Varieté

Mix aus Slapstick, Akrobatik und Magie

Von RAIMUND WEIBLE

Mit der Freak-Show „Circus Circus“ schafft Ralph Sun die Atmosphäre früherer Jahrmärkte.

Mix aus Slapstick, Akrobatik und Magie

Bei Sileas Nummer mit Rasierklingen fließt Blut. Foto: Alex Klein

Stuttgart. Silea hat's drauf. Die Künstlerin aus Berlin tanzt zu Charleston- und Tango-Musik auf dem Drahtseil und geizt dabei, mit französischem Akzent parlierend, nicht mit ihren Reizen – „ich präsentier meine Popo – das ist doch ganz normal“. Die Akrobatin balanciert auf Flaschen und lässt sich dabei von Siegfried aus dem Publikum unterstützen. Eben dieses Publikum im Saal des Friedrichsbau-Varietés schockend, verspeist Silea Rasierklingen, und Blut quillt aus ihrem Mund.

Es ist eine Freak-Show mit Jahrmarkt-Charakter, die Varieté-Regisseur Ralph Sun zusammengestellt hat unter dem Titel „Circus Circus“. Die von ihm ausgesuchten Typen sind vielseitig und haben alle komödiantisches Talent. Nur Nanou aus Frankreich muss sich Spässchen verkneifen bei ihrer schwierigen Handstand-Artistik mitten unter den Zuschauern – was sie macht, ist Akrobatik vom Schwersten und verträgt keine witzigen Einlagen.

Dafür drehen alle anderen auf. Merlin, der Weißclown, führt durchs Programm, mit variantenreichem Mienenspiel und Ansagen, die zuweilen Tiefgang haben. Genial einfach, aber eindrucksvoll sein närrisch-feierlicher Ritt auf dem Stoff-Zebra. Und noch ein Tier taucht auf: Katze Nero, die in der Hand von Puppenspielerin Silea – eine weitere Nummer von ihr – sich konstant weigert, durch den Ring zu springen.

Die hohe Decke der Bühne in der Spielstätte auf dem Pragsattel erlaubt Dinge, die am alten Standort in der Stadt nicht denkbar waren. So der Fangstuhl-Act des spanisch-brasilianischem Duos Tito & Du. Es verbindet großartige Akrobatik mit Slapstick, das Duo persifliert sein eigenes Metier und macht so die Nummer locker und flockig.

Ruslan Sementsov ist so stark wie Tito, der Fänger. Mit bloßem Oberkörper und diabolisch geschminkt wirbelt der Muskelprotz mit seinem Rad aus einer Stahlröhre über die Bühne. Die zierliche Olga Golubeva zeigt rasante Figuren an der einer Straßenlaterne nachempfundenen Stange.

Entspannung ist angesagt, wenn Jacopo Candeloro und Flor Luludi, die „Circus Follies“, ihr Hütchenspiel zelebrieren oder, sie auf dem hohen Einrad, mit Keulen jonglieren. Dennis Klopov lässt Bälle auf kunstvolle Weise auf Regenschirmen aller Größen kreisen, Dan Marques lässt Knöpfe verschwinden und wieder auftauchen.

Gleich drauf darf sich das Publikum gruseln, wenn Lucky Hell Schwerter schluckt. Da ist Ralph Sun ein schöner Mix der Genres gelungen. Raimund Weible


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06.11.2017 - 06:00 Uhr