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Im Erweiterungsgebäude der Betzinger Hoffmannschule tritt Formaldehyd aus

Komplettsanierung mit Rückbau bis zum Rohbau nötig

Zwei Jahre nach dem Reutlinger Rathaus hat nun auch die Betzinger Hoffmannschule ein Formaldehydproblem. Bei Messungen wurde eine fast fünffache Überschreitung des Richtwerts festgestellt. Eine Komplettsanierung ist unvermeidlich. Bis es soweit ist, heißt das Mittel der Wahl: lüften, lüften, lüften.

22.09.2014
  • Uschi Kurz

Betzingen. Der Altbau der Hoffmannschule in Betzingen, der vor acht Jahren sein 100-jähriges Bestehen feierte, ist nicht betroffen. Auch nicht der neue Hauptbau, der in den 1960er-Jahren an der Steinachstraße gebaut wurde. Wohl aber der Erweiterungsbau, der gleich daneben 1969/70 errichtet wurde, weil die Schülerzahlen damals so rasch anstiegen.

Der Rektor der Grund- und Werkrealschule, Lothar Richter, brachte die Untersuchung im Frühjahr ins Rollen, nachdem sich zwei Lehrerinnen im Erweiterungsbau über Geruchsbelästigungen in den Klassenzimmern beklagt hatten. „Wir wollten den worst-case erfassen“, erklärt Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, weshalb erst im Sommer gemessen wurde. Das entsprechende Gutachten liegt der Stadt Reutlingen seit Anfang vergangener Woche vor. Demnach wurde bei Messungen in den Pfingst- und in den Sommerferien festgestellt, dass der Formaldehydrichtwert (0,12 Milligramm pro Kubikmeter) im Erweiterungsbau deutlich überschritten wurde. Um das fast bis zu Fünffache. Nachdem die Eltern informiert worden waren, lud die Stadt gestern zur Pressekonferenz.

Anders als dies beim Rathaus der Fall sei, erläuterte der Leiter des Gebäudemanagements, Peter Geier, stecke der Schadstoff nicht nur in den Zwischenwänden aus Spanplatten und in den Unterdecken, die leicht entfernt werden könnten, sondern auch in der sogenannten „verlorenen Schalung“ unter der Betondecke. Eine Komplettsanierung des Gebäudes sei deshalb unvermeidlich, ergänzte Hotz: „Wir müssen bis auf den Rohbau alles runternehmen.“ Mit dem Umbau, dessen Kosten sich im siebenstelligen Bereich bewegen, soll im Frühjahr begonnen werden. Momentan werde geprüft, wo die Kinder übergangsweise unterkommen könnten.

Betroffen sind 180 bis 200 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen drei und vier, die in neun Klassenzimmern im Ergänzungsbau unterrichtet werden, berichtete der Schulleiter. Da es sich um Neun- bis Zehnjährige handelt, so Richter, müsse man einen sicheren Schulweg gewährleisten können. Hotz geht daher davon aus, dass man wahrscheinlich auf eine Lösung mit Containern zurückgreifen werde. Allerdings sei die Beschaffung nicht einfach: Auf Grund der steigenden Flüchtlingszahlen sind Container derzeit stark nachgefragt. Um die Situation sofort zu verbessen, müsse man zweigleisig fahren. Deshalb setzt man nun zunächst auf intensives Lüften:

Eine intensive Grundlüftung der Schulräume vor Schulbeginn durch den Hausmeister oder von ihm beauftragtes Personal

sowie eine regelmäßige Fensterlüftung direkt vor Schulstundenbeginn und dann alle 30 Minuten durch das Kollegium.

Diese Maßnahmen, die in der Hoffmannschule seit Montag umgesetzt werden, haben sich im Rathaus bereits bewährt. Damit hoffen die Verantwortlichen für die Herbst- und Wintermonate, unter die Grenzwerte zu kommen. Dies soll durch weitere laufende Messungen überprüft werden.

Auf einen positiven Nebeneffekt der Stoßlüftung wies der Schulleiter hin: Auf diese Weise könne auch die CO2-Belastung gesenkt werden. Seit es an den Schulen Energiesparprojekte gebe, stelle er fest, dass häufig zu wenig gelüftet werde, „um Heizkosten zu sparen“.

Noch gibt es keine Reaktionen der Eltern auf die Formaldehyd-Belastung. Baubürgermeisterin Hotz versprach „maximale Transparenz“. Deshalb will die Stadt noch vor der Elternbeiratssitzung am 21. Oktober alle interessierten Eltern und Lehrer zu einer Informationsveranstaltung einladen.

Komplettsanierung mit Rückbau bis zum Rohbau nötig
Der Erweiterungsbau der Hoffmannschule wurde 1969/70 rasch hochgezogen. Jetzt weiß man, dass seine Spanplatten mit Formaldehyd belastet sind.Bild: Haas

Formaldehyd ist noch immer der Innenraumschadstoff Nummer 1. Häufig steckt er im Kleber, der die Spanplatten zusammenhält. Der Schadstoff greift die Atemwege an, verursacht Kopfweh und Müdigkeit und kann Krebs auslösen. 1977 wurde der Richtwert auf ein Drittel reduziert. Seither liegt er bei 0,12 Milligramm pro Kubikmeter (mg/m3). In einem Klassenzimmer des Erweiterungsbau der Hoffmannschule wurden im Juni 0,509 mg/m3 gemessen. Nachdem sowohl am Rathaus als auch in der Hoffmannschule eine erhöhte Formaldehyd-Belastung festgestellt wurde, sollen nun endlich nach und nach alle 30 städtischen Schulen überprüft werden. Grundsätzlich sei nicht alles, was aus dieser Bauzeit stamme, belastet, betont Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, wenngleich sie einräumt: „Das ist ein Riesenthema. Wir müssen jetzt jedes einzelne Gebäude betrachten.“

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22.09.2014, 12:00 Uhr
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