Glosse

Lobpreis mit Smartphone

Von PIA REISER

Die Kirche ist der letzte Ort der Ruhe und Besinnlichkeit ohne digitales Gedöns.

Lobpreis mit Smartphone

Noch analog: Evangelische Gesangbücher in der Leonardskirche in Stuttgart. Foto: epd

Im Haus Gottes und erst recht während der Predigt traut sich niemand, sein Smartphone zu zücken. Doch damit ist nun Schluss. Denn auch die evangelische Kirche geht digital und plant eine Gesangbuch-App. „Lobet den Herrn“ am Smartphone.

Scheinbar will sich die evangelische Kirche in unserer digitalen Gesellschaft nicht abhängen lassen. Oder sie hält es schlicht nicht mehr aus, dass ab der zweiten Strophe immer nur dieselben dünnen Stimmchen gegen die Orgel ansingen. Dieses Problem jedenfalls soll mit der App gelöst sein. Schnell das Lied gesucht, und der Text erscheint auf dem Bildschirm. Bonus für die Weitsichtigen: Die Schrift lässt sich am Smartphone problemlos größer stellen, kein mühsames Zwinkern und Blinzeln mehr.

Doch die App soll noch mehr können. Etwa an der Orgelmelodie erkennen, welches Lied gespielt wird oder Chören helfen, neue Lieder zu lernen. Insgesamt also: Spaß am Singen in der Kirche verbreiten. Halleluja! Dabei nur nicht vergessen, den Blick auch mal vom Bildschirm nach oben zu richten. Zu dem, dem der Lobgesang gilt.

Pünktlich zur Adventszeit im nächsten Jahr kommt die Gesangbuch-App wohl auf den Markt. Und dann hat keiner mehr eine Ausrede, warum er die zweite Strophe von „Macht hoch die Tür“ nicht mitsingt.


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07.12.2017 - 06:00 Uhr