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Mannheim statt Berlin
David Hoeffler (3.v.r.) und seine Mitgründer haben sich bewusst für Mannheim als Firmensitz entschieden. Foto: Ricardo Wiesinger
Start-ups

Mannheim statt Berlin

Die Hauptstadt ist das Zentrum der Szene. Aber inzwischen habe viele entdeckt, dass es auch für den Südwesten gute Argumente gibt.

15.07.2017
  • SIMONE DÜRMUTH

Ulm. In Berlin sitzt das Geld. Was David Hoeffler, einer der Gründer des Start-ups Pulseshift da so lakonisch feststellt, ist eines der wichtigsten Argumente, warum es viele Gründer in die Hauptstadt zieht. Dazu kommen viele potenzielle Mitarbeiter in der Großstadt und generell eine bessere Infrastruktur. Ganz einfach, weil da schon so viele Start-ups sind.

Doch David Hoeffler und seine Mitstreiter Michael Dell, Norman Weisenburger, Jascha Quintern und Martin Müller, alle um die 30, haben ihr Unternehmen bewusst in Mannheim angesiedelt. Natürlich geht es dabei ums Geld: Die großen Wagniskapitalgeber wie Project A sitzen in Berlin. Ihre Vertreter trifft man dort auf Veranstaltungen, was Türen öffnet. „Einfach kalt eine E-Mail zu schreiben ist praktisch chancenlos“, so Hoeffler.

Mannheim hatten die Gründer von Pulseshift zunächst gar nicht auf dem Schirm, eher zufällig sind sie auf das Technologiezentrum Mafinex gestoßen. Hier sind auf 7800 Quadratmetern rund 60 Unternehmen mit etwa 470 Arbeitsplätzen angesiedelt. Mafinex gibt es schon seit 2008.

Doch die Idee dahinter ist viel älter: Bereits seit 1985 fördert die Stadt Mannheim dort Existenzgründungen des Technologie- und IT-Sektors. Dort gibt es nicht nur günstige Mieten, sondern auch Beratungsangebote, Unterstützung bei Marketing und Vertrieb sowie Hilfe bei Kontakten zu Behörden, Kreditinstituten und Universitäten. „Wir hatten Mannheim als Gründungshotspot nicht auf dem Schirm“, so Hoeffler. Dabei gilt die Universitätsstadt in Baden-Württemberg als Vorreiter.

Der wichtigste Grund, warum Pulseshift heute in Mannheim zu finden ist und nicht in Berlin, ist schnell erklärt: „Hier sitzen unsere potenziellen Kunden“, so Hoeffler. Er und seine Mitstreiter, alle ehemalige Mitarbeiter des Softwarekonzerns SAP, haben einen Algorithmus entwickelt, der die Befragung von Mitarbeitern in großen Firmen vereinfacht. Inzwischen hat das Produkt die Marktreife erreicht, im nächsten Halbjahr laufen die ersten Projekte bei zwei Dax-Konzernen an.

Generell ist das traditionelle Tüftler-und-Denker-Land Baden-Württemberg aber weit abgeschlagen, was die Zahl der Unternehmensgründungen betrifft: Vorne liegt Hamburg mit 253 Unternehmensgründungen je 10 000 erwerbsfähigen Einwohnern in den Jahren 2014 bis 2016. Dahinter liegen Berlin (238) und Hessen (182). Erst auf Platz neun findet sich Baden-Württemberg (131) auf dem KfW-Gründungsmonitor. Doch einer Studie der L-Bank zufolge sind die Gründer im Ländle älter und bringen ihre Produkte häufiger zur Marktreife.

Trotzdem will das Land mehr Gründer anlocken. Grund genug für die Wirtschaftministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), ein ganzes Maßnahmenpaket zu schnüren. Es gehe darum, niederschwellige Angebote zu schaffen. Unter anderem Mikrokredite bis 10 000 EUR. Diese lohnten sich für Banken nicht, also sei das Land als Kreditgeber gefragt.

Auch Frankfurt versucht seit einiger Zeit Fintechs, also Start-ups aus der Finanzbranche, anzulocken. Die Branche hat erst spät reagiert, darum sind jahrelang fast alle Fintechs nach Berlin gegangen. Mittlerweile gibt es aber zahlreiche Fintech-Zentren und das landesgestützte Techquartier als Knotenpunkt für die Szene.

Beim Start-up-Gipfel in Stuttgart war auch Pulseshift zu Gast. Was sie von den geplanten Maßnahmen halten? „Finanzielle Fördermöglichkeiten gibt es viele, aber die Antragsstellung ist sehr kompliziert“, sagt Hoeffler. Das sei auch ökonomisch wichtig: „Verbringe ich eine Woche damit, einen Antrag zu stellen – mit ungewissem Ausgang?“ Viel wichtiger seien Bildungsmaßnahmen, um die Gründungsbereitschaft generell zu stärken.

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15.07.2017, 06:00 Uhr
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