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Ein Käpsele im Rathaus von Berglen

Maximilian Friedrich ist jüngster Bürgermeister im Land

Mit 25 Jahren ist Maximilian Friedrich der jüngste Bürgermeister des Landes. Das Alter sei nicht so wichtig wie die Persönlichkeit, meint der Rathaus-Chef von Berglen, der jetzt sein Amt angetreten hat.

21.09.2012
  • HANS GEORG FRANK

Berglen Annerose Madera (53) fiel die Umstellung nicht schwer. Seit 15 Jahren ist ihr Arbeitsplatz im Vorzimmer des Bürgermeisters von Berglen (Rems-Murr-Kreis). Vor wenigen Tagen hat sie ihren Chef Wolfgang Schille (58) verabschiedet, jetzt ist mit Maximilian Friedrich (25) der jüngste Bürgermeister des Landes eingezogen, fünf Jahre jünger als ihr Sohn. "Es ist sehr angenehm mit ihm zu arbeiten", sagt Annerose Madera über den Generationenwechsel im Rathaus.

Friedrich habe "bravourös die Herzen erobert", erklärt Landrat Johannes Fuchs (FDP) den Aufsehen erregenden Wahlsieg. Im ersten Anlauf hatten nur zwölf Stimmen zur absoluten Mehrheit gefehlt. Im zweiten Durchgang bekam Friedrich dann 62,5 Prozent. Dabei hatte er sich auch durchzusetzen gegen eine erfahrene Hauptamtsleiterin und einen Bürgermeister. Von einem "respektablen und anspruchsvollen Bewerberfeld" sprachen Beobachter. "Das waren keine Herausforderer von Pappe", sagt Friedrich im Rückblick. Beeindrucken ließ er sich von den Profis gleichwohl nicht. "Ich habe ein gewisses Selbstvertrauen", betont der Bürgermeister, "was ich mir vorgenommen habe, das habe ich bisher auch immer erreicht."

Das Alter habe im Wahlkampf nur anfangs eine Rolle gespielt. "Der Junge" sei er insgeheim genannt worden. Dadurch war wohl auch die Neugier der Bürger geweckt. Sie kamen zu den Vorstellungen und erfuhren, dass "der Junge" schon einiges an Erfahrung einbringen kann, nicht nur das Studium an der Hochschule in Ludwigsburg. In Althütte - laut Landrat Fuchs "eine Mustergemeinde" - war Friedrich zuletzt stellvertretender Kämmerer. In seiner Heimatgemeinde Auenwald saß er drei Jahre im Gemeinderat. Vor allem aber hat Maximilian Friedrich schon sehr früh hautnah erlebt, was ein Bürgermeister zu leisten hat. Sein Vater hielt 16 Jahre lang die kommunalen Zügel in Auenwald in der Hand. "Es ist kein Nachteil, wenn man von klein auf damit aufwächst", erinnert sich der Sohn, "das ist kein Job wie jeder andere."

Friedrich hat so früh, wie ihm die Gemeindeordnung dies erlaubt, seine Bewerbung abgegeben. Die Wahl sei auf Berglen gefallen, weil es eine ländlich geprägte Gemeinde sei: "Ich bin kein Stadtmensch." Außerdem habe er in der Heimatregion bleiben wollen: "Es zieht mich nichts in die Ferne" - auch wenn er zuletzt mit Freunden Mexiko bereiste. Dritter Grund seien die Finanzen gewesen: "Ich wollte eine Gemeinde, der es gut geht, wo ich also nicht nur den Mangel verwalten muss." Berglen hat 711 000 Euro Schulden, aber 3,5 Millionen in der Rücklage.

Der juvenile Bürgermeister möchte "Erster unter Gleichen" sein, kein "Alleinherrscher oder Alleswisser". Bei der Vereidigung sichert er "intensive Bürgerbeteiligung" und "konstruktives Miteinander" zu. "Ich bilde mir nicht ein, dass ich mit meinen 25 Lebensjahren alle Weisheit der Welt gepachtet habe", räumt er ein. Er erwarte klare Worte seiner Bürger: "Lobhudelei bringt uns nicht weiter." Als Klarinettist kann er Jubilaren selber ein Ständchen bringen.

Der Landrat gratulierte den 6000 Einwohnern, verteilt auf 21 Ortschaften, zur ihrer Wahl. Sie hätten "eine besondere Rarität" bekommen, hätten "ein Käpsele in den Flecken geholt". Friedrich brauche keinen Anlauf, "der kann gleich von 0 auf 100 durchstarten". Fuchs rechnete aus, dass der Jungspund 40 Amtsjahre in Berglen bleiben könne. Doch Amtsvorgänger Wolfgang Schille - mit 27 Jahren erstmals gewählt in Balzheim im Alb-Donau-Kreis - sagte beim Auszug aus dem Rathaus: "Ein Bürgermeister sollte nicht länger als zwei Amtszeiten in einem Ort sein, sonst besteht die Gefahr, dass alles immer in festgefahrenen Bahnen verläuft."

Maximilian Friedrich hat sich angeblich noch keine Gedanken an eine Fortsetzung seiner Karriere gemacht: "Ich betrachte das hier nicht als kurzfristiges Engagement", bekräftigt er im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE, "die Bevölkerung hat mir einen großen Vertrauensvorschuss gegeben." Er schließt nicht aus, dass er mit seiner aus Uhingen stammenden Freundin Kerstin Straub (22), demnächst Angestellte bei der Rentenversicherung, nicht nur als Mieter nach Berglen ziehen wird: "Auch ein Hausbau ist möglich."

Noch einen Hinweis, dass er keinen raschen Wechsel in eine größere Kommune mit besser besoldeter Spitzenposition im Sinn hat, gibt Friedrich beim Festakt: "Die 37,2 Prozent, die mich nicht gewählt haben, möchte ich überzeugen, dass sie nächstes Mal ihr Kreuzchen bei mir anbringen können."

Maximilian Friedrich ist jüngster Bürgermeister im Land
Maximilian Friedrich wurde mit 25 Jahren zum Bürgermeister gewählt. Aus seiner Familie kennt er die Arbeit - sein Vater war 16 Jahre Rathauschef. Foto: Privat

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21.09.2012, 12:00 Uhr
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