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Lola rennt

Lola rennt

Streckenweise unterhaltsame, oft aber auch nervige Fingerübung in Sachen Stilmittel.

LOLA RENNT
Deutschland

Regie: Tom Tykwer
Mit: Franka Potente, Moritz Bleibtreu, Herbert Knaup

- ab 0 Jahren

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06.01.2002
  • von che

Ein Film startet durch. Schon vor der Kinoauswertung ging’s mit Karacho durch alle verfügbaren Medien, die „Lola rennt“ mit ellenlangen Rezensionsriemen eine Beachtung schenkten, als wär’s ein neuer Kubrick oder Spielberg. Dabei ist dies ganz klar der bislang unerheblichste Film des Berliner Regisseurs Tom Tykwer („Die tödliche Maria“, „Winterschläfer“) – eine streckenweise unterhaltsame, oft aber auch nervige Fingerübung in Sachen Stilmittel, die von seinem reichen Erfahrungsschatz als Kunst- und Trash-Kinomacher in Kreuzberg zeugt.

Ergo begleiten uns auf Lolas Hetzjagd (sie soll ihrem kleinkriminellen Freund Manni einen Batzen Geld besorgen) an Handlungs Statt allerlei Zeitlupen, Jumpcuts, kreiselnde Kamerafahrten, Farbfilter, Schwarzweiß-Passagen, Video- und Zeichentrickeinsprengsel, verwackelte Bilder, blitzlichtartige Fotoserien und ein Platzregen an Filmzitaten, der selbst wetterfeste Cineasten als begossene Pudel zurückläßt. Da Tykwer ein im deutschen Kino seltenes Gefühl für Rhythmus und Timing besitzt, guckt sich das eine Weile recht prickelnd, ehe man zu begreifen beginnt, daß die visuellen Trickspielereien nicht dem Film, sondern dem Ruhm des Regisseurs zugute kommen sollen.

Säuerlich stößt nun das Kalkül auf, mit dem das Werk auf Hipness getrimmt ist, der von der deutschen Kommerzklamotte ausge-hende Debilitätsdruck, dem Tykwer ein ums andere Mal nicht standzu-halten vermag. (Warum wühlt sich Lola durch einen Pulk Nonnen? Damit auch der Til-Schweiger-Fan mal was zu grinsen hat.) So fühlt man sich alsbald wie auf einer Achterbahnfahrt nach dem achtundsechzigsten Looping. Während Lola weiterhin rennt und rennt, sind die aus Viva und Edelreklame hinlänglich bekannten Sperenzchen schon zur Filmmitte komplett außer Atem. Apropos. Bei Godard endet der experimentelle Großstadttrip mit schnödem Verrat und einem schlichten „Ich finde dich zum Kotzen“. Bei Tykwer ist man zum Schluß jung, reich und glücklich. Das ist der Preis des Erfolgs.

Spielplan

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06.01.2002, 12:00 Uhr | geändert: 25.11.2010, 12:00 Uhr

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Ein interessanter, sehr nüchtern und pragmatisch inszenierter Film über die ersten Vorkämpferinnen von Frauenrechten, speziell des Wahlrechts für Frauen. Ungeschönt wird die alltägliche Situation einfacher Wäscherinnen gezeigt (in der Familie und am Arbeitsplatz, wo sie auch sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind), die sich nach jahrelangem "Kampf" mit friedlichen Mitteln nicht mehr mit Worten abspeisen lassen wollen. An diese Pionierinnen, die alles riskiert haben, kann nicht oft genug erinnert werden. Vor allem, wenn man daran denkt, dass das allgemeine Wahlrecht für Frauen in der Schweiz 1971(!) eingeführt wurde und in Saudi-Arabien vor ca. 6 Wochen. .
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