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Erwartet bittere Nachricht für die Neth-Beschäftigten

Kündigungen in der Fabrik

Über sechzig Menschen in der Region ist kurz vor den Feiertagen gekündigt worden. Sie arbeiten für die Betriebe des verstorbenen Unternehmers Wilhelm Neth. Währenddessen läuft die Investoren-Suche.

28.12.2012
  • von Eike Freese

Mössingen. Die meisten waren wohl darauf eingestellt – doch die Weihnachtsfeiertage dürften für den Großteil der Beschäftigten der Neth-Betriebe nichtsdestotrotz kein besonders fröhliches Fest gewesen sein. Kurz vor den Feiertagen bekamen sie von der Insolvenzverwaltung die Kündigungen mitgeteilt. Zwischen ein und drei Monaten betrugen die Kündigungsfristen. Die Gehälter der Beschäftigten werden aus der Insolvenzmasse bedient. Bis jetzt hat sich noch kein Investor gefunden, der den Fortbestand der Neth-Betriebe sichert.

Betroffen sind vor allem rund fünfzig Arbeitsplätze in der Maschinenfabrik Neth an der Ofterdinger Straße in Mössingen. Der 1958 gegründete Betrieb macht einen großen Teil der Insolvenzmasse im defizitären Nachlass des verstorbenen Fabrikanten Wilhelm Neth aus, den der Tübinger Insolvenzverwalter Gerhard Walter seit Sommer dieses Jahres betreut. Auch den Beschäftigten im Nethschen Blumengeschäft, in der Hausverwaltung der „Delicasa“-Immobilie und in der Sägen-Produktion in Sulz am Neckar wurde gekündigt. Die wenigen Leute, die auf dem Ofterdinger Hofgut Jungviehweide beschäftigt sind, behalten derzeit ihren Arbeitsplatz.

Insolvenzverwalter Gerhard Walter will dennoch die Hoffnung auf Weiterbeschäftigung der Männer und Frauen derzeit nicht begraben sehen. „Wir führen im Januar Verhandlungen, und zwar schon sehr konkrete Verhandlungen, mit Interessenten“, sagte Walter gestern gegenüber dem TAGBLATT. Er habe der Belegschaft bereits versichert, dass derzeit alles daran gesetzt wird, die Gekündigten im Rahmen einer übertragenden Sanierung weiter in Mössingen zu beschäftigen.

Vor diesem Hintergrund will Walter die jetzigen Kündigungen als „vorsorglich“ verstanden wissen. „Wir können die Menschen nicht formal weiterbeschäftigen und damit während der Insolvenz rote Zahlen schreiben“, sagt der Anwalt. „Das wäre unverantwortlich.“ Ob die jüngsten Kündigungen die Neth-Betriebe für potenzielle Käufer attraktiver machen, ist für ihn kein Thema. „Man kann das auch umgekehrt sehen“, so Walter. Derzeit und in den nächsten Wochen werde in der Mössinger Maschinenfabrik weitergearbeitet.

Beschäftigte der Neth-Betriebe nehmen derzeit sporadisch die Beratung der Agentur für Arbeit in Anspruch. Drei Beschäftigte etwa kamen am gestrigen Donnerstag zu den Vermittlungsstellen, meldet der Reutlinger Arbeitsagentur-Geschäftsführer Gunnar Schwab. „Wir sind zwar eingestellt auf ein etwas höheres Kundenaufkommen, aber bisher ist davon wenig spürbar“, so Schwab. Ob Vermittlung, Weiter-Qualifizierung oder anderes das Richtige sei, erführen die Gekündigten derzeit in Vermittlungsgesprächen, zu denen auch kurzfristig Termine möglich seien. Allgemeine Prognosen für die Weiterbeschäftigung der derzeitigen Neth-Mitarbeiter in Mössingen oder anderswo will Schwab nicht abgeben. „Das hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.“

Spätestens seit September bangen die Beschäftigten um ihre Jobs. Der Nachlass des im vergangenen Juli verstorbenen Unternehmers Wilhelm Neth ist hoch belastet. Die Erben hatten Nachlass-Insolvenz beantragt – bis Dezember fungierte Martina Neth, Schwiegertochter des Patriarchen, als Nachlasspflegerin. Vor allem die Bilanz der Maschinenfabrik und die Überschuldung des Nachlasses durch die teure „Delicasa“-Immobilie sind die Gründe für die Insolvenz. Die meisten Geschäfte im Delicasa-Bau selbst haben mit der Pleite nichts zu tun.

Kündigungen in der Fabrik
Bis gestern war noch kein Investor für die Maschinenfabrik Neth an der Ofterdinger Straße in Mössingen gefunden. Der Insolvenzverwalter kündigte den knapp 50 Mitarbeitern vor Weihnachten und hofft auf gelungene Verhandlungen mit Interessenten zu Beginn des neuen Jahres.Bild: Freese

Wird ein angeschlagenes Unternehmen von einem neuen Träger übernommen, spricht man von einer übertragenden Sanierung. Für die Maschinenfabrik Neth wird dieses Ziel angepeilt. Die nun gekündigten Mitarbeiter könnten im günstigen Fall neue Beschäftigung beim Übernehmer finden, so Insolvenzverwalter Walter. In welcher Zahl und zu welchen Konditionen, ist freilich offen. Spätere Kündigungen aus Anlass einer solchen Sanierung sind nicht zulässig. Rund 50 meist ältere Beschäftigte arbeiten derzeit für die Maschinenfabrik Neth. Der Betrieb stellt Teile für Werkzeugmaschinen her und arbeitet in einem ordentlich laufenden Nischenmarkt.

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28.12.2012, 12:00 Uhr
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