Gesundheit

Medikationsplan ist selten

Von HAJO ZENKER

Apotheker wollen den Überblick über die Arzneien, die ein Patient einnimmt. Laut Gesetz sollte es diesen schon geben.

Berlin. Immer noch sterben jährlich tausende Deutsche, weil sie Medikamente falsch oder gar nicht nehmen, beklagt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Verändern sollte das ein Medikationsplan, der seit Oktober 2016 Standard sein müsste für jeden Patienten, der mindestens drei verschiedene Arzneien regelmäßig nimmt. „Meine Kollegen und ich bekommen nur selten einen Medikationsplan zu sehen – dabei müsste doch eigentlich jeder dritte Patient einen solchen besitzen“, sagt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt, der selbst eine Apotheke in Leipzig hat. „Dabei ist der Plan das essenzielle Instrument zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit.“

Schließlich, unterstreicht Schmidt, sterben jedes Jahr tausende Patienten oder werden ins Krankenhaus eingewiesen, weil die verschriebenen Medikamente falsch oder gar nicht eingenommen werden oder schwere Wechselwirkungen auslösen. „Das ist unstrittig.“ Doch die Erfahrungen zeigten, dass der einheitliche Medikationsplan weiter fehle. Für die Hausärzte sei das alleine kaum zu leisten. „Und dann gibt es Zettel vom Facharzt, den Entlassungsbrief vom Krankenhaus. Niemand führt das zusammen.“ Im Übrigen sei das nicht nur wichtig für die Patientensicherheit – die Zahl der benötigten Medikamente ließe sich mit einem Überblick über die genommenen Wirkstoffe auch verringern.

Branche will selbst aktiv werden

Deshalb müsse man reagieren. Dabei bringen sich die Apotheker selbst ins Spiel. Bisher sollen sie nur frei erhältliche Medikamente, die der Patient in der Apotheke erwirbt, zu dem auf Papier ausgegebenen Plan hinzufügen – wenn ausdrücklich darum gebeten wird. Spätestens mit der Einführung des elektronischen Plans müsse sich das ändern. Neben den Ärzten sollten dann auch Apotheker den Plan ausstellen und prüfen dürfen. Die Apotheken-Software könne die elektronisch aufgelisteten Medikamente auf unerwünschte Wechselwirkungen prüfen. „Notfalls müssen wir da eingreifen.“ Der neue Gesundheitsminister müsse das Problem dringend angehen.

Der Medikationsplan war als Teil des E-Health-Gesetzes zum 1. Oktober 2016 in Kraft getreten. Zunächst gibt es ihn in Papierform, mit der Einführung neuer Funktionen der elektronischen Gesundheitskarte 2018/19 soll er dort gespeichert werden.

Eine Studie der Krankenkasse HKK hat ergeben, dass knapp 38 Prozent der Mitglieder, die mindestens drei Medikamente gleichzeitig nehmen, einen solchen Plan vom Haus- oder Facharzt erhalten haben. Nur bei den Über-65-Jährigen war jedem Zweiten ein solches Dokument ausgestellt worden. Laut einer Infas-Umfrage würden sich 20 Prozent der Deutschen auf jeden Fall und 31 Prozent vielleicht den Plan auch von Apothekern schreiben lassen. Hajo Zenker


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08.11.2017 - 06:00 Uhr