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Aktionsplan Inklusion

Mit "Gert" wird jede Treppe zum Hindernis

Stuttgarts Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer hat jetzt mit einem gerontologischen Testanzug (Gert) ausprobiert, wie Senioren sich fühlen. Die Stadt soll mit Hilfe eines Aktionsplans barriereärmer werden.

24.05.2013
  • JAN-PHILIPP SCHÜTZE

Stuttgart Für ältere und behinderte Menschen ist das alltägliche Leben mit vielen Einschränkungen verbunden. Mit einem Aktionsplan zum Thema Inklusion will die Stadt in den nächsten Jahren Verbesserungen bei der Barrierefreiheit erreichen. Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer hat jetzt schon einmal auf eigene Faust ausprobiert, mit welchen Hürden gehandicapte Menschen in der Innenstadt zu kämpfen haben.

So zaghaft ist Isabel Fezer wohl noch nie die Treppen des Stuttgarter Rathauses hinunter gestiegen. Gewichte an Armen, Beinen und am Oberkörper - insgesamt rund 30 Kilo - erschweren jeden Schritt der Sozialbürgermeisterin. Bandagen versteifen ihren Nacken und die Kniegelenke, ein Kopfhörer dämpft Stimmen und Geräusche, eine getönte Brille behindert das Sehen. Mühsam hangelt sich Fezer am Treppengeländer nach unten, die einzelnen Stufen sind für sie kaum zu erkennen. Ein farbiger Streifen, der für besseren Kontrast sorgen könnte, fehlt. "Ich fühle mich wie 103", sagt Fezer, die mit Hilfe des gerontologischen Testanzugs (Gert) am eigenen Leib erfahren will, mit welchen Hürden Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen haben.

Gemeinsam mit Ursula Marx, der Behindertenbeauftragten der Stadt, will Fezer dafür sorgen, dass Stuttgart barrierefreier wird. Gebäude, Verkehrsmittel, Dienstleistungen und Freizeitangebote sollen künftig so gestaltet werden, dass sie allen Menschen gleichermaßen zugänglich sind. "Wir können natürlich nicht von heute auf morgen alle Barrieren beseitigen", sagt Fezer. Das Ziel müsse es aber sein, bei allen Verantwortlichen der Stadt ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen. "Das geht aber nur, wenn sich alle Bürgermeister der Sache verpflichtet fühlen." Deshalb soll schon in Kürze innerhalb der Stadtverwaltung ein ämterübergreifender Aktionsplan aufgestellt werden, der festlegt, welche Schritte von wem und wann umgesetzt werden sollen.

Noch gibt es viel zu tun. Nachdem Fezer die Treppen hinunter zum Marktplatz bewältigt hat, geht es mit einem Rollator weiter durch die Rathauspassage in Richtung Stadtbahnhaltestelle. Doch kurz vor dem Fußgängerüberweg an der Eberhardstraße wartet schon das nächste Hindernis. Nur mit viel Mühe kann Fezer den Rollator die steile Kinderwagenrampe hochschieben. Auch der Abgang zum U-Bahn-Halt ist beschwerlich, das Kopfsteinpflaster rüttelt die rollende Gehhilfe ordentlich durch.

Richtig frustrierend wird es dann am Fahrscheinautomaten. Durch ihre getönte Brille, die Grauen Star simuliert, kann Fezer zwar einigermaßen das beleuchtete Display lesen - die Auflistung aller Haltestellen mit den dazugehörigen Kurzwahlnummern bleibt jedoch verschwommen. Schuld daran ist die mangelhafte Beleuchtung. Peter Krauß, bei der SSB für die Haltestellen zuständig, gelobt Besserung: "Wir werden uns die Beleuchtung noch einmal genauer anschauen und auch bei der Beschaffung der nächsten Automaten auf diese Probleme achten."

Ursula Marx ist derweil optimistisch, dass die Inklusion in Stuttgart gelingen kann: "Wir fangen nicht bei Null an. Die SSB ist im Vergleich mit anderen Städten schon sehr weit." Auch sonst habe sich schon viel getan.

Mit "Gert" wird jede Treppe zum Hindernis
Unterstützt von der Behindertenbeauftragten Ursula Marx (links) testet Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer den gerontologischen Anzug. Foto: Jan-Philipp Schütze

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24.05.2013, 12:00 Uhr
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