Kulturdenkmal · Der Schwanen hat neue Schwingen

Nach zwei Jahren Umbau und Renovierung wurde der Schwanen am Wochenende wiedereröffnet

Von Amancay Kappeller

Schnieke und kein bisschen schnöde kommt er daher: Der „Schwanen“, das unter Denkmalschutz stehende Traditionsgasthaus in Nehrens Dorfmitte.

Nach zwei Jahren Umbau und Renovierung wurde der Schwanen am Wochenende wiedereröffnet

Das ganze Wochenende über herrschte Feststimmung bei den Bürgern: Nach der offiziellen Wiedereröffnung am Freitagabend strömten auch am Samstag und Sonntag massenweise Besucher in Saal und Hotelzimmer, um sich umzuschauen. Zwei Jahre lang wurde umgebaut.

„Ein Träumle in Holz“, schwärmte eine ältere Mössingerin nach der Besichtigung der sechs individuell gestalteten Zimmer. Jedes steht dabei unter einem anderen Motto. Die Wand von „Zum Wulle“ ziert ein Mann mit Bierkrug in der Hand. Da gibt es das „Als-Ob“-Zimmer, „Das Fachwerk“ und „Ins Kirschenfeld“, außerdem „Zum Schwan“ und „Zur dicken Eiche“. Die Wände der beiden letzten Räume wurden von Bettina Casabianca bemalt: Mit einem Schwan, der anmutig die Schwingen ausbreitet.

Das Gasthaus bleibt im Dorf

Fast bis auf den letzten Platz besetzt war das neben dem Schwanen aufgestellte Zelt am Freitagabend beim Festakt zur Eröffnung. Launig durchs Programm führten die Comedians Harry Kienzler und Jakob Nacken. Zu Wort kommen ließ das aus dem Stegreif reimende und singende Duo dabei auch Gäste – unter anderem den „Blitzschutzanlageninstallateur“ vom Schwanen. Zunächst begrüßte Bürgermeister Egon Betz alle Anwesenden – darunter auch die Mitglieder des Bundestags Annette Widmann-Mauz (CDU), Martin Rosemann und Nils Schmid (beide SPD).

Betz dankte unter anderem dem Gemeinderat, der das Projekt erst ermöglicht habe; dem verantwortlichen Architekten Andreas Hartmaier, der „mit diesem Arrangement einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird“; außerdem der Genossenschaft und den vielen engagierten Bürgern, die beim Umbau des Gasthauses unermüdlich mitgeholfen haben – insbesondere Kai Schreckenbach und Christian Kleiner. „Viele sagten, es geht nicht. Da kamen einige und haben es einfach gemacht“, blickte der Nehrener Rathauschef zurück. „Heute haben sie ihr Ziel erreicht: Das Gasthaus bleibt im Dorf.“ Ministerialdirektorin Grit Puchan, wohnhaft in Nehren, bezeichnete den Schwanen als Vorbildprojekt, von dem sie sicher sei, dass es zur Erfolgsgeschichte werde. „Nehren kann stolz sein auf das, was geschaffen wurde.“ Wegen des vorbildlichen bürgerschaftlichen Engagements sei Nehren sogar Thema im Kabinett gewesen. Puchan lobte den „Dreiklang“ aus „tatkräftigem Bürgermeister, engagiertem Gemeinderat und noch engagierterer Bürgerschaft“. Der Erhalt dörflicher Infrastruktur sei ganz im Sinne der Landesregierung.

Auch Regierungsvizepräsident Utz Remlinger lobte den Einsatz der Bürger; diese haben sich den Betrieb des Schwanen auf die Fahnen geschrieben. Knapp 1,4 Millionen Euro Zuschüsse gibt es vom Land für die Sanierung des Schwanen, sagte Remlinger; und noch einmal 150 000 Euro für das Gemeindearchiv, das im Keller unter dem Saal einzieht. Rund 2,5 Millionen Euro kostet die Neugestaltung des Gasthauses samt Rathausplatz und Archiv insgesamt.Hans-Erich Meßner, Erster Landesbeamter, bezeichnete den Schwanen in Vertretung von Landrat Joachim Walter als „neues, zum Leben erwecktes Juwel“. Stolz dürften alle Beteiligten darauf sein, „ein Schmuckstück und offenes Haus für alle“ geschaffen zu haben. „Nehren ist und bleibt ein touristisches Kleinod, der Schwanen wird das Sahnehäubchen darauf.“

Begonnen habe alles mit einem Besuch der Nehrener Räte im Biosphärengebiet Schwäbische Alb vor mehr als fünf Jahren, sagte Architekt Andreas Hartmaier. Er stellte damals verschiedene Projekte vor. „Wir können alle miteinander stolz sein auf das gemeinsam erzielte Ergebnis.“ Mit den Worten „das Gasthaus liegt nun in Ihrer Hand“ übergab Betz einen gebackenen Schlüssel symbolisch an Leo Hasting, Vorsitzender der Bürgergenossenschaft. Die Gemeinde verpachtet den Gastronomiebetrieb bekanntlich an die Genossenschaft.

„Wir waren auf Hilfe von sehr vielen angewiesen und haben sie dankend angenommen“, sagte Hasting. Ganz besonders bedankte er sich bei denjenigen, die die Idee mit dem Schwanen hatten. Und bei den „80 bis 90 Bürgern“, die mehrere Tausend Stunden Arbeit in den Umbau steckten – vom Abbruch des Rotkreuzhäusle über den des Schwanenanbaus bis hin zum Abtragen von Tonnen von Bauschutt. „Wenn es einen Nobelpreis für bürgerschaftliches Engagement gäbe, würde ich diese Leute sofort vorschlagen.“ Die „Hülle“ gelte es nun mit Leben zu füllen. Mit „Kunst und Kommunalem und Ambiente“ solle dem Schwanen nun eine Seele gegeben werden.


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09.10.2017 - 01:00 Uhr