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Angst vor der Kirchenspaltung

Neubebauung Orschel-Hagen Süd wird zum Reizthema

Mit einem Bürgerbeteiligungsabend ermunterten die Stadt Reutlingen und die gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (GWG) die Bürger, Ideen zur Gestaltung des geplanten Neubaugebiets Orschel-Hagen Süd einzubringen. 140 Anwohner nahmen am Donnerstag das Angebot wahr – um Frust abzulassen.

19.11.2011
  • moritz siebert

Reutlingen. Für das Bebauungsvorhaben „Orschel-Hagen Süd“ sind die Ziele längst ausgelotet. Pläne für die Erweiterung des Stadtteils gibt es aber noch keine. Bevor ein städtebaulicher Ideenwettbewerb für Stadtplaner und Architekten ausgeschrieben wird, den der Gemeinderat bereits 2009 angeregt hatte, wollten Stadt und GWG die Bürger selbst zu Wort kommen lassen. Die Anregungen und Wünsche der Bürger für das groß angelegte Bauvorhaben sollen dann in das Auslobungsverfahren mit einfließen. Über die endgültige Lösung wird dann eine Jury entscheiden, die sich aus OB Barbara Bosch, Karl-Heinz Walter, Vorsitzender der GWG, der Mietervertretung der GWG und sieben Vertretern des Gemeinderats zusammensetzt.

Die Bebauung der etwa fünf Hektar großen Fläche im Süden Orschel-Hagens ist seit diesem Jahr beschlossene Sache, Wohnform und Erschließung des Neubaugebiets stehen aber noch offen. Den Bürgerabend am Donnerstag nutzten die Orschel-Hagener nicht nur, um ihre Ideen hierfür einzubringen, sondern auch, um ihren Unmut bei der Stadt und dem anwesenden Bauherrn Karl-Heinz Walter kundzutun.

Stört die Straße das ökumenische Leben?

Reizthema für die Bürger ist die von der GWG vorgeschlagene Erschließung des Wohngebiets über eine neue Straße, die zwischen den beiden Kirchen ins Zentrum führen soll. Die Bürger beklagten, dass dies nicht nur das für Orschel-Hagen bedeutende ökumenische Leben stören könnte, sondern den Entzug eines wertvollen Sozialraums zur Folge hätte. Die von der GWG auf Grundlage einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vorgeschlagene Erschließungsstraße sei, so befürchten die Bürger, längst beschlossene Sache: „Wir werden hier doch nur an der Nase herumgeführt“, bekundeten sie ihre Skepsis, „uns wird hier umsonst Appetit gemacht.“

„Man soll erst schauen, wie die Erschließung für die Bürger denkbar ist, und danach den Bebauungsplan ausrichten“, so der Vorschlag eines Anwohners, der im Saal auf große Zustimmung stieß. Alternativen zur geplanten Erschließungsstraße bestünden, bestätigte Martin Göppert, stellvertretender Leiter des Amts für Stadtplanung, „sonst könnten wir den Prozess der Bürgerbeteiligung ja gar nicht machen.“

Die Veranstaltung, die eigentlich als ein geselliges Ideensammeln geplant war, drohte, samt ihrer professionellen Moderation (Dirk Kron von cg konzept) zur Farce zu werden. Prof. Franz Pesch, Direktor des Instituts für Architektur und Städteplanung der Uni Stuttgart, gelang es, die Wogen etwas zu glätten. Er blickte in seinem Gastvortrag auf die 50-jährige Geschichte des Stadtteils zurück und regte ein Anknüpfen an die ursprüngliche Idee an – Orschel-Hagen als „eine Gartenstadt nach neuesten Erkenntnissen“. Pesch motivierte die Bürger, die Südbebauung als Chance für den Stadtteil, als eine „Weiterentwicklung und nicht als Nachverdichtung“ zu sehen.

Moderator Kron gelang es schließlich doch noch, die gereizten Orschel-Hagener zu ermuntern, Ideen für die Neubebauung einzubringen. Die Bürger wünschen sich eine Mischung aus unterschiedlichen Wohnformen, Mehrgenerationenwohnen, barrierefreies Wohnen und den Erhalt des Gartenstadtcharakters. Am Ende stellte Kron den Bürgern die Aufgabe, sie sollen ein aussagekräftiges Bild entwerfen, wie sie sich den neuen Wohnraum vorstellen, um den Stadtplanern und Architekten einen Anreiz zu geben. Ein Bürger hatte von zuhause ein Bild mitgebracht. Es zeigte spielende Kinder auf einer grünen Wiese zwischen den beiden Kirchen.

Neubebauung Orschel-Hagen Süd wird zum Reizthema
Viel Unmut aus der Bürgerschaft war am Donnerstag beim städtischen Beteiligungsabend zur Süderweiterung von Orschel-Hagen zu hören.Bild: Haas

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19.11.2011, 12:00 Uhr
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