Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Lucia und der Sex

Eine schön verrätselte Liebeserklärung an das Leben zwischen Wirklichkeit und Einbildung.

Eine schön verrätselte Liebeserklärung an das Leben zwischen Wirklichkeit und Einbildung.

LUCIA Y EL SEXO
Spanien

Regie: Julio Medem
Mit: Paz Vega, Tristán Ulloa

- ab 16 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

rating rating rating rating rating

Film bewerten

rating rating rating rating rating
24.11.2015
  • che

Wenn es stimmt, dass Sex sells, müsste dieser Film des Spaniers Julio Medem („Die Liebenden des Polarkreises“) der Blockbuster der Saison werden. Er hat einen pikanten Titel, ein Plakat mit einer aufreizend erotischen und halb entblößten Hauptdarstellerin (Paz Vega) und jede Menge expliziter „Stellen“, die man im Hollywood-Kino bestimmt nicht zu sehen kriegt.

Es beginnt in einer Madrider Kneipe. Da spricht die lebensfrohe Kellnerin Lucia einfach so den Schriftsteller Lorenzo an und gesteht ihm ihre Liebe. Wenig später wälzen sich die beiden leidenschaftlich in den Laken, und das mit einer Ausdauer, dass man sich beinahe in einem Softporno wähnt, wo ein imaginärer Oswalt Kolle von der Glück spendenden Kraft gewisser erotischer Praktiken kündet. Feiern da die 68er mit ihrer sexuellen Revolution eine unverhoffte Wiederauferstehung?

Ja und nein. Einerseits stilisiert der Regisseur ausgelebte Sexualität mit entwaffnender Naivität tatsächlich zu einem potenziellen Reich der Freiheit. Andererseits ist dieses Lebenselixier nach einer halben Filmstunde gründlich aufgebraucht. Lorenzo plagt nun ein weit in die Vergangenheit reichendes Schuldgefühl, dessen literarische Aufbereitung ihn dicht an den Wahnsinn führt und die Beziehung zu Lucia zu zerstören droht. Wie aus dem Nichts tauchen weitere Figuren auf, die ein Plätzchen in einem immer undurchdringlicher scheinenden Beziehungsgestrüpp beanspruchen. Aller Wege kreuzen sich auf einer paradiesischen Mittelmeer-Insel, wo der befürchtete melodramatische Showdown jedoch ausbleibt. Mit der Zauberkraft, die einem Regisseur von Format zusteht, lässt Medem den zuvor massiv aufgetürmten Konfliktstoff einfach wieder im Zylinder verschwinden.

Man tut gut daran, den Film weniger als ernsthaftes Melodrama denn als bizarres Märchen zu lesen. Merkwürdige Zufälle treiben die Handlung voran, in der sich Erinnerung und Einbildung, Wunsch- und Alptraum zunehmend verknäueln, was Medem durch surreale, manchmal fast hypnotisierende Bilder nach Kräften unterstreicht.

Wer da beharrlich nach erzählerischer Logik fahndet, wer sich nicht einfach mit den Figuren und ihren Hirngespinsten treiben lässt, wird den Film vermutlich ein bisschen befremdlich finden.

Und der Sex? Der ist, lernen wir, erst nach dem Stahlbad der Traurigkeit wirklich was wert.

Spielplan

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
25.06.2007

12:00 Uhr

Cora schrieb:

In der Leseart als bizarres Märchen ein sehr gelungener Film!



 
Aus der Filmregion
Neueste Artikel
Film Commission Neckar-Alb geht an den Start Die Region will sich für Drehorte empfehlen
Abrissbagger rücken am Cinema Jenin an Filmemacher Marcus Vetter: Das Herz blutet
Mirjana Karanovic aus Serbien ist Gast bei den Frauenwelten Stopptaste vor den Kriegsverbrechen
Zuletzt kommentiert
Ein Superfilm: Superb gespielte und inszenierte Liebes- und Emanzipationsgeschichte. Politisch hochaktuell, weil sie zeigt, wie verheerend Nationalismus war und ist. Ozon macht m.E. zur Zeit weltweit die glaubwürdigsten, sensibelsten und sinnlichsten Beziehungsfilme, und er inspiriert besonders seine Schauspieleinnen zu Höchstleistungen. Nicht verpassen!
Klex über Frantz
Aus der Filmwelt
Neueste Artikel
Klassisches Fernsehen sieht alt aus Streaming ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch
Interview mit dem Schauspieler Bjarne Mädel „Meine Halbzeit ist schon vorbei“
Von „Dr. Seltsam“ bis „House Of Cards“ Mal Schurke, mal Held: Hollywood und seine US-Präsidenten

Umfrage zu vollen Altstadtgassen

499 abgegebene Stimmen
Neue Trailer
Neueste

Kino Suche im Bereich
nach Begriff