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Politisches Buch

Nahaufnahmen des Protests

Der Sozialforscher Wolfgang Kraushaar widerspricht mit seiner Analyse von 13 historischen Protestbewegungen oder Demonstrationen der letzten 70 Jahre der These von Karl Marx, nach der Revolutionen die Lokomotiven der Weltgeschichte seien. Er hält es vielmehr mit Walter Benjamins Diktum vom Griff der Protestierenden nach der Notbremse.

02.01.2013
  • GHA

Der Autor sieht in der politischen Wut, die sich in bestimmten Situationen zuspitzt, den Ausdruck eines oft verzweifelten Versuchs, unhaltbare Zustände oder Entwicklungen zu beenden, meist durch spektakuläre Aktionen, zuweilen sogar unter Lebensgefahr.

Kraushaar beleuchtet die Motive und Erscheinungsformen der Proteste von Friedensaktivisten, Umweltschützern und Globalisierungskritikern. Er widmet sich der Niederschlagung des "Prager Frühlings" von 1968 ebenso wie dem Massaker gegen chinesische Studenten am 23. Mai 1989 auf dem Pekinger "Platz des Himmlischen Friedens" und der "Arabellion" der Jahre 2010/2011. Stets drückten einzelne Personen, etwa durch Selbstverbrennung, größere Gruppen oder ganze Protestbewegungen "den Alarmknopf" oder betätigten "die Notbremse".

Zeitgemäße Revolutionen, so Kraushaars Bilanz, bestehen eben nur noch darin, "die gefährlichsten der in die Zukunft rasenden Züge abzustoppen, um der Gattung Mensch eine dauerhaftere Chance zu bieten". Revolten dienten eben nicht (mehr) dem Kampf für politische Utopien, sondern nur noch dem "Griff nach der Notbremse". Info Wolfgang Kraushaar: Der Griff nach der Notbremse. Nahaufnahmen des Protests. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin. 144 Seiten. 9,90 Euro.

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02.01.2013, 12:00 Uhr

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