Pop

Miley Cyrus hat genug gebockt

Von CLAUDIA REICHERTER

Die Sängerin findet auf ihrem sechsten Album „Younger Now“ zu einer eigenen, angenehm erwachsenen Stimme.

Miley Cyrus hat genug gebockt

Foto: Cover: SMI/RCI Records

Los Angeles. Über Miley Cyrus lästern ist leicht. Und wird gern gemacht. Bei allem Verständnis für juvenilen Abnabelungsdrang, die konnte einem aber auch auf die Nerven gehen vor ein paar Jahren. Als sie meinte, bei jeder Gelegenheit den Fotografen ihre Zunge entgegenstrecken zu müssen. Oft knapp über eher symbolisch verhüllten Brüsten. Oder den ihren Hot-Pants an jeder Fransenfaser entweichenden Pobacken. Stöhn! Doch die heute 24-Jährige hat nun mal eine schöne Alt-Stimme, trifft die Töne und ist lange und dazu erfolgreich genug im Geschäft, um sich fähige Kooperationspartner zu angeln. So überrascht es nicht, dass die in Nashville geborene Sängerin und Schauspielerin mit bislang knapp 30 Millionen verkauften Tracks zu den prägendsten Repräsentanten der zeitgenössischen Popkultur zählt.

Auf ihrem sechsten Album „Younger Now“ (MSI/RCI Records) gibt sich Miley Cyrus nun außerdem angenehm gereift. Mit den provozierenden Auftritten rund um ihre 2013er-Top-Ten-Platte „Bangerz“ hat sie sich offenbar lange und deutlich genug vom früh eingestanzten „Hannah Montana“-Label distanziert. Die Zunge bleibt heute öfters mal drin, Kleidung darf wieder was verdecken, die Abrissbirne hat ausgedient. Nach „Tschüs Hochglanz-Teenie!“ rufen wir also erleichtert: „Bye Skandal-Göre!“

Schon fürs 2015 mit den Flaming Lips gratis gestreamte „Dead Petz“ hatte sie selbst Songs geschrieben und mit Produzent Oren Yoel gearbeitet. Beides setzt sie auf der aktuellen Platte fort. Die Singles „Malibu“ und „Younger Now“ bieten textlich zwar viele Floskeln und musikalisch eher Pop-Stangenware. Doch in „Rainbowland“ mit ihrer Patentante, der Country-Ikone Dolly Parton, wagt sich die sozial engagierte Kalifornierin zurück zu ihren Wurzeln in Tennessee. Und in zarten Liebesliedern wie „Miss You So Much“, „I Would Die For You“ und dem Schlusstrack „Inspired“ zeigt Miley Cyrus am Eindrücklichsten, was sie kann. Mit ihrer eigenen, schön erwachsenen Stimme. Claudia Reicherter


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02.10.2017 - 06:00 Uhr