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Schorndorf

Nach Randale: Mehr Polizei auf Schorndorfer Stadtfest

Nach Krawallen und sexuellen Übergriffen auf junge Frauen will die Stadt Schorndorf bei Stuttgart ihr sonst so friedliches Stadtfest mit mehr Polizei sichern.

16.07.2017
  • dpa/lsw

Schorndorf. Auch werde die Polizei an den beiden letzten Tagen der «Schorndorfer Woche» dunkle Ecken auf dem Festgelände stärker ausleuchten, kündigte der Aalener Polizeipräsident Roland Eisele am Montag an. Politiker fordern derweil harte und vor allem schnelle Strafen für die Täter. Am Donnerstag soll sich auch der Landtag mit den Vorfällen befassen.

Bei dem Stadtfest östlich von Stuttgart wurden in der Nacht zum Sonntag Festgäste und Polizisten aus einer Ansammlung von rund 1000 jungen Menschen im Schlosspark heraus angegriffen. Außerdem wurden nach Angaben der Polizei zwei Frauen von Flüchtlingen begrapscht. «Die Polizei hatte die Situation nicht immer im Griff», räumte Eisele ein. Aber: «Ein Ausnahmezustand ist für mich etwas anderes.»

Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) sprach den Opfern der sexuellen Übergriffe, einer 17-Jährigen aus Remshalden und einer 25-Jährigen aus Ingolstadt, sein Mitgefühl aus. «Das ist kein Kavaliersdelikt.» Die beiden Frauen hatten sich gleich nach den Belästigungen bei der Polizei gemeldet und damit alles richtig gemacht, sagte Eisele. Er und der Oberbürgermeister betonten, es dürfe keine Scheu geben, solche Straftaten anzuzeigen.

Derweil gab es laut Polizei auch bei einem Open-Air-Festival in Reutlingen und bei einem Fest in Böblingen sexuelle Übergriffe. In Böblingen wurde eine Gruppe betrunkener afghanischer Asylbewerber am Samstagabend am Rande eines Holi-Festivals aggressiv. Nach Angaben der Polizei meldeten sich mehrere junge Frauen, die aus der Gruppe unsittlich berührt und sexuell beleidigt worden waren.

Als «völlig inakzeptabel» bezeichnete Innenminister Thomas Strobl (CDU) die Vorfälle. «Es gilt glasklar: Wir dulden solche Exzesse nicht, bei uns gibt es keine rechtsfreien Räume, wir haben null Toleranz bei Gewalt, bei sexuellen Übergriffen, bei Gewalt gegen die Polizei», sagte Strobl. Er warnte vor Kritik an der Polizei: «Schuld ist nicht die Polizei, sondern schuld sind die, die Frauen begrapschen, übergriffig sind, Straftaten begehen, Polizisten mit Flaschen bewerfen, Gewalt ausüben.» Er rate von einem Schwarzer-Peter-Spiel ab.

Die Polizeiexpertin der Grünen-Landtagsfraktion, Petra Häffner, forderte eine schnelle und rückhaltlose Aufklärung: «Klar ist, dass jeder Täter hart bestraft werden muss, ganz unabhängig von seiner Herkunft und seinem Status.» Man dürfe es aber jetzt nicht zulassen, mit dem Vorfall Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Die AfD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Alice Weidel, forderte, die Migranten, «wo immer möglich», auszuweisen.

SPD-Fraktionsvize Sascha Binder sprach sich für eine Aufarbeitung aus, um «für künftige Veranstaltungen dieser Art die nötigen Lehren ziehen». Die FDP-Fraktion möchte, dass sich auch der Landtag mit den Vorfällen befasst, und dass die Straftäter zeitnah vor Gericht gebracht werden. «Die Gewalttäter dürfen nicht das Gefühl bekommen, ihr kriminelles Verhalten bleibe folgenlos, wenn sie in großen Gruppen auftreten», sagte Innenexperte Ulrich Goll.

Der Polizeipräsident Eisele berichtete, angesichts der Gewalt im Schorndorfer Park hätten die Beamten sich zeitweise zurückgezogen und dann die Lage mit aus anderen Orten zur Hilfe gerufenen, verdoppelten Kräften wieder unter Kontrolle gebracht. Man habe die Personalien von drei jungen Afghanen aufgenommen, die die jüngere Frau belästigt haben sollen. Als tatverdächtig im Fall der Frau aus Bayern gilt ein junger Iraker. Es sei kein Haftbefehl erlassen worden. In beiden Fällen sei Alkohol im Spiel gewesen.

In der Stadt im Rems-Murr-Kreis leben 40 000 Menschen. Die Gemeinde hat etwa 700 Flüchtlinge aufgenommen. Bei den Ausschreitungen im Park hätten sich zum Teil zuvor im Clinch liegende Gruppen gegen die Polizei solidarisiert, sagte Eisele. Es habe keinen überdurchschnittlichen Anteil von Migranten in der Menschenmenge gegeben. Zeugenaussagen, wonach kleine Gruppen mit Messern und Schreckschusspistolen in der Nacht zum Sonntag durch die Stadt gezogen seien, gehe die Polizei noch nach.

Es habe zuvor auch keine Anhaltspunkte gegeben, dass das Fest entgegen früheren Erfahrungen dieses Mal nicht friedlich verlaufen werde, betonte der Polizeipräsident: «Diese Eskalation der Gewalt war ohne Weiteres nicht vorhersehbar.» Die zunehmenden Aggressionen gegen Beamte seien ein gesamtgesellschaftliches Problem, dem man nur im Schulterschluss von Gesetzgeber, Polizei und Bevölkerung beikomme.

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16.07.2017, 17:24 Uhr | geändert: 17.07.2017, 16:42 Uhr
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