Kommentar Wirtschaftsweise

Merkwürdige Mischung

Von ALEXANDER BÖGELEIN

Fast möchte man meinen, die deutsche Wirtschaft steht unter Drogen. Der Export boomt dank des niedrigen Eurokurses. Überdies befeuert die Europäischen Zentralbank den Konjunkturmotor mit ihrer Nullzins-Politik. Viele Firmen arbeiten an der Kapazitätsgrenze, ihre Auftragsbücher sind voll. Da wundert es nicht, dass die Wirtschaftsweisen vor einer Überhitzung der Wirtschaft warnen.

Berlin. Etwas merkwürdig mutet an, dass sich die fünf Experten im gleichen Atemzug „wachstumsfreundliche Reformen“ wie die schrittweise Abschaffung des Solidaritätszuschlags wünschen. Das ist ein Widerspruch in sich.

Zweifelsfrei geht es Deutschland gesamtwirtschaftlich so gut wie selten in den vergangenen Jahrzehnten. Und natürlich hat die künftige Bundesregierung dank sprudelnder Steuereinnahmen Gestaltungsspielraum. Den sollte sie nicht zur kurzfristigen Befriedigung des jeweiligen Klientels der Jamaika-Koalitionäre nehmen, sondern für sinnvolle Zukunftsinvestitionen nutzen. Will Deutschland seine Wirtschaftsstärke und seinen Wohlstand behalten, sind Investitionen in Bildung und digitale Infrastruktur unerlässlich. Deutschland ist in beidem nur Mittelmaß. Das ist eine gefährliche Mischung, weil die Digitalisierung in rasantem Tempo die Wirtschaftswelt verändert. Kluge Köpfe und flächendeckend schnelles Internet sind die Basis für den Wohlstand von morgen.


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09.11.2017 - 06:00 Uhr