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Mode gegen den Fashion-Hype

Lea Deutschmann gründete ein Label, das auf Nachhaltigkeit setzt

Von Mode-Design träumen viele junge Frauen. Die Tübingerin Lea Deutschmann hat es einfach gemacht: Sie gründete ihr eigenes Label „Klainod“, mit der Ortsangabe „Brüssel – Tübingen“. Denn Wurzeln spielen in ihrer Auffassung von Kleidung eine starke Rolle.

05.12.2014
  • Sunita Sukhana

Lea Deutschmann ist in Tübingen geboren und aufgewachsen. Die 24-Jährige liebt ihre Heimatstadt. Nach dem Abitur am Uhland-Gymnasium zog sie aber nach Brüssel, wo sie ein Jahr in der Filmszene arbeitete, um ihr Französisch zu verbessern und ihre „Aufgabe in dieser Welt zu finden“. Angetan von der Kostümbildnerei studierte sie dann Modedesign in Paris und Brüssel.

Lea Deutschmann gründete ein Label, das auf Nachhaltigkeit setzt
Die 24-jährige Modedesignerin, die das Modell am liebsten direkt aus dem Stoff entwickelt, bei der Entwurfsarbeit.

Den Fashion-Hype hat Lea Deutschmann jedoch immer abgelehnt. Sie hält Mode für vergänglich und austauschbar. Nach ihrem Studium stand sie vor einer Entscheidung: „Entweder gehe ich völlig raus aus der Modebranche, oder ich bleibe drin und bringe etwas Neues rein“, erzählt sie. Dann entschied sie sich für „etwas Neues“ und gründete mit 23 Jahren die Kleidermarke „Klainod“.

Ein Jahr danach ist sich Deutschmann im Klaren darüber, was sie mit Klainod erreichen will. Als Kontrast zur vergänglichen Modeszene will sie langlebige, schlichte Kleidungsstücke für Frauen jeden Alters schaffen. Sie bezeichnet ihre Arbeit bewusst nicht als „Mode“ oder „Fashion“, weil sie sich dagegen stemmen möchte, dass Konsumenten in jeder Saison neue Klamotten kaufen, womöglich von großen Handelsketten und zu unrealistisch niedrigen Preisen.

Deutschmann, die alle Produkte selbst entwirft, achtet also nicht auf Trends, sondern auf Nachhaltigkeit und Qualität. „Ich kreiere Designs, die Platz für die Person lassen, die neutral sind und trotzdem einen gewissen Touch haben“, sagt sie. Ihre Kleidungsstücke kosten mehr als diejenigen von populären Ketten, doch Deutschmann hält die Preise niedrig genug, „dass auch junge Leute, die gerade anfangen zu arbeiten, sie sich leisten können“. Die Klamotten kosten zwischen 80 und 130 Euro. Die Kollektion soll für Frauen jeden Alters tragbar sein. „Es ist eine Herausforderung, aber ich versuche etwas im Design zu finden, das auch einer 80-Jährigen passt“, erklärt Deutschmann.

Wenn sie von der „Philosophie“ hinter Klainod spricht, kommt sie ins Schwärmen: „Ich trage immer ein Stück Tübingen in mir“, sagt sie. „Die Leute heute reisen viel. Wir machen unseren Bachelor da, unseren Master dort und einen zweiten Master wieder woanders. Wir bewegen uns so viel, dass wir unsere Wurzeln verlieren.“ Kleider wie die von Klainod sollen dabei Halt geben und einen Ausgleich zwischen der modernen Mobilität und den Wurzeln schaffen.

Lea Deutschmann gründete ein Label, das auf Nachhaltigkeit setzt
Socken - made by Grandma

Deutschmann produziert nicht nur Kleidung, die dieser Philosophie entspricht, sondern sie versucht selbst, sie im Alltag zu verkörpern. Zum Interview trägt sie einen schlichten cremefarbenen Strickpulli. Ihre wilden blonden Locken hat sie zu einem einfachen Dutt gebunden. Ab und zu sucht sie nach einem deutschen Wort, weil ihr nach drei Jahren in Belgien als erstes die französischen Begriffe in den Sinn kommen. Sie ist multikulturell, aber sie fühlt auch traditionell.

Das ist auch die Idee hinter ihrer Sockenkollektion „Made by Grandma“, die von älteren Frauen in Deutschland und Belgien gestrickt wird – auch von der eigenen Oma. Damit will die Designerin nicht nur eine Handarbeits-Tradition pflegen. Sie sieht es als Austausch zwischen den Generationen, wenn sie als junge Unternehmerin die Socken entwirft und Großmütter sie dann mit alten Stricktechniken wie der Doppelferse produzieren. „Auf diese Weise wissen meine Kunden, wer es produziert hat und wie lange so etwas dauert. Sie stopfen dann lieber mal ihre Socken, anstatt sofort neue zu kaufen“, sagt Deutschmann. Kaputte Kleidungsstücke können in den ersten Jahren an Klainod zurückgeschickt und repariert werden. Klainod sucht übrigens auch stets neue strickbegeisterte ältere Damen – oder auch Herren.

Alle bisherigen Sockenkollektionen haben eine sehr hohe Auflage erreicht, ebenso das Blue Dress, ein asymmetrisches, raffiniert fallendes Sommerkleid, und der Pleat Pullover, ein Flecht-Pulli mit zwei Falten vom Kragen bis unter die Brust in Hell-Lavendel oder Rot. Trotzdem kann Deutschmann noch nicht ganz von ihren Einnahmen durch Klainod leben. Sie arbeitet nebenher als Kostümbildnerin für einen Pariser Choreographen und als freie Designerin für andere Marken. Außerdem macht sie seit einem Jahr eine Gebärdensprachausbildung und hat das Buch „Neighbours Comic Language“ herausgebracht, in dem sie französische Begriffe aus Belgien, Frankreich und der französischen Schweiz in Comics darstellte – eine Einladung, auf spielerische Art Französisch zu lernen.

Lea Deutschmann gründete ein Label, das auf Nachhaltigkeit setzt
Lea Deutschmann

Wenn Lea Deutschmann Mode entwirft, macht sie keine Skizzen, sondern kauft Stoff in Belgien, Italien und Spanien und drapiert ihn auf einer Puppe. Wenn das Design fertig ist, stellen Schneiderinnen die Stücke in Ateliers in Brüssel und Berlin her. Früher hat Deutschmann noch alles selbst genäht, mittlerweile gibt sie diese Arbeit ab. Alle Klainod-Ateliers beteiligen sich an sozialen Projekten, sie stellen zum Beispiel gezielt Langzeitarbeitslose oder Migranten ein. Für die Stricksachen will sie in Zukunft Bio-Wolle von der Schwäbischen Alb verwenden.

Ihre Kollektionen sind klein: zwölf bis 15 Teile pro Entwurf, mehr nicht. Einmal hat sie ein Praktikum bei einer Modedesignerin gemacht, die 30, 40 Teile pro Saison schuf, von denen aber oft nur drei Stücke von den Geschäften übernommen wurden. „Ich möchte, dass die Leute die Energie spüren, die da drin steckt“, erklärt Deutschmann. In ihrem Online-Shop sind die Klamotten der laufenden wie auch der vorherigen Saison zu haben. Sie bleiben online, bis keine mehr verfügbar sind.

Und woher kommt der Name Klainod? Deutschmann hat ihn gewählt, da sie das aus dem Sprachgebrauch nahezu verschwundene Wort „Kleinod“ wiederbeleben wollte: Es beschreibt einen schmucken Gegenstand, der emotionalen Wert hat. Die phonetische Schreibweise mit „a“ soll das Neue markieren, das sich hinter dem Label versteckt.

Info Die aktuelle Klainod-Kollektion ist in Geschäften in Brüssel, Barcelona und Berlin zu kaufen, in Tübingen bei „Vera Zahn – Feine Sachen“ in der Südstadt. Klainod hat außerdem einen Stand auf der „Holy Shit Shopping“ Messe am 20. und 21. Dezember in Stuttgart.

Archivbilder: Ulmer

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05.12.2014, 12:00 Uhr
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