waren die wahnsinnig vielen Leute in den Hörsälen", sagt Dengler. "In einer Vorlesung haben wir nur ganz hinten noch Plätze bekommen, so dass ich den Professor in eineinhalb Stunden vielleicht zwei Minuten gesehen habe." Schon zuvor sei sie unsicher gewesen, ob sie einmal studieren wolle, sagt die Schülerin. "Aber nach diesem Tag kann ich mir das eigentlich nicht mehr vorstellen. Falls doch, dann nicht diesen Studiengang."

Ihre Mentorin Dickel hat durchaus positive Erinnerungen an den Tag: "Ich habe mich gefreut, Dinge weitergeben zu können, die ich damals vor dem Studium auch gern gewusst hätte", sagt die 24-Jährige. Auch dass ihre Begleiterin eher ernüchtert war, sieht sie als Erfolg: "Wir sind nicht Werbeträger der Hochschule, sondern wollen das Studieren in allen seinen Facetten zeigen, wie es ist. Werbung machen die Hochschulvertreter am Tag der Offenen Tür selbst."

Rund 120 Studenten haben sich nach Angaben Kleemanns inzwischen über die Projektwebsite (http://www.quaestia.de) registrieren lassen. Schnupperstudenten erhalten Einblicke in klassische Studiengänge wie Medizin und Jura, aber auch in ungewöhnlichere Fächer. Vermittelt werden die interessierten Schüler auch an andere Hochschulen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland.

Die Mentoren erklären sich bereit, einen Schüler für mindestens drei Tage in ihr Studentenleben zu integrieren. Neben dem Besuch der Vorlesungen und der Mensa sollen die Schüler auch den Alltag im Studentenwohnheim, der Wohngemeinschaft oder auf Partys erleben.

Inzwischen hat "Quaestia" immer mehr Hochschulvertreter gefunden. Im Januar 2012 soll die Suchmaschine auf der Website online gehen. Mit ihr sollen Schüler und Studenten zukünftig noch schneller und unkomplizierter in Kontakt zueinander treten können.

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19.12.2011, 12:00 Uhr
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