Stuttgart

Klinikvertreter: Abwerbeprämien nicht selten

Von dpa/lsw

Die Krankenhäuser im Land greifen zu immer drastischeren Methoden, um ihre Pflegestellen zu besetzen.

Klinikvertreter: Abwerbeprämien nicht selten

Ein Krankenpfleger schiebt ein Krankenbett durch eine Station. Foto: Daniel Bockwoldt/Archiv dpa/lsw

Stuttgart. Abwerbeprämien von mehreren Tausend Euro pro Kopf seien keine Seltenheit, sagte der Landesgeschäftsführer des evangelischen Krankenhausverbandes, Bernd Rühle, in Stuttgart. Insgesamt werde es immer schwieriger, Fachkräfte zu gewinnen. Deutschlandweit seien beispielsweise 3000 Stellen in der Intensivpflege unbesetzt.

Der Beruf dürfe auch nicht länger öffentlich abgewertet werden. «Wenn Menschen ohne entsprechende Qualifizierung die Lücken in der Pflege schließen sollen, dann wird die Kompetenz der Fachkräfte mit ihrer dreijährigen Ausbildung in Frage gestellt», sagte Rühle. Im evangelischen Krankenhausverband sind 23 Krankenhäuser organisiert.

Die SPD-Fraktion hat an diesem Mittwoch im Landtag eine Debatte zum Thema «Droht der Pflegenotstand in baden-württembergischen Kliniken?» beantragt.

Nach Angaben von Rühle werden immer mehr für Betrieb und Personal gedachte Mittel für Investitionen zweckentfremdet. «Das Land muss endlich die Lücke zwischen dem Investitionsbedarf für die Krankenhäuser und real gezahlten Mitteln schließen», forderte er. Bei einem vom RWI (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) errechneten Bedarf von 650 Millionen Euro im Jahr erhielten die Häuser 2017 rund 462 Millionen Euro zuzüglich 63,8 Millionen Euro aus dem Strukturfonds. Den Investitionsstau beziffere das RWI auf 3,7 Milliarden Euro. Einige Häuser seien bereits dazu gezwungen, wegen baulicher Veränderungen ihr Pflegepersonal zu reduzieren.


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08.11.2017 - 06:41 Uhr