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Studierende lernten mit Horst Köhler

Mit Afrika ins Geschäft kommen

Horst Köhlers Öffentlichkeitsarbeit für Afrika ist hinlänglich bekannt. Gewinn zogen daraus Studierende bei Prof. Markus Pudelko, der mit dem weltbekannten Tübinger Honorarprofessor das Seminar „Doing Business in Afrika“ abhielt.

19.12.2012
  • von Hans-Joachim Lang

Tübingen. Afrika ist der Kontinent mit der jüngsten Bevölkerung der Welt, die Zahl seiner Bewohner wächst rasant. Momentan leben dort 1,2 Milliarden Menschen. Bis 2050 werden es voraussichtlich doppelt so viele sein. „Dann wird 20 Prozent der Weltbevölkerung in Afrika leben“, sagt die Studentin Katharina Schweck, „aber nur noch sechs Prozent in Europa.“

Aus solchen Zahlen können vielerlei Schlussfolgerungen gezogen werden. Wirtschaftswissenschaftler beispielsweise sehen einen wachsenden Markt, der auch für hiesige Unternehmen von Interesse sein kann. Was es dabei zu bedenken gibt, lernt Katharina Schweck derzeit in einem praxisbezogenen Seminar ihres Masterstudiengangs General Management am Lehrstuhl von Prof. Markus Pudelko.

Mit zwei seiner Studierenden hat sich Pudelko mit dem TAGBLATT verabredet und hat für einen Moment Wortfindungsschwierigkeiten. „Associate Dean“, was heißt das wieder auf Deutsch?“ Pudelko ist gebürtiger Niedersachse, aber die Sprache am Lehrstuhl ist Englisch. „Associate Dean heißt Prodekan“, assistiert schmunzelnd Simon Jessen, im dritten Fachsemester auf dem Weg zum Master.

Pudelko, Professor für International Business, lehrt seit drei Jahren in Tübingen, zuvor verbrachte er acht Jahre an der University of Edinburgh, mehrfach durch Forschungsaufenthalte in China, Japan, Korea, USA und Australien unterbrochen. Wie sich Unternehmenskulturen unterscheiden, lässt sich kaum besser studieren als an Ort und Stelle. Darum geht es ihm auch – „jedes Jahr an einem anderen Beispiel“ – in der Lehre.

In diesem Semester steht ein ganzer Kontinent auf dem Kursplan. „Doing Business in Africa“, heißt das Seminar, in dem es um weithin unbekanntes Terrain geht. „Afrika hat einen wachsenden Markt“, sagt Pudelko, „der wird aber kaum zur Kenntnis genommen“. Man muss ihn aber auch verstehen, will man sich als ein europäisches Unternehmen dort engagieren. Es klingt zwar wenig überraschend, wurde aber in der Vergangenheit oft zu wenig beachtet: Konsumgüter müssen auf die dortigen Bedürfnisse abgestimmt werden und mit den zunehmend stärker vertretenen chinesischen Waren konkurrieren können.

Studentische Arbeitsgruppen vertieften sich in Geschichte und Gegenwart der Handelsbeziehungen mit afrikanischen Ländern, diskutierten aber auch externen Input. An einem Tag gab es kompakt Informationen über die Zusammenhänge von Gesundheitssystem und wirtschaftlicher Entwicklung, ein andermal stellte Siemens anhand von Fallstudien Afrika-bezogene Strategien vor. Seminarleiter Pudelko informierte über afrikanische Unternehmenskultur.

Als Höhepunkt werteten alle Teilnehmer die Seminar-Mitwirkung von Horst Köhler am vergangenen Freitag. Der Ex-Bundespräsident, der viele Jahre als Wirtschaftswissenschaftler in Tübingen wirkte, kennt die Potenziale und Probleme Afrikas auch als ehemaliger Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds. Köhler habe in seinem Beitrag insbesondere auch für die ökonomischen Rahmenbedingungen sensibilisieren wollen. „Es war deutlich zu spüren, dass ihm das auch ein emotionales Anliegen war“, berichtete Markus Pudelko. „Wir können auch von den Afrikanern lernen“, ist sich Katharina Schweck sicher und nennt auch gleich ein Beispiel: „Menschliche Beziehungen werden nicht so sehr ökonomisiert.“

Und Jessen möchte dafür werben, nicht nur verstärkt auf Afrika zu achten, sondern auch genau hinzusehen. Jessen: „Afrika ist nicht nur ein Krisenkontinent.“

Mit Afrika ins Geschäft kommen
Gruppenbild der Seminarteilnehmer mit Ex-Bundespräsident Horst Köhler (vorne, Zweiter von links) und rechts neben ihm Seminarleiter Markus Pudelko.

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19.12.2012, 12:00 Uhr
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