Mother!

Mother!

Von Dorothee Hermann

Psychoschocker von Darren Aronofsky („Black Swan“) über ein  Pärchen, das in einem Landhaus vom Grauen heimgesucht wird.

Mother!

Es ist ein typisches Spukhaus: außen verwinkelt, drinnen labyrinthisch, und so abgeschieden gelegen, dass im Ernstfall keine Hilfe zu erwarten ist. Es ist das Domizil eines ungleichen Paars: Sie (Jennifer Lawrence) versucht, das Gebäude in schlichter Gediegenheit zu restaurieren, selbst hergestellte Wandfarbe inklusive. Dabei scheint sie immer deutlicher eine Frau aus der Bauzeit des Hauses (zirka 1890) zu verkörpern.

Ihr deutlich älterer Mann (Javier Bardem) ist ein nach Bewunderung süchtiger Erfolgsautor, der aber kaum mehr etwas zu Papier bringt. Beide namenlos bleibenden Figuren stimmen in keiner einzigen Äußerung, in keiner einzigen Handlung überein, halten aber eisern am gemeinsamen Leben fest (das ja erst beginnt), während sie einander beargwöhnen.

In der gereizten Atmosphäre wirkt ein unerwartetes Klopfen an der Tür, als warte draußen ein unaussprechlicher Horror - während doch drinnen längst nichts mehr in Ordnung ist. Alles, was geschieht, scheint zumindest für die Frau (und den Zuschauer) noch eine zweite Ebene, eine Realität des Schreckens, zu besitzen. US-Regisseur Darren Aronofsky („Black Swan“) lässt es geschickt in der Schwebe, ob der Horror begründet oder nur eingebildet ist. Abrupte Schnitte verstärken die Dimension des Unberechenbaren, als müsste man stets mit einer Art Falltüreffekt rechnen.

Der da Einlass begehrt, ist ein Fremder (Ed Harris), der sich ohne Umstände im Haus breitmacht. Während die junge Frau es kaum fassen kann, dass ihr Mann den Typen mit dem Ekelhusten tatsächlich für die Nacht aufgenommen hat, schneit auch noch dessen Frau herein (gekonnt dämonisch: Michelle Pfeiffer). Sie kommt nicht aus der Vergangenheit, sondern verkörpert offensiv die neue Unverfrorenheit der Trump-Ära - was der Hausherr gegenüber seiner Frau mit herablassend verharmlost.

Das Motiv der feindseligen Eindringlinge wird noch gesteigert, als, nach einem vergleichsweise ruhigen Zwischenspiel, eine ganze Horde Fans das Haus des Schriftstellers stürmt. Für das höllische Finale gilt dann: je mehr, desto blutiger.

Aufwühlender Horrorschocker, der geschickt offen lässt, ob das Grauen von innen oder von außen kommt.


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11.09.2017 - 08:23 Uhr