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Weltspartag

Mama zahlt mit Karte

Auch heute gibt es noch Sparschweine. Scheine und Münzen sind aber immer seltener. Wie schwierig wird es, Kindern den Wert von Geld beizubringen?

30.10.2017
  • DPA

Berlin. Die wahre Währung in Kindheitstagen war rund, dicklich und knatschig zwischen den Zähnen. Mit dem Colakracher vom Kiosk ließ sich der Wert des Taschengelds am besten begreifen: Eine Mark = zehn Colakugeln, Wechselkurs nicht garantiert. Die Phase mit den Süßigkeiten währte nicht ewig, die Wünsche wurden größer und das Taschengeld wurde gespart.

Auch heute haben Kinder noch Sparschweine – aber Geld lässt sich im Alltag ihrer Eltern seltener anfassen. Kontaktlos bezahlen oder vom Handy überweisen, heute ist viel möglich. „Wir zahlen viel öfters mit der Karte“, sagt Korina Dörr vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin. Gerade beim Online-Shopping merke man, dass Bezahlen virtueller sei.

„Ich gebe nichts mehr über die Ladentheke“, sagt Dörr. Manchmal fehle es, den Euro wirklich in der Hand zu haben. „Das macht es natürlich schwieriger.“ Auch Erwachsene machten die Erfahrung. Kinder hätten ab der Grundschule ein Gefühl für Geld, manche früher. Taschengeld sollten Kinder ihrer Meinung nach ab der 5. Klasse monatlich und nicht mehr pro Woche bekommen. „Damit man auch lernt, sich das einzuteilen, und nicht gleich alles auszugeben.“

Sich einteilen, nicht alles ausgeben – Kinder sollen also das Sparen lernen. Das war auch eine Idee, als Sparkassen vor rund 90 Jahren das erste Mal zum Weltspartag aufriefen. Der ist am 31. Oktober. In Zeiten der Nullzinspolitik ist Sparen heute eine schwierige Sache. Bei Erwachsenen jedenfalls hat sich die Einstellung zu manchen Geldanlagen ziemlich verändert.

Das Sparbuch zum Beispiel ist nicht mehr das, was es mal war. Laut Befragung des DSGV halten es weniger Menschen für geeignet, um Vermögen aufzubauen. Auch der Weltspartag hat nach Meinung von Kirsten Schlegel-Matthies an Bedeutung verloren. Sie könne sich erinnern, wie Kinder früher ihr Gespartes zur Bank gebracht und etwa ein Kuscheltier bekommen hätten. „Das ist, glaube ich, überhaupt gar kein Anreiz mehr.“

Schlegel-Matthies forscht an der Universität Paderborn und hat Hinweise für Lehrer zur finanziellen Bildung erarbeitet. Sparen, sagt sie, sei heute kein Selbstzweck mehr. Denn es stelle sich die Frage, was einem das bei niedrigen Zinsen bringe. Kinder müssten eher den Umgang mit Geld lernen, etwa dass Geld nicht einfach aus dem Automaten komme und man etwas dafür tun müsse.

Laut Deutschem Jugendinstitut hat sich das Sparverhalten von Kindern in den vergangenen 20 Jahren wenig verändert. Kinder legten prozentual einen ähnlichen Anteil zurück wie früher, sagt Alexandra Langmeyer. Verändert habe sich die Situation bei manchen Jugendlichen – sie hätten teilweise schon Schulden bei Eltern oder Freunden.

„Das scheint etwas mehr zu werden“, sagt Langmeyer. Es gebe noch keine wissenschaftlichen Studien, ob etwa die Kartenzahlung Kindern das Verstehen von Geld schwerer mache. „Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es eine größere Herausforderung ist zu verstehen, wenn Geld von einer Karte abgezogen wird.“

Nur Bares ist Wahres

Kinder verstünden erst ab einem bestimmten Alter, dass Geld bei einer Überweisung oder einer Kartenzahlung weg sei, sagt auch Schlegel-Matthies. Viel virtueller sei Geld im Alltag nicht unbedingt. „Geld ist immer noch etwas, was für einen Großteil der Bevölkerung auch wirklich im Portemonnaie deutlich sichtbar sein muss.“ Motto: Nur Bares ist Wahres. In nordischen Ländern sei das schon ganz anders.

Dass gerade kleine Kinder manchmal in Vergleichen denken – ob Colakracher, Fußballbildchen oder Sticker – kennt sie auch. „Die sind noch in der Welt, was es ihnen wert ist, nicht, was es anderen wert ist.“ Langmeyer vom Jugendinstitut beobachtet auch, dass ganz kleine Kinder oft noch eine andere Orientierungshilfe haben: „Bei ihnen sind viele 1-Cent-Münzen viel Geld.“ dpa

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30.10.2017, 06:00 Uhr
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