Kolumne · Mein Trump-Land

Nur ein kurzes Aufatmen

Von BRITTA SEMBACH

Halloween ist gerade vorbei und wir haben viele Superhelden gesehen: Superman und Captain Amerika, dazu viele Vertreter der dunklen Seite der Macht, also jetzt Star-Wars-mäßig gesehen, nicht politisch, und einige andere gruselige Gestalten.

Ich meine zusätzlich zu denen, die unsere Nachrichten täglich dominieren. Da fällt mir auf: Während es vergangenes Jahr noch als ziemlich lustig galt, sich als Donald Trump zu verkleiden – mein Freund Buckley zum Beispiel hatte das Kostüm mit großem Erfolg gewählt und viel Zuspruch erfahren – fand das dieses Jahr hier bei uns im zugegeben äußerst linksliberalen Brooklyn niemand mehr komisch. Aber auch die damals beliebten Hillary-Verkleidungen waren nicht mehr zu sehen.

Aber das nur am Rande. Zurück zu den Nachrichten: Die werden ja seit ziemlich genau einem Jahr äußerst gerne von ihm selbst – und an den klassischen Medien vorbei – produziert. Er ist und bleibt der Mann, der schneller tippt als sein Schatten. Bis auf ein paar Minuten vergangene Woche. „Sorry, diese Seite existiert nicht!“, sahen die über 40 Millionen Follower von @realDonaldTrump. Und während die einen dachten, nun sei es endlich vorbei mit dem populistischen, wütenden, frauenfeindlichen, diskriminierenden, manchmal geradezu hasserfüllten, internationale Krisen auslösenden, und oft einfach nur kindischen Spuk, witterten die anderen Verschwörung und Weltuntergang.

Was war geschehen? Ein Twitter-Mitarbeiter hatte an seinem letzten Arbeitstag dem Präsidenten für elf Minuten den Saft abgedreht. Das blieb nicht ohne Folgen. Spontane Forderung im Netz: Einen Nobelpreis für dieses tapfere Rädchen im digitalen Getriebe!

Das kann man gut finden oder auch nicht. Aber jetzt kommt die schlechte Nachricht: Twitter hat wegen des Vorfalls seine Sicherheitsbestimmungen angeschaut und überarbeitet.

Das Ergebnis: Diese elf Minuten werden wohl in der Geschichte die ersten und letzten gewesen sein, in denen man sich als Internetnutzer an der himmlischen Ruhe aus dem Weißen Haus erfreuen konnte. Schade, eigentlich. Britta Sembach


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07.11.2017 - 06:00 Uhr