On the Milky Road

On the Milky Road

Von Madeleine Wegner

In dem märchenhaften Drama von Emir Kusturica verliebt sich ein Milchmann auf dem Balkan in eine mysteriöse Italienerin.

On the Milky Road

Jetzt schon ein Alterswerk? Nun gut, Emir Kusturica ist mittlerweile 62 Jahre alt, man soll es kaum glauben. In seinen neuen Film „On the Milky Road“ hat er alles hineingepackt, als gäbe es kein Morgen - sich selbst in einer der Hauptrollen gleich mit dazu.

Bürgerkrieg in Jugoslawien. Kosta ist Musiker (wie der Regisseur bekanntlicherweise auch), so ein verträumter Freigeist mit hellen Augen, einer, der kein Leid mehr in seine Seele lässt („da sind schon alle Plätze belegt“). Als Milchmann wackelt er auf seinem Esel zwischen den Fronten hin und her. Er kommuniziert mit den Tieren, von denen es in diesem Film wirklich viele gibt.

Das Blutbad der weißen Gänse, Falkenflug und Kriegsgemetzel: Kusturica fügt symbolträchtige Szenen aneinander, sodass ein üppiger Bilderbogen entsteht. Das funktioniert besonders am Anfang gut, nutzt sich jedoch auch ab. Insgesamt hat er bewährte und damit erfolgversprechende Kusturica-Zutaten verwendet: schräge Gestalten, schöne Frauen (Monica Belucci als „fast neuwertige“ geheimnisvolle Italienerin, Sloboda Micalovic als heiratswillige Artistin), dazu ein paar ordentliche Gauner, eine Portion Magischer Realismus, Hochzeit und Musik. Und was zum Lachen natürlich. Das Ganze wirkt wie ein Bilderbuch, bei dem die Geschichte immer wieder in den Hintergrund tritt. Es ist hübsch anzusehen, aber manchmal reichlich und gar zu dick aufgetragen - auch durch die Spezialeffekte.

A propos: Selbst bei den vielen explodierenden Schafen soll angeblich kein einziges Tier zu Schaden gekommen sein. Natürlich geht es um Krieg. Er ist Kulisse für die Liebesgeschichte. Doch die Brutalität einiger Szenen ist mitunter schwer zu ertragen. Am Ende macht der Film etwas ungelenk einen Zeitsprung. Der Milchmann findet nach viel Schmerz im Glauben Trost. Auch hier die Parallele zu Kusturica selbst, der sich erst 2005 taufen ließ und Mitglied der serbisch-orthodoxen Kirche wurde. Vorteil (zumindest im Film): So ist auch ein Abstecher ins Paradies kein Problem.

Das ist nichts für sensible Seelen. Ob ausgehackte Augen oder Hausschlachtung: Hier spritzt das Blut.


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09.09.2017 - 12:22 Uhr