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Herkunft wertvoller Uhren geklärt

Kunstdetektivin auf Spuren von "Nazi-Raubkunst"

Zwei Tischuhren der Sammlung "Prunkuhren der Renaissance" im Alten Schloss sind als Ergebnis der Nachforschungen über ihre Herkunft in den Bestand der Sammlungen des Landesmuseums zurückgekehrt.

28.12.2012
  • von ELKE HAUPTMANN

Stuttgart Seit Oktober 2009 ist Anja Heuß im Landesmuseum Württemberg und in der Staatsgalerie Stuttgart als Provenienzforscherin tätig. Licht ins Dunkel der Geschichte so manches Gemäldes oder Kunstobjekts zu bringen, ist Aufgabe der "Kunstdetektivin". Die Historikerin ist "Nazi-Raubkunst" auf der Spur, sucht nach Eigentümern oder Erben von Kunstwerken, die zwischen 1933 und 1945 widerrechtlich den Besitzer wechselten. Diese Provenienzforschung ist eine Sisyphosarbeit: Rund 2000 Gemälde und Kunstgegenstände müssen in der Staatsgalerie überprüft werden, im Landesmuseum sind es 10 000.

In zwei Dutzend Fällen konnte Heuß bereits die Herkunft von Objekten, die im Besitz des Landesmuseums sind, klären - etwa die eines Silberpokals, zweier Taschenuhren, einer Medaille und eines Dukatens, die allesamt im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden eingetrieben wurden. In einem Fall gab es auch eine Rückgabe: Die Holzplastik "Johannes der Täufer" wurde Mitte Oktober des Jahres an die Erben von Jacob und Rosa Oppenheimer übergeben.

Nun kann Anja Heuß einen neuen Erfolg vermelden: Ihr ist es gelungen, die ehemaligen Eigentümer der beiden Renaissance-Uhren zu ermitteln, die sich aufgrund der Verfolgung durch das Nazi-Regime 1942 von ihrer Kunstsammlung trennen mussten. Beide stammen ursprünglich aus der Sammlung von Eugen Gutmann, dem Gründer der Dresdner Bank. Eugen Gutmann (1840 bis 1925) war ein bedeutender Kunstsammler. Im Laufe seines Lebens erwarb er eine Sammlung vorwiegend deutscher Gold- und Silberschmiedearbeiten des 16./17. Jahrhunderts, die mehrere hundert Werke umfasste.

Nach seinem Tod verblieb die Sammlung im Besitz der Familie; sie wurde von seinem Sohn Fritz Gutmann verwaltet, der in Holland lebte. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Holland im Sommer 1940 wurde der Bankier Fritz Gutmann wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt, verlor Vermögen und Stellung und war gezwungen, sich von der Sammlung zu trennen. 1942 wurde sie von Kunsthändlern nach München gebracht und dort deponiert. Das Ehepaar Gutmann wurde 1943 deportiert und ein Jahr später ermordet.

Nach Kriegsende wurde der größte Teil der Sammlung Eugen Gutmann an die Erben zurückgegeben. Mehrere Objekte waren allerdings nicht mehr auffindbar. Zwei dieser fehlenden Objekte konnten nun im Landesmuseum Württemberg identifiziert werden, nachdem der Vertreter der Erbengemeinschaft, Simon Goodman, im Mai 2011 Kontakt mit der Stuttgarter Provenienzforscherin aufgenommen hatte. Beide Uhren waren 1973 als Teil der Uhrensammlung des Schweizers Joseph Fremersdorf für das Landesmuseum Württemberg erworben worden.

Mittlerweile steht fest: Bei beiden Uhren handelt es sich "um eindeutige Fälle im Sinne der Washingtoner Erklärung, die auch von Deutschland unterschrieben worden ist", heißt es in einer Mitteilung des Landesmuseums. Danach sollen Kulturgüter, die NS-verfolgungsbedingt entzogen worden sind und bestimmten Geschädigten zugeordnet werden können, nach individueller Prüfung den legitimierten früheren Eigentümern oder deren Erben zurückgegeben werden. Auf dieser Grundlage konnten mit den Erben des ehemaligen Eigentümers Kaufverhandlungen aufgenommen und nun erfolgreich abgeschlossen werden. Die Summe wird nicht genannt.

Die quadratische Tischuhr von Johann Reinhold, 1581/ 1592 in Augsburg gefertigt, und die sogenannte Orpheus-Uhr, vermutlich 1560/70 hergestellt, sind weiterhin im Alten Schloss zu sehen.

Kunstdetektivin auf Spuren von "Nazi-Raubkunst"
Die sogenannte Orpheus-Uhr, die vermutlich 1560/70 hergestellt wurde.

Kunstdetektivin auf Spuren von "Nazi-Raubkunst"
Uhr von Johann Reinhold, 1581/1592 gefertigt. Fotos: Landesmuseum

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28.12.2012, 12:00 Uhr
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