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Vor 100 Jahren zerstörte eine Feuersbrunst in Ehingen sechs historische Bauten

Mächtige Funkengarben

In der Nacht zum 8. April 1915 brach über das Herzstück im alten Ehgne eine Katastrophe herein: Uralte Fachwerkgebäude brannten ab. Die Feuerwehr konnte mit knapper Not verhindern, dass das gesamte mittelalterliche Stadtviertel in Flammen aufging.

07.04.2015
  • Ursula Kuttler-Merz

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Rottenburg. „Mächtige Funkengarben wälzten sich im Ehinger Stadtteil langsam über den Neckar der Stadt zu, und hoch schlugen die Flammen aus einer der eng aneinander gebauten Scheuern an der Kapuzinergasse. Drei derselben brannten alsbald lichterloh, und in kürzester Zeit griffen die Flammen über auf das Flaschner Abbt’sche Gebäude und dasjenige von Kaspar Zimmermann an der Königstraße.“ So berichtete die „Rottenburger Zeitung und Neckarbote“ schon am 8. April 1915 über die nächtliche Feuersbrunst zwischen Kapuzinergasse und Königstraße.

Kurz nach Mitternacht schlug das Feuer bereits zum vorderen Firstgiebel des Abbt’schen Gebäudes (Königstraße 78) heraus. Die Bewohner lagen im ersten Schlaf, als sie jäh geweckt wurden. Es war der letzte Abend des einwöchigen Rosenkranzgebets gewesen, zu dem sich die Familie des Flaschnermeisters Anton Abbt mit Angehörigen und Nachbarn in der Wohnstube versammelt hatte – die Großmutter war gestorben. Nun mussten die Hinterbliebenen um ihr eigenes Leben bangen. Hab und Gut verbrannte einschließlich der wohlgefüllten Schmalztöpfe vom Schlachttag und dem ersten Silbermünzen-Lohn der bei der Post arbeitenden Abbt-Tochter.

Gegen halb eins ging auch das um 1400 erbaute Nachbarhaus Nr. 26/Königstraße 80 in Flammen auf. Dort im „alten Spitäle“ (jetzt Neubau Moriz-Apotheke) lebten damals sieben arme Familien. Retten konnten sie nur die Kleider, die sie am Leibe trugen, dazu ein paar wenige Habseligkeiten. Es traf die Weingärtnerfamilien Richard Neu und Kaspar Zimmermann, den Fabrikarbeiter Florian Dorner und die ledige Katharina Noll, die eine Stube, ein Alkoven und eine Futterkammer hatte.

Über ihr wohnten Uhrmacher Ritter, Metzgerswitwe Dorner und Zimmermann Gustav Saile. Der rannte zurück ins Haus, um einige Schriftstücke zu holen und musste aus seiner lichterloh brennenden Wohnung durchs Fenster fliehen und über die Feuerwehrleiter gerettet werden. Im Flammenmeer sanken auch die Scheuern Königstraße 80a sowie die von Sattlermeister Lipp und Schuhmachermeister Hahn in Schutt und Asche.

Die Feuerwehr löschte aus 13 Schläuchen

Die bis zum Umfallen arbeitenden Rottenburger Feuerwehrmannen hatten in der Brandnacht nichts zu lachen, da die engen baulichen Verhältnisse des mittelalterlichen Häusergewirrs fast unüberwindbare Schwierigkeiten bereiteten: „13 Schläuche sandten ihre Wassermassen in die schreckliche Glut.“

Durch Wasser beschädigt wurden die Häuser von Schuhhändler Hahn, Fabrikarbeiter Stephan Ulmer, Andreas Maurer, Landwirt Wiech und Metzger Gamerdinger (Königstraße 82), der am 9. April in der „Rottenburger Zeitung“ eine Danksagung abdrucken ließ: „Für die geleistete Hilfe, welche ich bei der mir drohenden Feuersgefahr von allen Seiten (…) erfahren durfte, sage ich hiermit innigsten Dank.“

Auch eine Bekanntmachung findet sich in derselben Ausgabe des Lokalblatts: Amtmann Fiederer vom Königlichen Oberamt Rottenburg warnte vor den Gefahren durch zündelnde Kinder. Die Redaktion indes stellte fest, dass die neue Pumpanlage auf dem Altstadtberg mit den „ungeheuren Wassermassen und dem hohen Druck sich vortrefflich bewährt“ habe. Man könne „es fast als wunderbar bezeichnen, dass man über das verheerende Element Herr wurde“. Zu hoffen sei, so der Autor, „dass die ehemaligen Gegner sich nun mit der Anlage befreunden können“. Einige der Abgebrannten fanden Aufnahme bei Verwandten und Bekannten.

Mächtige Funkengarben
Eine große Lücke klaffte nach dem Brand im April 1915 in der Königstraße. Die Häuser 78 und 80 lagen in Schutt und Asche. Bild: Stadtarchiv

Während das kurz nach Ostern 1915 abgebrannte Abbt’sche Haus (später Garb/Daub) Königstraße 78 zeitnah wieder aufgebaut wurde, blieb die Königstraße 80 bis 1990 eine Baulücke mit ummauertem Garten.
Das mittelalterliche Haus war einst ein repräsentativer giebelständiger Fachwerkbau mit Backofen und bemerkenswerten Stockwerkshöhen: Das (steinerne) Erdgeschoss mit Laden und die Beletage hatten fast drei Meter Höhe, das zweite Obergeschoss 2,60 Meter und die Dachgeschosse insgesamt fast sieben Meter. Zum zerstörten Anwesen gehörten ein Anbau und eine große Fachwerkscheuer aus der Zeit um 1400. Bei den Grabungsarbeiten für den Neubau fanden sich noch Reste des mittelalterlichen Hausbrunnens vom „Alten Spitäle“. Am 11. November 1991 war die erste Sprechstunde in der Frauenarztpraxis, eine Woche später wurde die Moriz-Apotheke eröffnet.

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07.04.2015, 12:00 Uhr

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