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Geisterstadt in Schutt und Asche

Kobane befreit, aber völlig zerstört - Wiederaufbau kostet Millionen

Die Kurden sind stolz auf ihren Sieg gegen die IS-Terrormiliz in Kobane. Doch Raketen und Gefechte haben viele Menschen getötet und die Stadt völlig zerstört. Zum Wiederaufbau wird ausländische Hilfe nötig sein.

30.01.2015
  • JAN KUHLMANN, DPA

Kobane Irgendwann kann Adla Hasso die Tränen nicht mehr zurückhalten. Es sind stille Tränen, die das Leid nach außen spülen, das sie und ihre Familie erlebt haben. Vier Monate hat die IS-Terrormiliz die Stadt Kobane in Nordsyrien terrorisiert. Vier Monate mit Granaten, Gefechten und Meldungen über Opfer. Adla Hasso hat auch während der Kämpfe in der Stadt gelebt. Jetzt ist sie mit ihrer Kraft am Ende.

Anfang der Woche haben die Kurden die IS-Extremisten endgültig vertrieben. Eine gespenstische Ruhe legte sich über die Stadt und ihre menschenleeren Straßen, die manchmal unterbrochen wird, wenn ein hupendes Auto vorbeifährt. Männer sitzen darin, die Finger zum Siegeszeichen gespreizt. Die Kurden feiern ihren Erfolg.

Adla Hasso steht mit Familie und Nachbarn am Straßenrand und wischt sich mit einem Taschentuch die Tränen aus den Augen. Glücklich und stolz sei sie, sagt die Frau Anfang 40. "Aber wir haben dafür mit so viel Blut bezahlt." Ihr Onkel ist in den Kämpfen umgekommen und viele Nachbarn.

Jede Straße zeigt, wie der Krieg gewütet hat. Ganze Viertel liegen in Schutt und Asche, in den Straßen zerschossene Autos und Laster. Der Krieg hat die Stadt an der türkischen Grenze in eine Geisterstadt verwandelt. Dennoch leben hier noch rund 15 000 Zivilisten, die nicht fliehen konnten oder wollten. Ganze Familien mit Kindern haben im Bombenhagel ausgeharrt.

Wasser und Lebensmittel bekommen die Menschen von den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG). In den Straßen patrouillieren deren Kämpfer. Khabat Khalil ist einer von ihnen, 20 Jahre alt mit dünnem Bart ums Kinn. Bis vor zwei Monaten lebte er in den irakischen Kurdengebieten, dann kehrte er in seine Heimat Kobane zurück, um die Stadt zu verteidigen. "Es war ein großartiger Kampf", sagt er und lächelt, als ginge es um ein Fußballspiel. In den Fingern hält er eine Handgranate.

Mohammed Saidi, ein Vertreter der Stadtverwaltung, ist auch in den Straßen unterwegs. Strom- und Wassernetz seien zerstört. "In einem ersten Schritt versuchen wir, die Menschen damit wieder zu versorgen." Viele Viertel seien zwar befreit, aber nicht gesichert. Noch immer durchkämmten YPG-Kämpfer Häuser auf der Suche nach Leichen und versteckten Sprengsätzen.

Zugleich wird geschaut, welche Gebäude bewohnbar sind. Wie hoch der Schaden in Kobane ist? Saidi kann es nicht sagen, doch er weiß: Der Wiederaufbau wird Millionen kosten und nur mit Hilfe aus dem Ausland möglich sein. "Ich wünsche mir, dass die ganze Welt erfährt, was hier passiert ist." Dann zieht er davon, die Sonne geht unter. Als schon die Dunkelheit hereingebrochen ist, rauscht über die Stadt wieder ein Kampfjet der internationalen Koalition, die die Kurden mit Luftschlägen unterstützt. Wenig später ist in der Ferne eine Detonation zu hören. Die Schlacht um Kobane mag gewonnen sein. Im Umland aber kontrolliert der IS noch Dutzende Dörfer.

Kobane befreit, aber völlig zerstört - Wiederaufbau kostet Millionen
Siegesfeier in der Trümmerwüste: Kurdische Kämpfer in der zerstörten Stadt Kobane. Foto: dpa

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30.01.2015, 12:00 Uhr
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