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Konstanz feiert 600 Jahre Papstwahl
„Habemus Papam!“: Jeder, der sich berufen fühlt, kann am Konstanzer Konzilgebäude den Papst-Schreier geben. Der beste Ausruf wird dann gekürt. Foto: Stadt Konstanz
Papst-Schreier gesucht

Konstanz feiert 600 Jahre Papstwahl

Die Stadt Konstanz erinnert mit einem Festwochenende an die bisher einzige Kür eines Pontifex nördlich der Alpen. Am 11. November 1417 stimmte das Konzil für Martin V.

11.11.2017
  • PETRA WALHEIM

Konstanz. Mit dem Wetter steht und fällt einer der Höhepunkte des Konzil-Festwochenendes in Konstanz. Geplant ist, dass sich heute eine Prozession nach dem Vorbild des Geschehens vom 11. November 1417 vom Konzil quer durch die Stadt bis zum Münster bewegt. Nur im strömenden Regen, der vorhergesagt ist, könnte die Prozession nicht stattfinden. Alle anderen Programmpunkte, die zur Erinnerung an die Papstwahl vor 600 Jahren in der Konstanzer Innenstadt vorbereitet sind, sind nicht gefährdet.

Dazu gehören unter anderem ein Festakt im Konzil mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), ein ökumenischer Gottesdienst im Münster und ein Papstschrei-Wettbewerb am Konzil. An dem kann sich jeder beteiligen, der sich dazu berufen fühlt, von der Terrasse des Konzilgebäudes aus lauthals „Annuntio vobis gaudium magnum, habemus Papam“ in die Welt zu rufen. Heißt: „Ich verkünde euch eine große Freude, wir haben einen Papst.“

Nach drei Tagen war es soweit

Vor 600 Jahren hatten 23 Kardinäle aus Frankreich, Spanien und Italien mit 30 Delegierten aus fünf Nationen im zugemauerten Konzil vom 8. November 1417 an um eine Entscheidung gerungen. Am Vormittag des 11. November war es dann soweit, dass der Name des neuen Papstes verkündet werden konnte: Martin V., benannt nach dem Patron des Tages, dem heilig gesprochenen Bischof Martin von Tours.

Der Wahl waren drei Jahre Reifungszeit vorausgegangen: Im November 1414 hatte das Konzil in Konstanz begonnen mit dem Ziel, die Kirche wieder zu einen. Denn zu dieser Zeit gab es drei Päpste. Drei Jahre hat es gedauert, bis sie ihrer Ämter enthoben waren und endlich der Einheitspapst gewählt werden konnte. Damit war die knapp 40 Jahre dauernde Kirchenspaltung beendet.

Die Stadt Konstanz feiert diese bislang einzige Papstwahl nördlich der Alpen mit einem Festwochenende. Das begann bereits gestern mit einem der größten Martins-Umzüge des Landes.

Heute beginnen die Feierlichkeiten um 10 Uhr mit einem Festakt im Konzil, bei dem Ministerpräsident Kretschmann ein Grußwort spricht und der päpstliche Sondergesandte Kurt Kardinal Koch den Festvortrag hält. Für 12 Uhr ist die Prozession vom Konzil zum Münster geplant. Nach Auskunft von Arabella Schwier, die seit drei Jahren die Konzil-Veranstaltungen in der städtischen Einrichtung „Konzilstadt Konstanz“ mitorganisiert, wurde sie nach dem Vorbild der Prozession vor 600 Jahren zusammengestellt. Allein 200 Ministranten seien daran beteiligt, sowie Musikkapellen und die Stadtwache. Das Wetter müsse nur mitspielen, denn „die Gewänder vertragen den Regen nicht“, sagt Arabella Schwier. Doch sie bleibt optimistisch, auch angesichts der Vielzahl des kirchlichen „Bodenpersonals“, das sich in der Stadt am Bodensee aufhält.

Um 12.30 Uhr soll im Münster der ökumenische Gottesdienst mit dem Freiburger Erzbischof Stephan Burger und dem evangelischen Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh beginnen.

Von 14 bis 18 Uhr sind die Besucher eingeladen, sich auf dem „Schauplatz Papstwahl“ zu tummeln. An Orten der Papstwahl von 1417 in der Konstanzer Innenstadt werden Führungen angeboten, Kurzvorträge gehalten, und im Konzil wird erklärt, wie aus dem ehemaligen Kaufhaus das Konzilgebäude wurde. Im Münster gibt es Infos zum Konzil, und im Cafe´ im Rosgartenmuseum können sich die Besucher am „Papst-Vesper“ laben.

Nach dem Pontifikalamt am Sonntag, 10 Uhr, laden erneut Führungen und Ausstellungen zum Bummel durch die Konzilgeschichte ein.

Info Mehr Details zu den Veranstaltungen gibt es im Internet unter www.konstanzer-konzil.de

Fünf Jahre Feiern

Die Stadt Konstanz feiert das Jubiläum „600 Jahre Konzil“ als wichtiges Ereignis der Stadtgeschichte mit fünf Themen-Jahren. 2014 war das „Jahr der europäischen Begegnungen“, in dem König Sigismund im Mittelpunkt stand. Er hatte das Konzil initiiert. Es folgte das „Jahr der Gerechtigkeit“, in dem der Reformator Jan Hus und dessen Verbrennung im Fokus standen. „Lebendiges Mittelalter“ war 2016 überschrieben. Es war der Imperia gewidmet. Dieses Jahr ist das „Jahr der Religionen“ mit der Papstwahl als Höhepunkt. Mit dem „Jahr der Kulturen“ zu Ehren von Oswald von Wolkenstein endet das Jubiläum.⇥wal

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11.11.2017, 06:00 Uhr
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