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Sie sind für die Mehrheit hauptsächlich lästig

Kritische Aktionäre seit 25 Jahren

Manche klatschen, andere rollen mit den Augen, wenn einer von ihnen das Wort ergreift: Die Kritischen Aktionäre melden sich seit 25 Jahren auf Hauptversammlungen von Konzernen zu Wort.

27.09.2011
  • von SWP

Köln Die Kölner Geschäftsstelle des "Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre" ist ein kleiner Raum in einem Hinerhof. Von hier aus werden Informationen über große Konzerne gesammelt, Kampagnen geplant und Termine koordiniert. Die Organisation besteht nun seit 25 Jahren.

"Rein formell sind wir eine Aktionärsvereinigung, aber wir sehen uns eher als Nicht-Regierungs-Organisation", sagt Geschäftsführer Markus Dufner. Denn im Unterschied zu anderen Kleinaktionärsvereinigungen sei bei den Kritischen Aktionären nicht eine möglichst hohe Dividende das maßgebliche Ziel. Im Fokus stehe vielmehr, dass Konzerne Themen wie soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz nachweislich ernst nehmen.

"Natürlich ist ein Konzern keine soziale Organisation, sondern muss auch eine gute Rendite erzielen. Aber wir gehen von der Annahme aus, dass ein Unternehmen, das sich um die Umwelt und seine Mitarbeiter sorgt, auch wirtschaftlich erfolgreicher ist."

Mitglieder des Dachverbands sind 30 Organisationen. Darunter sind einige, die sich auf einzelne Unternehmen konzentrieren, aber auch übergreifend tätige Gruppen wie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). Besonders viele Ordner gibt es über Unternehmen aus den Branchen Energie, Rüstung, Pharma und Auto sowie über die Deutsche Bank.

Der Dachverband besitzt Aktien und erhält somit Eintrittskarten für die Hauptversammlungen. Es komme auch häufig vor, dass andere Kleinaktionäre dem Dachverband ihre Stimmrechte übertragen, erläutert Dufner. Auf diese Weise habe der Verband oft zehntausende Aktien auf sich vereinigt - was dennoch bei Abstimmungen keine Rolle spielt.

Die Absicht sei deshalb eine andere, sagt Dufner: "Wir können unsere Rederechte ausüben und den Vorstand zu Antworten zwingen." Früher sei den Kritischen Aktionären oft das Mikrofon abgestellt worden, wenn sie nicht zu den vorgesehenen Themen sprachen. So etwas komme heute nur noch selten vor. Ziel sei es, über Öffentlichkeit Druck auszuüben.

Bei der Hauptversammlung des Energieriesen RWE etwa hatte der Dachverband medienwirksam zusammen mit Kernkraftgegnern gegen den Atomkurs des Konzerns protestiert. Ein anderes mal machte sich der Verband zum Anwalt brasilianischer Fischer, die bei der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp gegen den Bau eines Stahlwerks protestieren wollten.

"Bürger haben das Recht, Aktionäre zu sein, und es ist ein Recht von Aktionären, kritisch zu sein", sagt der Finanzmarktexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Manfred Jäger-Ambrozewicz. Allerdings seien die Kritischen Aktionäre auf Hauptversammlungen "hauptsächlich lästig". "Es gibt unauflösliche Widersprüche zwischen dem Modell der Aktiengesellschaft und den Positionen des Dachverbandes." Zwar könne der Verband Aufmerksamkeit erregen, letztlich schlage die Aktiengesellschaft im Sinne der Mehrheit aber einen anderen Weg ein. "Andererseits wird eine Demokratie durch Dissens befördert", sagt Jäger-Ambrozewicz.

In diesem Jahr widmen sich die Kritischen Aktionäre vor allem dem Thema "Greenwashing". Dies sei der Versuch von Konzernen, sich einen Öko-Anstrich zu verleihen, obwohl sie sich nicht entsprechend verhielten, erläutert Dufner. dpa

Kritische Aktionäre seit 25 Jahren
So stellt man sich den typischen Kapitalisten nicht vor: Markus Dufner, Geschäftsführer des Verbandes der Kritischen Aktionäre. Foto: dpa

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27.09.2011, 12:00 Uhr
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