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Supermarkt statt Stielfabrik

Ofterdingen plant Wohnhäuser

Nachdem die Gemeinde ihre Bauplätze im Banweg nahezu verkauft hat, möchte sie auf innerörtlichen Brachflächen neuen Wohnraum schaffen. Auf dem Gelände der ehemaligen Stielfabrik Lutz an der Ecke Asperg-/Bachsatzstraße sollen Wohnhäuser entstehen – aber auch ein Supermarkt.

16.02.2012
  • susanne wiedmann

Ofterdingen. Am Rande des Ortskerns liegt das Areal. Zwischen B 27, Kirche und Kindergarten. Von öffentlichen Fußwegen wird es durchzogen und von Hausgärten umsäumt. Nicht nur die ehemalige Stielfabrik Lutz steht auf dem rund zwei Hektar großen Gebiet. Neben ihr versammeln sich ein weiterer Gewerbebetrieb und Wohngebäude, die früher landwirtschaftlich genutzt wurden.

Die Gemeinde besitzt keine der Flächen. Deshalb habe die Verwaltung bereits im vergangenen Jahr Gespräche mit den vier Grundstückseigentümern geführt, teilte Bürgermeister Joseph Reichert am Dienstagabend dem Gemeinderat mit. „Die Bereitschaft ist da, das Konzept abschnittsweise oder auf einmal umzusetzen“, sagte Reichert. „Es wird aber nichts geschehen, was die Eigentümer nicht wollen.“

Die bisherige Planung sieht direkt an der Ecke Asperg-/Bachsatzstraße einen Supermarkt vor. Die Größe sei noch nicht geklärt, sagte Städteplaner Thomas Weigel, der das Entwicklungskonzept vorstellte. Er nannte jedoch eine Geschossfläche von rund 1200 Quadratmetern. Ein Investor müsse jedoch erst noch gesucht werden, sagte Hauptamtsleiter Alexander Schwarz auf Nachfrage. „Der Standort ist nicht schlecht.“

Baumwiesen bleiben erhalten

Der bisher einzige Supermarkt Ofterdingens liegt direkt an der B 27. Zu Fuß ist er nur mit großem Zeitaufwand zu erreichen. Doch lieber einen Discounter am Ortsrand, als gar keinen Markt, sagten sich die Ofterdinger. Schon lange wünscht sich der Gemeinderat einen funktionierenden Supermarkt im Ortskern – genauso wie die innerörtliche Verdichtung. Dies umzusetzen, war bislang aber schwierig, weil viele Grundstücke in Privatbesitz sind. FWV-Rat Jürgen Adam freute sich, „dass es an dieser Stelle einen Einstieg gibt“. Es sei wichtig für die Entwicklung des Dorfes und ein Standortvorteil.

Hinter dem geplanten Einkaufsmarkt sollen Ein- oder Mehrfamilienhäuser mit zwei bis drei Vollgeschossen und unterschiedlichen Wohnformen entstehen. Rund 80 Bewohner könnten dort Platz finden. Für die Gemeinde sei dies ein interessantes und wertvolles Gebiet, was die Entwicklungsmöglichkeiten betreffe, betonte Reichert. Nachdem die Ortskernsanierung II abgeschlossen sei, habe die Verwaltung einen weiteren Zuschussantrag gestellt. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll das Projekt realisiert werden.

Die angrenzenden Baumwiesen bleiben auf Wunsch der Eigentümer erhalten. Das begrüßte SPD-Rätin Ruth Blaum, fand es zugleich aber schade, dass es sich dabei um Privatgärten handelt und nicht um einen Park, wie sie ursprünglich glaubte.

Als nächstes wird die Planung öffentlich ausgelegt, um Anregungen und Wünsche der Bürger zu sammeln. Anschließend wird sie weiter ausgearbeitet. Ob mit den Eigentümern bereits über „die finanziellen Dinge“ und über möglichen Lärm durch Lieferfahrzeuge oder Kunden des Supermarkts gesprochen wurde, wollte Birgit Walter (CDU/UWV) wissen. Nur mit den Eigentümern, die von der Planung direkt betroffen seien, erwiderte Reichert. Aber nicht mit den benachbarten Anwohnern. „Ich kann ja nicht Verhandlungen führen, ohne dass ein Gemeinderatsbeschluss vorliegt“, rechtfertigte sich der Bürgermeister.

Untersuchung auf Altlasten

Das Gremium akzeptierte am Dienstag einstimmig das Entwicklungskonzept. Wichtig sei, dass die Gemeinde die Planungssicherheit habe, so Reichert, deshalb solle ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Zudem wird untersucht, ob sich Altlasten auf der Brachfläche befinden.

Ofterdingen plant Wohnhäuser
Ein erstes Entwicklungskonzept: Auf dem Areal zwischen Asperg- und Bachsatzstraße (umgrenzt von der pinkfarbenen Linie) plant die Gemeinde Ein- und Mehrfamilienhäuser samt einem Supermarkt. Auf dem Foto ist die ehemalige Stielfabrik Lutz am Kamin und Sheddach zu erkennen. Die Baumwiesen (links der Bildmitte) sollen erhalten bleiben. In der rechten unteren Ecke ist ein kleiner Abschnitt der B27 zu sehen.Luftbild: Grohe/Grafik: ST

Seit 1996 ist die Stielfabrik Lutz auf dem Areal zwischen Asperg- und Bachsatzstraße stillgelegt. Der jetzige Eigentümer fertigt Werkzeuge. Zudem vertreibt dort die Firma Speidel Modellautos und Drahtgeflechte. Weitere Gebäude sind vermietet oder verpachtet. Die älteste noch bestehende Stielfabrik in Ofterdingen – und eine der ältesten deutschlandweit – ist die Firma Wilhelm Schmid Stielfabrik & Sägewerk Ofterdingen GmbH, gegründet 1886. Im Herbst 2010 brannte die Produktionshalle nieder, wird derzeit aber wieder aufgebaut. Die Ofterdinger Wagner hatten sich im 19. Jahrhundert auf die Herstellung von Gerätestielen spezialisiert. Einst gab es im Ort mehr als zehn Stielfabriken, noch 1950 waren vier davon europaweit führend.

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16.02.2012, 12:00 Uhr
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