Eine Frage der Haftung: B27 von Tübingen aus für Wochen einspurig

Lärmschutzwand bröckelt auf die Fahrbahn

Von Eike Freese

Die Firma haftet, der Schallschutz-Beton leider nicht: Weil sich in den vergangenen Tagen große Leichtbeton-Brocken am B27-Tunnel in Dußlingen lösten, ist eine Fahrbahn für Wochen nur einspurig zu gebrauchen.

Lärmschutzwand bröckelt auf die Fahrbahn

Marode Fertigteile: An den Lärmschutzwänden vor und hinter dem B27-Tunnel löst sich der Leichtbeton und fällt in Brocken herunter. Bild: Franke

Dußlingen. Zwölf Tage nach der feierlichen Eröffnung hat das Bauprojekt B27-Tunnel in Dußlingen offenbar seinen ersten größeren Regressfall. Teile der über 600 Meter langen Lärmschutzwände, die die Fahrbahnmitte nördlich und südlich des Tunnels kennzeichnen, sind Mängelexemplare. In den vergangenen Tagen wurden die Schäden so offensichtlich, dass die Fahrbahn von Tübingen aus Richtung Hechingen nun für Wochen nur einspurig freigegeben ist.

Der Grund: In Dußlingen angebrachte Schallschluck-Flächen aus Leichtbeton bröckeln von den Träger-Wänden. Betroffen ist derzeit nur die in Fahrtrichtung Hechingen linke Seite der B27. Hier waren bereits vor Tagen erste Mängel sichtbar. Am Sonntagnachmittag meldete dann ein Autofahrer per Handy Schutt auf der Fahrbahn. Seit Montag ist die innere Spur der Fahrbahn jetzt gesperrt. Die Arbeiten könnten vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen.

Die Schallschutzwände vor und hinter dem Dußlinger B27-Tunnel sind Fabrikate der Eudur-Bau-Unternehmensgruppe mit Sitz in Schorndorf und Herzebrock-Clarholz bei Gütersloh. Das Unternehmen hat bereits prominente Straßen wie die A33 bei Bielefeld oder die A4 bei Chemnitz ausgestattet. Neben Lärmschutz-Installationen war die Firma im Industrie- und Fassadenbau an Repräsentierbauten wie dem Fildorado in Filderstadt oder dem Phaeno-Wissenschafts-Zentrum in Wolfsburg beteiligt. Mit Mängeln, heißt es aus dem RP, sei die Firma bislang nicht auffällig geworden.

Fertigbauteile mit Leichtbeton

In der Fahrbahnmitte sind auf einer Strecke von über 600 Metern etwa 130 dieser Lärmschutz-Bauteile agebracht. Die Fertigteile, fünf Meter lang und 3,5 Meter hoch, sind zwischen Stahlträgern befestigt. Vor und hinter einer Stahlbeton-Trägerwand ist jeweils eine Fläche aus wesentlich leichterem Lärmschutz-Beton angebracht. Erst von Frühjahr bis Sommer wurden die Teile montiert. Ein offenbar recht gleichmäßiger Fehler in der Herstellung der Serie sorgt dafür, dass bisher nur die immer gleiche Seite betroffen ist: Die Haft-Probleme traten bislang an sechs Stellen allein auf der westlichen Seite der Wände auf.

Obwohl eröffnet, ist der Bau der Lärmschutzwand noch nicht abgenommen. Für die Kosten der Reparatur und der Verkehrssicherung will Eudur aufkommen. Denkbar ist zudem, so heißt es aus dem Regierungspräsidum, eine Verlängerung der Gewährleistung.Die Firma möchte sich zum Hintergrund der Mängel nicht äußern und verweist für Auskünfte aufs Regierungpräsidium. Die Geschäftsführung war allerdings vor Ort, um eine „schnelle Sanierung“ zu versprechen, heißt es. Ein Gutachter wird den Schaden in den kommenden Tagen beurteilen. Der Leichtbeton könnte künftig zusätzlich mit Dübeln am Trägermaterial befestigt werden. In den Tagen zuvor waren Regierungspräsidium und Unternehmen noch davon ausgegangen, dass die maroden Wände „nicht den Verkehr gefährden“, sagte RP-Sprecher Steffen Fink gestern auf TAGBLATT-Nachfrage. Einzelschäden waren seit rund zwei Wochen bekannt.

Lärmschutz-Wände für rund 1,5 Millionen

Der Dußlinger B27-Tunnel wird mit all seinen Einzelmaßnahmen rund 55,8 Millionen Euro kosten. Rund 1,5 Millionen Euro kosten die Lärmschutzwände, die insgesamt eine Länge von rund 1200 Metern haben.


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29.07.2014 - 12:00 Uhr