Maudie

Maudie

Von Dorothee Hermann

„Maudie“ ist ein eindringliches Biopic über eine mutige Frau und eine archaische Liebesgeschichte, in der es einen siebten Himmel nie gab.

Maudie

Einmal im Leben fein gemacht: Maudie (Sally Hawkins) und Everett (Ethan Hawke).Bild: Verleih

Sie lebt zur falschen Zeit und am falschen Ort, bewahrt sich aber wie durch ein Wunder ihre freundliche Offenheit. Weder die verkniffene Tante, noch der Bruder, der sie um ihr Erbe bringt, können Maudie (die wunderbare Sally Hawkins aus „Happy-Go-Lucky“) auf Dauer etwas anhaben. Die zierliche Frau mit dem von Arthritis verkrümmten Körper geht auch allein in die Tanzbar des entlegenen kanadischen Städtchens am Meer. Das Vergnügen, ab und zu eine Zigarette zu rauchen, lässt sie sich von niemandem streitig machen.

Die irische Regisseurin Aisling Walsh hat die Lebensgeschichte der kanadischen Folk-Art-Künstlerin Maud Lewis verfilmt – dort, wo die Malerin gelebt hat, vor der leuchtenden Weite der Küste von Neuschottland.

In den 1930er Jahren war das ein ziemlich beschwerlicher Ort, um sich durchzubringen. Die archaische Härte des Lebens ist dem alleinstehenden Everett (Ethan Hawke) anzusehen. Er ist ein zugeknöpfter Holzfällertyp, verbittert vor Einsamkeit.

Weil sein düsteres kleines Haus immer mehr einem Schuppen voller Gerümpel gleicht, hängt der Junggeselle im örtlichen Kramladen einen Zettel auf: Er sucht eine Haushaltshilfe. Die humpelnde, ungeschickt wirkende Maudie ist die einzige, die sich meldet.

So entwickelt sich die Geschichte zweier Außenseiter, die sich notgedrungen zusammentun, um einer kärglichen Existenz das Notwendigste abzutrotzen. Den mitreißenden Optimismus, für den sie bekannt ist, muss Sally Hawkins der Rolle entsprechend ein bisschen herunterdimmen.

Ihre neuen Pflichten (fegen, ein Huhn schlachten, dem mürrischen Brotgeber jeden Tag ein Essen auftischen) können Maudie nicht von ihrer großen Leidenschaft abhalten, dem Malen. Nach und nach verschönert sie das karge Heim mit gemalten Vögeln und Blumen und lässt auf geeigneten Brettchen kleine Landschaften entstehen. Everett reagiert sehr wütend auf die vermeintlichen Übergriffe auf sein Eigentum. Erst als ein Sommergast aus New York bereit ist, für die kleinen Kunstwerke zu zahlen, denkt er um.

Die bitter-süße Lebensgeschichte von Maud Lewis ist auch eine wichtige Erinnerung daran, wie hart es in der angeblich so heimeligen guten alten Zeit zuging. Und sie lehrt, dass Liebe und Romantik überhaupt nichts miteinander zu tun haben müssen, oder jedenfalls nicht so, wie man es sonst aus dem Kino kennt.

Glanzrolle für Sally Hawkins, die es schafft, der Härte des Existenzkampfs freundliche Lichter aufzustecken.


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02.11.2017 - 11:25 Uhr