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Sorge um sicheren Schulweg

Manche Eltern wünschen sich eine Ampel – die Verkehrsbehörde findet zu viel Sicherheit problematisch

So schön es ist, dass Ost und West wieder vereint sind: Die offene Wilhelm-Herter-Kreuzung hat auch Nachteile. Das finden jedenfalls Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machen. Sie müssen auf dem Schulweg nun befahrene Straßen queren.

11.12.2012
  • von Gabi Schweizer

Dußlingen. „Ich lauf immer von da oben“, sagt Stefan und zeigt in den Dußlinger Osten. Klar weiß der Junge, welchen Weg er nehmen muss: „Ich merk mir das im Kopf!“ Zusammen mit Elisa und Paul ist Stefan auf dem Weg zur Schule – es ist kurz vor halb neun, die Erstklässler haben immer erst zur zweiten Stunde Unterricht und sind somit bei Tageslicht unterwegs. Da habe sie es besser als die Zweitklässler aufwärts, die sich zu früher und dunkler Stunde auf den Schulweg machen müssen. Für sie läutet der Gong schon um Viertel vor acht. Zwar versichert Nadine Walter, Leiterin der Anne-Frank-Schule, bei der aktuellen Debatte gehe es um sichere Überwege und nicht um Straßenlaternen; DWV-Gemeinderätin Antje Wellhäuser sagt jedoch das Gegenteil. Wichtig ist ihr aber vor allem, dass die Kinder gefahrenfrei über die Straßen kommen.

Sie und ihr Fraktionskollege Harald Müller, der das Thema neulich in den Gemeinderat brachte, haben selbst Kinder im Grundschulalter und sind deshalb von anderen Eltern angesprochen worden: Ob man nicht etwas unternehmen könne? Besonders zwei Punkte schätzen Eltern als gefährlich ein, seit der Fußgängersteg abgebaut und die Wilhelm-Herter-Kreuzung auch für den Autoverkehr wieder geöffnet wurde: Jene Stellen, an denen die Blumen– und die Hechinger Straße auf die Wilhelm-Herter-Straße treffen. Gerade die, sagt Antje Wellhäuser, sei für Autofahrer schlecht einsehbar. Sie weiß von Eltern, die sich dabei abwechseln, ihre Kinder über die Gefahrenstellen zu lotsen.

Auf einige Vorsichtsmaßnahmen haben Gemeinde, Bau- und Schulleitung sich schon geeinigt: Seit der Steg weg ist, sind Fußspuren auf den Asphalt gemalt, die die Kinder auf sicheren Wegen in die Schule geleiten sollen. Schilder sind aufgestellt worden, die Autofahrer daran erinnern, dass Kinder unterwegs sind. In der Hechinger Straße dürfen keine Autos mehr halten, wie im gesamten Areal ist Tempo 30 vorgeschrieben. Und Schulleiterin Nadine Walter hat Elternbriefe verschickt mit der Bitte, den Weg mit den Kindern zu besprechen, gegebenenfalls auch zu üben.

Am besten fände sie einen Zebrastreifen, auf Amtsdeutsch „Fußgängerüberweg“. Aber einen solchen genehmigen zu lassen, ist eine aufwendige Prozedur, hat sie erfahren. Wellhäuser weiß von mehreren Eltern, dass diese sich eine Baustellenampel wünschen, um die Zeit zu überbrücken, bis es wieder per Fußgängersteg in die andere Ortshälfte geht – auch sie fände das am besten. Verkehrsexperten von der Polizei und vom Landratsamt waren jedoch vor Ort und befanden: Mehr als jetzt zu regeln sei nicht nötig. Und die Gemeinde könne solche Dinge nicht selbst entscheiden, sagt dazu Bürgermeister Thomas Hölsch: „Fußgängerwege sind an gewisse Voraussetzungen geknüpft, die wir nicht erreichen.“

Seine Mitarbeiterin Nicole Bär hat sich beim Landratsamt wegen eines Stopp-Schildes oder eines Fußgängerüberwegs erkundigt und vom Zuständigen Klaus Knöller folgende Antwort bekommen: Es handle sich an der Hechinger Straße um eine Gefährdung, die „überall“ auftreten könne: „Sie entspricht der Lebenswirklichkeit unserer Zeit, und die Kinder sollten sich dieser Gefahren stets bewusst sein. Es könnte deshalb durchaus problematisch sein, Kinder im Heimatort an eine Sicherheit zu gewöhnen, die andernorts nicht erwartet werden kann.“ Wenn die Gemeinde darauf bestehe, einen Fußgängerüberweg einzurichten, müsse sie den Verkehr zählen. Als Richtwert gilt: In Spitzenzeiten sollten es pro Stunde mindestens 50 Fußgänger und 450 Autos oder 100 Fußgänger und 300 Autos sein.

Manche Eltern wünschen sich eine Ampel – die Verkehrsbehörde findet zu viel Sicherheit
Fußspuren helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben – insbesondere dort, wo es die Blumenstraße (im Bild) oder einige Meter weiter die Hechinger Straße zu queren gilt.

Manche Eltern wünschen sich eine Ampel – die Verkehrsbehörde findet zu viel Sicherheit
Wird erst im Frühjahr 2013 fertig: eine neue Radfahrer- und Fußgängerbrücke über die parallel zum Tunnel verlaufende „Verbindungsstraße Nord“ – eine zweite entsteht auf der anderen Seite der Bahnlinie. Bilder: Schweizer

Am Donnerstag ist der Schulweg auch Thema im Dußlinger Gemeinderat, zu dessen Sitzung ein Verkehrsexperte vom Landratsamt kommt. Auch die künftigen innerörtlichen Verkehrsregelungen – zum Beispiel auf der Zubringerstraße – stehen zur Debatte. Die Verwaltung möchte, soweit möglich, innerorts Tempo 30. Zudem geht es um die Frage, ob Dußlingen Mitglied im „Kommunalen Interessenverein Landesbühne Tübingen“ werden möchte, um ein 500 000 Euro starkes Darlehen für den Eigenbetrieb Wasserversorgung und um Bauanträge. Die Sitzung beginnt am 13. Dezember um 19 Uhr im Rathaus.

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11.12.2012, 12:00 Uhr
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