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Leitartikel zu Gewaltattacken

Leben mit dem Terror

Der islamistische Terror, der seit Jahren in Europa wütet – und in den USA wieder zugeschlagen hat –, hat unsere Sicht auf die Welt verändert. Wer sich heute in große Menschenmengen begibt – ob im Fußballstadion oder einem touristischen Hotspot – tut dies nicht selten mit mulmigem Gefühl.

03.11.2017
  • Günther Marx

Wer demnächst einen Weihnachtsmarkt besucht, hat die Bilder vom vergangenen Jahr an der Berliner Gedächtniskirche vor Augen. Wer eine Barcelona- oder New-York-Reise bucht, macht dies trotz der Anschläge islamistischer Attentäter in Fußgänger- oder Fahrradzonen. Und wenn die Besucher durch Rummel und Gedränge schlendern, tun sie dies trotz der Erinnerungen. Der Gedanke, dass „etwas“ passieren könnte, ist ihnen ein ständiger Begleiter.

Der Terror hat es geschafft, in unser Leben einzudringen, auch wenn alle Statistiken belegen, dass – außerhalb der eigentlichen Kriegs- und Krisenzonen – die Gefahr, im Straßenverkehr verletzt oder getötet zu werden, um ein Vielfaches größer ist. Nicht zu reden von den Gefahren durch Volkskrankheiten und ungesunde Ernährung. Dass der Terror so „erfolgreich“ ist, liegt an seinem besonderen Charakter. Denn der islamistische Terror greift in all seiner Zielgerichtetheit wahllos an, was er als islamfeindlich identifiziert. Vorzugsweise alles, was er mit westlicher Kultur und freier Lebensweise verbindet.

Das unterscheidet ihn vom Terror in den 70er- und 80er- Jahren, als in Europa RAF und Brigate Rosse oder Eta und IRA ihre Blutspur zogen – mit übrigens deutlich höheren Opferzahlen als der aktuelle Terror. Das ist heute beinahe vergessen. Es tangierte seinerzeit bei aller Belastung und teilweiser Hysterie („deutscher Herbst“ mit Landshut-Entführung und Schleyer-Mord) auch weniger das allgemeine Sicherheitsgefühl der Bürger. Es war ein Terror, der sich gegen staatliche Institutionen und seine Repräsentanten richtete. Es gab freilich auch andere Terrorakte – Bologna 1980, das Oktoberfest in München 1980 oder Oslo und Utoya 2011 –, wo Attentäter mit neonazistischem Weltbild zu Massenmördern wurden. Auch sie waren in einer Art Dschihad.

Wie nun aber ist mit solchen Gefahren umgehen? Ob in Deutschland, Frankreich, Belgien oder Großbritannien – überall wurden die Sicherheitsgesetze verschärft, zeitweise der Ausnahmezustand verhängt, der Austausch von Geheimdienstinformationen intensiviert, die Präsenz von Polizei und privaten Sicherheitsdiensten intensiviert. Einiges kann damit verhindert werden. Gegen Messerattacken an der Ladenkasse eines Supermarktes oder Todesfahrten mit gemieteten Lkws gibt es keine absolute Sicherheit. Man wird also mit Terror leben müssen, so wie wir innerhalb eines gewissen Rahmens mit „normaler“ Kriminalität auskommen müssen.

Das deutlichste und auf Dauer wirksamste Zeichen setzen jedoch an vielen Orten die bedrohten Menschen selbst. Sie führen ihr Leben einfach weiter – wie vor einem Jahr in Berlin oder eben jetzt in New York; im Bewusstsein der Gefahr, vielleicht auch in Angst, aber auch mit Trotz und Selbstbewusstsein.

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03.11.2017, 06:00 Uhr
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