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Belauscht von der V-Frau

NSU-Ermittlungen: Warum das LKA eine Friseurin aus Hohenlohe befragte

Der Heilbronner Polizistenmord wird bald einen Untersuchungsausschuss im Landtag beschäftigen. Dabei könnte auch die Rolle einer Friseurin aus Hohenlohe beleuchtet werden - eine V-Frau hatte sie belastet.

27.11.2014
  • SVEN ULLENBRUCH THUMILAN SELVAKUMARAN

Stuttgart Welche Bezüge hatte das rechtsextreme Terrortrio "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) in den Südwesten? Was sind die Hintergründe des Mordes an der Polizistin Michèle Kiesewetter? Ist es Zufall, dass Polizisten-Kollegen Kiesewetters in den 90er Jahren im Schwäbisch Haller Ableger des rassistischen Geheimbunds Ku-Klux-Klan aktiv waren? All diesen Fragen wird sich bald ein Untersuchungsausschuss im Landtag widmen.

Dabei könnte auch die Rolle einer Friseurin aus Hohenlohe erneut beleuchtet werden, die offen in der rechtsextremen Szene aktiv ist - und der von einer Informantin des Verfassungsschutzes Verbindungen zum NSU unterstellt werden. Die 34-Jährige hatte 2009 bei der Bundestagswahl für die NPD kandidiert, ebenfalls bei der Landtagswahl 2011. Aus einem Schriftverkehr des Landeskriminalamts (LKA) an das entsprechende Bundesamt (BKA) wird deutlich, dass die Frau stark in der Skinheadszene im Osten vernetzt ist.

Der Mann der Friseurin ist ebenfalls in der Szene aktiv, unter anderem als Musiker. 2009 ermittelte das LKA Sachsen gegen ihn wegen Unterstützung der verbotenen Neonazi-Organisation "Blood and Honour". Bei der Landtagswahl 2006 trat er für die NPD als Ersatzkandidat an.

Brisant wird die Rolle der Friseurin durch Aussagen einer ehemaligen V-Frau des baden-württembergischen Verfassungsschutzes. Die Frau mit dem Decknamen "Krokus" stellt eine Verbindung zwischen der 34-Jährigen und dem Polizistenmord in Heilbronn (2007) her. Damals starb Michèle Kiesewetter, ihr Kollege Martin A. überlebte trotz schwerer Schussverletzungen am Kopf. Die Tat wird dem NSU zugeschrieben, viele Hintergründe geben aber bis heute Rätsel auf. Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt, dass nur Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als Täter in Frage kommen. Daran haben unter anderem Clemens Binninger (CDU) und Eva Högl (SPD), Mitglieder im einstigen Berliner NSU-Untersuchungsausschuss, Zweifel. Sie vermuten Helfer aus der Region.

Kurz nach dem Mord war "Krokus" im Salon der Friseurin, auf die sie vom Verfassungsschutz angesetzt worden war. Als Kundin war damals Lilli S. zugegen, eine Krankenschwester - just aus jener Klinik, in der der verletzte Polizist Martin A. behandelt wurde. Im Gespräch der beiden sei es darum gegangen, ob sich A. an die Tat erinnern könne - und ob von den Rechtsextremisten "noch etwas zu tun sei".

Dies will "Krokus" unmittelbar ihrem Quellenführer beim Verfassungsschutz mit dem Decknamen "Rainer Öttinger" gemeldet haben. Er habe sie aber aufgefordert, sich herauszuhalten. Sollte das stimmen, hatte die Behörde vier Jahre vor Auffliegen des NSU Hinweise auf rechtsextremistische Hintergründe zum Mord. "Öttinger" bestritt dies vor dem NSU-Ausschuss. "Krokus" wurde nicht befragt.

Allerdings bekam die Friseurin am 17. Dezember 2012 Besuch vom LKA, wie ein Vernehmungsprotokoll belegt. Das Gespräch mit der Krankenschwester habe stattgefunden, sagte sie aus. Sie seien aber nur zufällig auf den Polizisten zu Sprechen gekommen.

Die 34-Jährige wurde von den Ermittlern auch gefragt, ob sie Zschäpe, Mundlos oder Böhnhardt persönlich gekannt hat. "Bewusst habe ich sie nie gesehen. Vielleicht vor 10 bis 15 Jahren mal unbewusst, aber nicht in Zusammenhang mit dem NSU, wenn es den überhaupt gibt", sagte sie aus. Kiesewetter habe sie nie gekannt.

Als Kiesewetter starb, war die Friseurin selbst in Heilbronn. "Ich war (. . .) von 8 bis 14 Uhr in der Meisterschule" - unweit des Tatorts Theresienwiese. Das LKA vermerkt: "Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie einen oder mehrere Angehörige des Trios kennenlernte."

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27.11.2014, 12:00 Uhr
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