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Nach Übergriffen im Epplehaus räumt der Verein jetzt doch ein, die Kontrolle verloren zu haben
Das Epplehaus, städtisches Jugendzentrum und vielgenutzte Partylocation. Bild: Metz
Sexuelle Belästigung · Die Probleme sind nicht neu

Nach Übergriffen im Epplehaus räumt der Verein jetzt doch ein, die Kontrolle verloren zu haben

Das Epplehaus rudert zurück. Hieß es am Donnerstag noch, die Aufregung um Übergriffe bei zwei Partys am vergangenen Wochenende werde künstlich aufgebauscht, so räumt der Trägerverein nun ein, dass sowohl das Epplehaus-Team als auch die veranstaltende Fachschaft Erziehungswissenschaft Situationen falsch eingeschätzt habe. Diesen sei man im Verlauf der Veranstaltungen nicht mehr gewachsen gewesen.

20.05.2017
  • Kathrin Kammerer & Marike Schneck

Was genau passiert ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Veranstalter wie Besucher wollen sich weiter nicht öffentlich äußern. Der Epple-Verein bestätigt aber: „Bei den Veranstaltungen am Freitag und Samstag kam es zu nicht hinnehmbaren Grenzüberschreitungen und sexuellen Belästigungen.“

Wie die Stadtverwaltung am Donnerstag bekannt gab, berichten Augenzeugen und Veranstalter, dass die Situation außer Kontrolle geraten ist. „Die Identität der Täter ist bislang nicht bekannt. Mehrere Augenzeugen berichten aber, dass unter den Tätern mehrere Schwarze waren, die in Gruppen agiert haben.“ Oberbürgermeister Boris Palmer, der mit seinem Facebook-Beitrag dafür sorgte, dass die Vorfälle öffentlich wurden und eine Diskussion über Rassismus und Sexismus lostrat, zitierte auf Facebook anonym eine Betroffene. Diese berichtet unter anderem, sie sei „angefasst und gezogen“ worden.

Dem Epplehaus-Verein ist es nach eigenen Angaben wichtig, die Geschehnisse nicht zu verharmlosen. Deshalb distanzierte man sich von der Aussage eines ehrenamtlichen Mitarbeiters. Der hatte dem TAGBLATT auf Nachfrage berichtet, die Situation sei schwierig gewesen, aber nicht außer Kontrolle geraten. Der Verein stehe nun im Austausch mit der Fachschaft Erziehungswissenschaft und dem Netzwerk Antidiskriminierung und wolle das Thema „weiter sachlich bearbeiten“.

Der Epplehaus-Verein geht in seiner Stellungnahme aber noch weiter: „Mit diesen Problematiken sind wir schon länger konfrontiert und haben diverse Maßnahmen zum Schutz der Gäste und Mitarbeiter entwickelt.“ Dass sich die Probleme mit sexualisierter Gewalt im Epplehaus seit einigen Monaten häufen, davon, sagt Dorothea Herrmann, Leiterin der zuständigen Fachabteilung Jugendarbeit, habe man bei der Stadt nichts gewusst. „Ich wusste nur, dass man sich mit dem Thema inhaltlich auseinandersetzt.“ Die Verwaltung stehe im Kontakt mit dem Verein. „Wenn es am und um das Gebäude herum Polizeieinsätze gibt, erfahre ich in der Regel davon“, sagt Herrmann. Thomas Reichle, der Leiter des Jugendkulturbüros, sei eine wichtige Schnittstelle zwischen Stadt und Trägerverein und nehme auch hin und wieder an dessen Sitzungen teil. Er selbst war gestern nicht zu erreichen.

Das Epplehaus ist ein städtisches Jugendhaus, das der Verein autonom verwaltet. Rund zwei Drittel des Gebäudes hat die Stadt an ihn vermietet, im restlichen Teil sind unter anderem das städtische Jugendkulturbüro, Räume für den Jugendgemeinderat und die Pixel-Werkstatt untergebracht. Die Stadt übernimmt Miet- und Betriebskosten, der Verein erhält einen jährlichen Zuschuss von 18 800 Euro.

Auch Tübingens Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast war bis zu diesem Wochenende nicht bekannt, dass es inzwischen häufig zu Problemen kommt. „Wir treten deshalb jetzt in Kontakt mit dem Verein“, sagte sie gestern. „Auch die Polizei muss definitiv mit ins Boot geholt werden.“ Bereits am Montag soll nach Informationen des TAGBLATTs ein Gespräch von Stadtverwaltung und Kriminalpolizei anberaumt sein.

Bei der Polizei war am frühen Freitagabend noch immer keine Anzeige eingegangen. Weil sexuelle Belästigung ein Antragsdelikt ist, können die Beamten aber erst ermitteln, wenn eine Straftat angezeigt wird. So lange das nicht der Fall ist, werden die Vorfälle im Epplehaus strafrechtlich keine Konsequenzen nach sich ziehen.

Das Ract! setzt wieder auf ein Awareness-Team

Die Organisatoren des Ract! – das Festival findet am ersten Juni-Wochenende im Tübinger Anlagenpark statt – verfolgen die Vorgänge und Diskussionen ums Epplehaus. „Gewalt“, sagt Mit-Initiatorin und Organisatorin Christin Gumbinger, „lehnen wir grundsätzlich ab.“ Schon im vergangenen Jahr haben die Ract!ler neben Security und Ordnungsdienst ein Awareness-Team eingesetzt, das einen weiteren Schutzraum auf dem Festival bietet. Awareness, das bedeutet Bewusstsein, Wahrnehmung. Die gekennzeichneten Mitarbeiter werden auf dem Festival deutlich präsent und jederzeit ansprechbar sein. „Awareness ist wichtig“, sagt Gumbinger. „Prävention ist wichtig. Aufklärung ist wichtig.“ Gebe es Störer und komme es zu Gewalt, welcher Art auch immer, werde man strikt dagegen vorgehen.

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20.05.2017, 01:00 Uhr
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21.05.2017

22:32 Uhr

cdorfner schrieb:

"Dem Epplehaus-Verein ist es nach eigenen Angaben wichtig, die Geschehnisse nicht zu verharmlosen" -aber gerade das hat man wohl zuerst versucht, und es ging schief. Wohl , weil nicht sein kann, was nach dem Weltbild nicht sein darf! Dabei isst kaum zu übersehen:
Männer finden sich zu Gruppen zusammen, die dann über Frauen herfallen. Das gab es bei uns vor 5 Jahren einfach nicht, und somit ist auch der Täterkreis klar.
Unfaßbar, daß es noch nicht zu Festnahmen gekommen ist, und daß man nicht gleich die Polizei gerufen hat.



 
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