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Man stirbt nicht nur zweimal
Kruzifix, wird er sich gedacht haben wieder wird Christopher Lee als Dracula (großes Bild) der Garaus gemacht. © Moviestore/REX/Shutterstock.com Foto: © Moviestore/REX/
Kinoreife Abgänge

Man stirbt nicht nur zweimal

Schurken und Monster: Wer solche Rollen spielt, segnet im Kino häufiger das Zeitliche. Die makabre Hitliste der Leinwandtode zum Trauermonat.

10.11.2017
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Ulm. Irgendwann war es ein derartiges Elend, dass John Hurts Kinder ihn gar nicht mehr fragten, ob er in seinem neuen Film sterbe. „Sie fragten nur noch: Wie stirbst du diesmal?“

John Hurt, der brillante britische Schauspieler, wurde in seiner Filmkarriere elfmal erschossen, viermal erstochen, zweimal gehängt und neunmal von Krankheiten dahingerafft. Er wurde von Hunden zerfleischt und von einem Dämon aufgeschlurft. Und einmal wurde er von einem überdimensionierten Daumen erschlagen. Sage und schreibe 45 Mal schlug ihm in seiner Karriere das letzte Stündlein. Das ist selbst angesichts seiner 200 Kino- und TV-Rollen eine heftige Zahl.

Unvergessen ist Hurts Abgang in Ridley Scotts Weltraumschocker „Alien“ (1979): Brutal platzte ihm ein Parasit von innen durch den Brustkorb, was Hurt als Astronaut Kane brüllend und blutend seinem Ende zuführte. Da das Ensemble nicht in die Details der Szene eingeweiht war, ist der Schrecken auf den Gesichtern echt. So ist es zumindest vom Set kolportiert worden.

Im Gegensatz dazu schlief Hurt als John Merrick in „Der Elefantenmensch“ (1980) friedlich ein: Nur einmal wollte der missgebildete, sensible Merrick in seinem Leben richtig in einem Bett ruhen – seinen Tod in Kauf nehmend. Das tränenerstickte Finale eines aufwühlenden Films.

Als John Hurt in diesem Januar im Alter von 77 Jahren starb, war es makaber, in wie vielen Nachrufen an seine spektakulären Leinwandtode erinnert wurde. Aber tatsächlich war er nicht zuletzt für sie berühmt.

Zweifelhafte Ehre

Dabei führt Hurt die morbide Hitliste nicht an. Diese Ehre gebührt Sir Christopher Lee. Der charismatische Brite, 2015 im Alter von 93 Jahren nach einer mehr als sechs Jahrzehnte langen Karriere gestorben, hatte freilich so viele Filme gedreht (rund 280) und so viele Schurken und Fieslinge, Mörder und Monster verkörpert, dass sein Rekord nicht verwundert. Lee kam auf unfassbare 60 Leinwandtode: Egal, welche Art man sich vorstellt, ob gepfählt oder mit dem Laserschwert entleibt, ob zu Staub zerfallen oder in Säure aufgelöst – Lee hat sie als Schauspieler erlebt, wenn man das so sagen kann. Besondere Pointe: Als Dracula war es freilich egal, wie Lee starb, in der nächsten Fortsetzung war er wieder dabei, insgesamt zehn Mal.

Klar, dass sich das Horrorgenre als besonders ergiebig erweist. So finden sich in der ewigen Hitliste mit Bela Lugosi (36 Tode in 116 Filmen) auf Rang drei und Vincent Price (32 Tode in 201 Filmen) auf Rang vier gleich zwei weitere große Schauer-Spieler.

Der Ungarn Lugosi, noch ein legendärer Leinwand-Dracula und Star der Horror-Schmiede Universal in den 30ern und 40ern, verkörperte meist den Blutsauger oder Bösewicht vom Dienst – da wurde er gern mal entleibt, von Klippen geworfen oder in Schwefelgruben versenkt.

Price („Theater des Grauens“), einer der Könige des britischen Horrors der 50er und 60er, wurde hingegen gepfählt, geröstet, erwürgt und in Teile gerissen, sogar in einem Weinfass ertränkt. Selbst in seinem letzten großen Film, dem märchenhaften „Edward Scissorhands“, erlebt er den Abspann nicht, aber da fand er wenigstens ein rührendes Ende.

Auf Rang fünf findet sich mit Samuel L. Jackson („Pulp Fiction“) der erste noch real lebende Akteur. Quentin Tarantinos Liebling kommt auf 28 Leinwandtode, ob nun Saurier oder Sith-Lords, Mega-Haie oder Mafiosi für sein Ableben verantwortlich waren.

Der Brite Sean Bean hat sogar eine Internet-Seite inspiriert, die sich seinen Leinwandtoden widmet: dontkillseanbean.com. Montagen mit seinen mortalen Abgängen (insgesamt 25) sind YouTube-Hits. Da stürzt Bean als Bond-Schurke in „Goldeneye“ zu Tode, wird im „Herr der Ringe“ von Pfeilen durchbohrt und in „Patriot Games“ aufgespießt. Insofern war es keine echte Überraschung, dass er als vermeintliche Hauptfigur der Serie „Game of Thrones“ bereits vor dem Ende der ersten Staffel geköpft wurde.

Die Südafrikanerin Charlize Theron, die nach dem Action-Kracher „Mad Max: Fury Road“ derzeit die beste Phase ihrer Karriere erlebt, findet sich als einzige Frau auf den vorderen Plätzen. Was die maskuline Dominanz in den Meuchel-Charts über Geschlechterrollen im Film aussagt, mag sich jeder selbst zusammenreimen. So oder so liegt die Oscar-Gewinnerin („Monster“) mit 25 Toden in 52 Filmen auf Rang sieben. Die Todeswahrscheinlichkeit von 48 Prozent ist allerdings einsame Spitze.

Extraportion Glaubwürdigkeit

Die Top Ten wird abgerundet von Liam Neeson („Taken“, 24 Tode), der früher eben noch nicht immer den Helden gegeben hat, James Camerons Favorit Michael Biehn („Aliens“, 24 Tode) und Knautschgesicht Mickey Rourke („The Wrestler“, 22 Tode). Der landete als Leinwandcharakter gleich mehrfach auf dem elektrischen Stuhl – und sein wüster Lebenswandel in der Realität verleiht seinem Film-Image eine Extraportion Glaubwürdigkeit.

Und dann war da noch Bill Paxton („Titanic“). Der Anfang dieses Jahres im Alter von nur 61 Jahren gestorbene Amerikaner kam zwar auf „nur“ 15 Leinwandtode, konnte sich aber etwas Speziellem rühmen. Er war der einzige Darsteller, der von einem Terminator, einem Alien, einem Predator und von Nazis getötet wurde.

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10.11.2017, 06:00 Uhr

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… „ES“ ist ein Kinderfilm für Erwachsene, denn die Helden sind allesamt angehende Teens. Es sind Pubertierende mit all ihren Nöten aus körperlichen Defiziten, großkotzigen Bullies, die die Stadt zu „ihrer“ Stadt erklären, übergriffigen Eltern und vor allem mit einem uralten Schrecken, der der Stadt schon bei der Gründung eingeschrieben wurde: Pennywise. Das alles kommt so fein austariert und bis ins letzte Detail stimmig umgesetzt daher, dass die Kinder dem empfindsamen Zuschauer recht bald ans Herz wachsen, Kinder einer Zeit und Kultur, in der der Horror für Stephen King noch aus dem Kleinstädtischen erwuchs. „ES“ spart nicht an einigen krassen Effekten, ist aber in seinen besten Momenten (und die sind beileibe nicht rar) dort am stärksten, wo es um das scheinbar Nebensächliche und Beiläufige geht: Wenn der Vater von Beverly seiner Tochter etwas zu lange über das Haar streicht, wenn der dicke Ben in der Bibliothek recherchiert und im Hintergrund die Bibliothekarin nicht weicht, wenn Stanley in der Synagoge ein Bild betrachtet und es irgendwann zurückschaut ….. das sind nur ein paar der vielen Szenen, bei denen es / „ES“ dich beklemmend schaudern macht. Chapeau.
Peter Dorn über Es
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