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Kampf gegen rote Zahlen

Krankenhäuser im Südwesten stellen sich neu auf

Drei von fünf Krankenhäuser im Land haben 2009 keinen Gewinn gemacht. In einigen Landkreisen laufen Diskussionen, wie die Häuser neu aufgestellt werden können, andere haben erfolgreich umstrukturiert.

04.08.2010
  • PETRA WALHEIM

Stuttgart Die Krankenhaus-Landschaft im Südwesten ist in Bewegung. Das muss sie auch sein, denn die Mehrheit der Krankenhäuser liegt mit roten Zahlen darnieder - und damit den Trägern, das sind meist die Landkreise, auf der Tasche. Eine Umfrage der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) unter ihren 236 Mitglieds-Krankenhäusern hat ergeben, dass drei von fünf Krankenhäuser im Land, (58,9 Prozent) im Jahr 2009 keinen Gewinn gemacht haben. Im Jahr 2008 waren es 54 Prozent - Tendenz steigend.

Die Landkreise, die unter den Klinikkosten ächzen, wollen und müssen gegensteuern. Doch das ist in der Regel nicht so einfach, weil viele Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen. Das jüngste Beispiel gibt derzeit der Kreis Rottweil ab: Die Kliniken in Rottweil und Schramberg sind und bleiben in der Trägerschaft des Kreises. Sie haben 2009 ein Defizit von 4,3 Millionen Euro eingefahren. Das dritte Haus im Kreis, das städtische Krankenhaus in Oberndorf, hat dazu nichts beigetragen. Die 120-Betten-Klinik schreibt seit Jahren eine schwarze Null.

In einer turbulenten Kreistags-Sitzung vor gut einer Woche bekam erst nach mehreren Abstimmungen die kommunale Lösung eine Mehrheit. Sie beinhaltete, dass alle drei Kliniken bestehen bleiben und kommunal weitergeführt werden - auch das hochdefizitäre Haus in Schramberg, das vergangenes Jahr 2,6 Millionen Euro Verlust machte. Das Krankenhaus in Oberndorf sollte in die bestehende Gesundheitszentren GmbH aufgenommen werden.

Soweit der Plan des Kreistags und des Landrats Wolf-Rüdiger Michel. Doch der Oberndorfer Gemeinderat entschied in einer Sitzung einen Tag später, für die städtische Klinik eine eigene Lösung zu suchen und sich nicht dem Kreis anzuschließen. Landrat Michel, stocksauer auf die Oberndorfer, will das Konzept trotzdem durchziehen. Es sieht vor, dass die Klinik in Schramberg mit derzeit 127 Betten zu einer Portalklinik mit 40 bis 45 Betten degradiert wird. Außerdem wird eine Holding mit dem Klinikum im angrenzenden Schwarzwald-Baar-Kreis angestrebt. Das steht im Vergleich zu den Häusern im Kreis Rottweil wie ein leuchtendes Vorbild da: 2,38 Millionen Euro Überschuss hat das Klinikum im Jahr 2009 erwirtschaftet. Doch auch das ging nicht ohne Opfer: Das Krankenhaus in Furtwangen wurde 2003 geschlossen. Derzeit wird zwischen Villingen und Schwenningen für 263 Millionen Euro ein Zentralklinikum gebaut, von dem sich Geschäftsführer Rolf Schmid eine noch größere Wirtschaftlichkeit erwartet. Im Gegenzug wird das Krankenhaus in St. Georgen geschlossen. Als einzige Außenstelle bleibt das Krankenhaus in Donaueschingen erhalten.

Vergleichbar ist die Entwicklung im Zollernalbkreis: In Balingen wird derzeit die Klinik um- und ausgebaut. In einem Jahr soll der erste Bauabschnitt fertig sein, das bedeutet das Aus für das Krankenhaus in Hechingen. Die Klinik in Albstadt wurde schon vor Jahren für 32 Millionen Euro modernisiert.

Die Diskussion um Schließungen hat der Alb-Donau-Kreis hinter sich. Der Kreistag dort hat sich für eine dezentrale Klinik-Versorgung entschieden. Die drei Kliniken in Blaubeuren, Langenau und Ehingen wurden in kommunaler Trägerschaft erhalten - und zu Gesundheitszentren ausgebaut, in denen niedergelassene Ärzte mit den Kliniken kooperieren. Zudem hat jede Einrichtung ihre Schwerpunkte. Doch ganz ohne Einschnitte ging es auch im Alb-Donau-Kreis nicht ab: Das zuvor eigenständige Krankenhaus Laichingen wurde 2009 zwar vom Kreis aufgenommen, aber zum "Medizinzentrum" ohne Akutklinik abgespeckt. Die Sprecherin der Krankenhaus GmbH räumt ein, dass die Kliniken nicht ohne Verluste arbeiten. Doch die bleiben unter einer Million Euro.

Im Gegensatz zu anderen Kreisen habe man keine Probleme, Ärzte zu finden, die in den Kliniken arbeiten wollen. In Schramberg zum Beispiel mussten zeitweise Abteilungen geschlossen werden, weil die ärztliche Versorgung nicht mehr gewährleistet war. Auch wenn das Konzept im Alb-Donau-Kreis funktioniert, es ist nicht übertragbar. "Es gibt keine Patentlösung", sagt eine Sprecherin der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft. Jeder Kreis und jeder Träger müsse für sich die geeignete Lösung finden.

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04.08.2010, 12:00 Uhr
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